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    Mit 19 das Diplom in der Tasche

    31.01.2011

    70 Frühstudierende der Universität Würzburg haben jetzt ihre Urkunden für das vergangene Sommersemester erhalten. Einer von ihnen hat sich dabei besonders hervorgetan. Mit seiner Leistung hat er bundesweit für Aufsehen gesorgt.

    Frühstudierende
    Wolfgang Heubisch (l.) und Alfred Forchel (r.) gratulieren den Frühstudierenden Corinna Schreier und Sebastian Weingärtner zu ihren hervorragenden Leistungen. (Foto Gunnar Bartsch)

    Stern TV, Bayerisches Fernsehen, Antenne Bayern, Münchner Merkur, Nürnberger Abendzeitung und viele andere mehr: Sie alle haben sich in den vergangenen Tag für Sebastian Weingärtner interessiert. Der 19-Jährige nimmt den Medienrummel gelassen: „Zwei Tage lang ist das zu ertragen. Wenn das jetzt über zwei Wochen ginge, wäre es nicht so schön.“

    Woher dieses große Interesse kommt? Sebastian Weingärtner ist der erste Frühstudent der Universität Würzburg – ja, im ganzen süddeutschen Raum – der es geschafft hat, in dieser Zeit ein komplettes Diplomstudium erfolgreich abzuschließen. Neben dem Informatik-Diplomstudiengang hat er außerdem noch knapp zwei Drittel eines Bachelor-Studiums im Fach Mathematik absolviert – und natürlich auch die Schule besucht und ein hervorragendes Abitur geschrieben.

    Inzwischen sitzt Weingärtner an seiner Doktorarbeit. Dafür ist er an die Universität Heidelberg gewechselt – „aus rein privaten Gründen“, wie er sagt. Denn an der Würzburger Universität habe er sich immer wohl gefühlt: „Ich kann mir keine bessere Uni vorstellen für ein Informatik- und Mathematikstudium.“ Immerhin: Seinen Bachelor in Mathematik will er noch an der Uni Würzburg abschließen; in zwei Semester könnte er soweit sein. Und wer weiß: „Vielleicht sehen Sie mich ja in zwei Jahren wieder für meine Habilitation.“

    Das Würzburger Frühstudium

    Die Universität Würzburg bietet schon seit dem Wintersemester 2004/05 besonders begabten Schülern die Möglichkeit, noch vor dem Abitur erste Vorlesungen und Seminare zu besuchen, an Klausuren teilzunehmen und Leistungsnachweise zu sammeln. Rund 300 Schüler haben von diesem Angebot schon Gebrauch gemacht. Sie kommen aus 59 Gymnasien von Fulda bis Donauwörth und natürlich aus den unterfränkischen Gymnasien, mit denen die Universität Würzburg besondere Kooperationsvereinbarungen pflegt. Sie haben dabei Vorlesungen, Übungen und Seminar in 23 Fächern von Anglistik bis Wirtschaftswissenschaft belegt. Spitzenreiter in der Nachfrage ist die Mathematik mit 84 Teilnehmer, gefolgt von Physik (47) und Informatik (36).

    „Auch wenn nicht selten Frühstudierende bei den Modulprüfungen beachtliche Leistungen erzielen, so ist der Erwerb eines kompletten Diploms schon etwas ganz und gar Außergewöhnliches“, würdigte Professor Wolfgang Schneider Sebastian Weingärtners Leistung. Schneider ist Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie IV und Direktor der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg.

    Intensive Tests und permanente Begleitung

    Mitarbeiter der Begabungspsychologischen Beratungsstelle testen alle Schüler, die sich für ein Frühstudium intensiv. Dabei geht es in erster Linie darum zu erkennen, „ob Eltern, Schule und die Universität gemeinsam davon überzeugt sind, dass der Kandidat oder die Kandidatin mit der doppelten Anforderung klar kommen kann“, wie die Privatdozentin Dr. Eva Stumpf sagt, die als erfahrene Begabungspsychologin das Auswahlverfahren leitet.

