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    Mit Immunzellen heilen

    21.09.2009

    Neue Therapien gegen einen schwer zu behandelnden Gehirntumor entwickeln Wissenschaftler der Universitäts-Kinderklinik. Sie sind Teil eines bayerischen Forschungsnetzwerks, das mit Hilfe des Immunsystems Krankheiten wie Krebs, Aids oder Rheuma bekämpfen will.

    Die Forschergruppe Immuntherapie (v. l.): Katharina Merker, Matthias Wölfl, Paul G. Schlegel. (Foto Uni-Kinderklinik)
    Die Forschergruppe Immuntherapie (v. l.): Katharina Merker, Matthias Wölfl, Paul G. Schlegel. (Foto Uni-Kinderklinik)

    Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindesalter vorkommt. Trotz einer Kombinationstherapie aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie haben diese Patienten immer noch eine sehr schlechte Prognose. Neue Therapieansätze werden deshalb dringend benötigt. Die Immuntherapie könnte ein solcher, viel versprechender Ansatz sein.

    Therapie mit körpereigenen Zellen

    „Im Körper von Patienten, die an einem Glioblastom erkrankt sind, finden wir so genannte tumorspezifische T-Zellen, mit denen sich der Tumor bekämpfen lässt“, erklärt Professor Paul G. Schlegel, Leiter des Schwerpunkts Pädiatrische Onkologie / Hämatologie / Stammzelltherapie an der Universitäts-Kinderklinik. Der Vorteil von T-Zellen ist, dass sie wie Wächter des Immunsystems durch den Körper patrouillieren können und nur aktiv werden, wenn sie auf eine für sie auffällige Struktur stoßen – in diesem Fall das Tumorgewebe. Gesundes Gewebe wird von den Zellen in Ruhe gelassen.

    Allerdings kommen diese Zellen nur in sehr geringer Zahl vor. „Ziel unseres Projektes ist es deshalb, die wenigen im Blut der Patienten vorhandenen tumorspezifischen T-Zellen im Labor so zu vermehren, dass sie mit guter Funktion und in großer Zahl zur T-Zell-Therapie zur Verfügung stehen“, so Schlegel.

    Bayern unterstützt das Projekt

    BayImmuNet-LogoDas Projekt der Forschergruppe an der Universitäts-Kinderklinik ist Teil von BayImmuNet, dem Bayerischen Immuntherapie-Netzwerk, das vor einem Jahr seine Arbeit mit fünf Forschergruppen aufgenommen hat. Nun hat sich das Netzwerk um zehn Forschungsprojekte erweitert, die vom Freistaat Bayern mit 2,4 Millionen Euro gefördert werden.

    Begonnen wurde das Projekt allerdings schon im Jahr 2008, nachdem der Mediziner Dr. Matthias Wölfl nach einer Forschungstätigkeit am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA zu der Gruppe um Professor Schlegel hinzukam. „Dank der Anschubfinanzierung der hiesigen Elterninitiativen, großzügiger Benefizveranstaltungen sowie eines Stipendiums der Kind-Philipp-Stiftung konnten wir die Grundlagen für das jetzige Vorhaben schaffen. Umso mehr freut es uns, dass wir jetzt durch BayImmuNet gefördert werden“, so die beiden Wissenschaftler.

    Eine klinische Studie ist das Ziel

    Gemeinsam werden sie in den kommenden Monaten aus dem Blut der Patienten die Zellen heraussuchen, die sich am Besten eignen, und die Methoden so anpassen, dass das T-Zell-Produkt am Ende auch den Vorschriften des Arzneimittelgesetzes entspricht. „Hier muss noch viel Arbeit geleistet werden, und BayImmuNet ermöglicht uns – sowohl durch die finanzielle Unterstützung als auch durch die Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb der von BayImmuNet geförderten Gruppen – unserem Ziel einer klinischen Studie näher zu kommen.“

    „Immuntherapie rettet heute bereits vielen Menschen das Leben. Mit den Forschungsansätzen im Bayerischen Immuntherapie-Netzwerk wollen wir aber bei Krebs-, Infektions- und Autoimmunerkrankungen neue Therapien anwenden, wo konventionelle Konzepte zunehmend an ihre Grenzen stoßen“, so Professor Reinhard Andreesen, Wissenschaftlicher Leiter von BayImmuNet, anlässlich der Präsentation der Forschungsansätze in Regensburg.

    14 Millionen Euro für Immuntherapien

    Der Freistaat Bayern finanziert BayImmuNet in den Jahren 2008 bis 2011 mit bis zu zehn Millionen Euro. Dazu kommen noch Eigenmittel, die die geförderten Universitäten selbst aufbringen müssen, so dass insgesamt bis zu 14 Millionen Euro in die Forschung an Immuntherapien fließen.

    Ein weiteres Würzburger Forschungsprojekt

    Noch ein zweites Projekt wird von BayImmuNet an der Universität Würzburg finanziert: Der Mediziner Dr. Max Topp entwickelt an der Medizinische Klinik und Poliklinik II bereits seit einem Jahr immunologische Ansätze zur Vorbeugung und zur Therapie von Patienten, die an einer Infektion mit dem Pilz Aspergillus fumigatus erkrankt sind. Dabei handelt es sich um eine gefürchtete Komplikation bei Patienten, die beispielsweise an einer akuten Leukämie erkrankt sind oder die eine Stammzelltransplantation mit Spenderzellen erhalten haben.

    Pilzsporen, die überall in der Raumluft vorhanden sind, können bei diesen Patienten, deren Immunabwehr nicht mehr normal arbeitet, in der Lunge auskeimen und das Lungengewebe zerstören. Gesunde Menschen sind hingegen in der Lage, mit Hilfe der angeborenen sowie erworbenen Immunität dieser Herausforderung effizient zu begegnen, indem sie die Pilzsporen frühzeitig abtöten.

    Kontakt: Dr. Matthias Wölfl, E-Mail: woelfl_m@klinik.uni-wuerzburg.de
    Professor Dr. Paul G. Schlegel, T: (0931) 201 27 728, E-Mail: schlegel@mail.uni-wuerzburg.de

    Link: http://www.bayimmunet.de

    Von Gunnar Bartsch

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