    Auch nach dem „Einstiegstest“ hat die Uni ein Auge auf ihre Frühstudierenden. So achten die Mitarbeiter der Beratungsstelle und die Fachmentoren darauf, dass kein anderer Bereich unter dem Frühstudium leidet. Da könne es durchaus auch mal vorkommen, dass  die Beratungsstelle einem Frühstudierenden rät, ein Semester zu pausieren, falls dessen Leistungen in der Schule in einem Fach abzusinken drohen.

    Vielleicht ist ja diese gute Betreuung der Grund dafür, warum an der Universität Würzburg die Mehrzahl der Frühstudierenden zwei oder mehr Semester absolvieren. Bundesweit belässt es die überwiegende Mehrheit nämlich bei nur einem Semester, wie Dr. Richard Greiner erläuterte. Greiner arbeitet am Institut für Mathematik; als Fachkoordinator hat er zusammen mit Wolfgang Schneider das Würzburger Frühstudium initiiert. Seitdem kümmert er sich auch als Fachmentor um die Frühstudierenden der Mathematik.

    Im Frühstudium bis zum Magister

    Die Sorge, dass „ein anderer Bereich unter dem Frühstudium leidet“, bestand bei Corinna Schreier jedenfalls nicht. Auch sie hat in dieser Zeit Erstaunliches geleistet und bekam deshalb jetzt im Rahmen der Semesterfeier ein Zertifikat überreicht: Corinna Schreier hat als Frühstudentin ihr Magisterstudiums-Hauptfach „Politische Wissenschaft“ erfolgreich abgeschlossen. Die Zwischenprüfung hatte sie sogar als Prüfungsbeste absolviert.

    Schule und Studium unter einen Hut zu bringen sei keine Schwierigkeit gewesen, sagt die 20-Jährige. „Das ist alles eine Frage des Zeitmanagements.“ Ihre Kurse an der Uni habe sie soweit wie möglich so belegt, dass möglichst wenig Unterricht ausfiel. Und wenn sie doch mal ein paar Schulstunden ausfallen lassen musste, konnte sie sich immer darauf verlassen, dass ihre Klassenkameraden ihr eine Mitschrift zur Verfügung stellten.

    Sieben Semester hat Corinna Schreier als Frühstudierende an der Universität Würzburg verbracht. Neben den Politischen Wissenschaften hat sie Kurse in Geographie, Geschichte und den Wirtschaftswissenschaften besucht und damit „eine große Interessensbreite“ bewiesen, wie Wolfgang Schneider in seiner Laudation sagte. Soziologie und Psychologie sind jetzt ihre Nebenfächer; in einem Jahr will sie das Magisterstudium beendet haben und dann ein weiteres Studium anschließen.

    Stur aufs Lernen fixiert ist die erfolgreiche Frühstudentin allerdings nicht. „Ich habe immer darauf geachtet, dass zwischen Lernen, Sport und Freunde treffen eine Balance besteht“, sagt sie. Deshalb habe sie regelmäßig Tanzkurse besucht und sich ehrenamtlich engagiert.

    Lob und Tadel vom Minister und vom Präsidenten

    Für ihre Leistungen bekamen alle Frühstudierenden Lob von höchster Stelle: Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch war extra nach Würzburg gereist, um seine Gratulation auszusprechen. Unipräsident Alfred Forchel war von einem Termin in Berlin zurückgekommen, um hier Diplom und Urkunde übergeben zu können.

    „Ich darf Ihnen den Dank der bayerischen Staatsregierung dafür aussprechen, dass Sie es sich nicht leicht gemacht haben“, sagte Heubisch zu den Frühstudierenden. Sie alle seien Vorbild für ihre Mitschüler und der lebendige Beweis dafür, dass man „auch neben der Schule noch etwas mit Erfolg machen kann.“

    Ein Aspekt des Frühstudium hat dem Minister allerdings gar nicht gefallen: „Ich sehe mit Bedauern, dass Sie keine harten NC-Fächer wie Medizin, Zahnmedizin oder Psychologie studieren können“, sagte Heubisch. Und versprach vor versammelten Hörsaal, dass er nach Änderungsmöglichkeiten suchen werde.

    Sein Ratschlag zum Schluss: „Studieren Sie in Würzburg. Gehen Sie dann raus in die Welt. Und kommen Sie dann zurück nach Bayern. Denn wir brauchen Menschen wie Sie, Menschen, die in der Welt zu Hause sind.“

    Von Gunnar Bartsch

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