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    „Mehr Freiheit für die Hochschulen wagen“

    16.01.2006

    Im Rahmen der anstehenden Zielvereinbarungen zwischen Universitäten und Freistaat forderte der Würzburger Universitätspräsident Prof. Dr. Axel Haase „mehr Freiheit für die Hochschulen zu wagen, mehr Zeit zu haben für die Forschung und weniger für die Strukturplanung“. Nur so würden sich auch mehr Wissenschaftler in der internationalen Spitze plazieren können.

    Prof. Haase sprach anlässlich einer gemeinsamen Festveranstaltung der Universität Würzburg zusammen mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München zum Amtsantritt des Würzburger Juristen Prof. Dr. Dietmar Willoweit als neuer Präsident der Akademie. Ziel müsse es sein, die Wissenschaftler davon besser zu entlasten.

    In Deutschland gehe man im Rahmen der Strukturdiskussionen der letzten Jahre davon aus, das Erfolgsrezept dafür, wie man die Universitäten leistungsfähiger machen und ihre Position im internationalen Wettbewerb stärken könnte, bestehe darin, sich zunächst einmal neue Strukturen für die Hochschulen zu überlegen. Gerade das Beispiel der Universität Würzburg aber zeige, dass dies keineswegs notwendigerweise so sein müsse, sondern dass man Exzellenz durchaus auch auf einem anderen Weg erlangen könne.

    Wissenschaftler bräuchten zu allererst eine Umgebung, „in der sie sich entwickeln können und dürfen“, sagte der Präsident. Exzellente Wissenschaftler müssten sich die Strukturen schaffen können, die optimal auf sie und ihre jeweilige Arbeit zugeschnitten sind. Die dazu nötige Freiheit zu handeln, wie es die Wissenschaft erfordere, sei die erste Voraussetzung für die allseits geforderte Exzellenz der deutschen Universitäten: „Diese Freiheit zu bieten, ist uns in Würzburg gelungen, und darauf basiert unser Erfolg“.

    Würzburg könne in der Forschung auf eine lange Tradition interdisziplinärer Kooperation über die Grenzen der Fakultäten hinweg zurückblicken. Die Grundlagen dafür seien im 19. Jahrhundert mit den Instituten der Naturwissenschaften gelegt worden. „Auf dieser Tradition haben wir in den letzten Jahren erfolgreich aufgebaut: Ich möchte hier von unseren modernen interdisziplinären Zentren nur das Biozentrum und das Rudolf-Virchow-Zentrum erwähnen. An ihnen wird so exzellente Arbeit geleistet, dass wir mittlerweile in Biomedizin eine herausragende Position in unserem Land einnehmen“.

    Dies sei, so Haase, so gut geglückt, weil die Gründung und Organisation der heutigen interdisziplinären Forschungszentren zunächst auf die Initiative der Wissenschaftler zurückgegangen und dann mit aller Kraft von der Universitätsleitung und der gesamten Universität unterstützt worden sei. Die dazu nötige Freiheit zu handeln, wie es die Wissenschaft erfordert, sei die erste Voraussetzung für die allseits geforderte Exzellenz unserer Universitäten.

    Gefahren für die Freiheit der Wissenschaft drohten dabei nicht in der Einschränkung der Wissenschaft durch inhaltliche oder fachliche Vorgaben oder gar durch Zensur: „Sie kommen vielmehr aus einer ganz anderen Richtung. Freiheit wird heute in erster Linie eingeschränkt durch die zunehmende Reduzierung von frei verfügbarer Zeit!“ erklärte der Würzburger Unipräsident. Den Wissenschaftlern bleibe immer weniger Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben in Forschung und Lehre, weil sie u. a. immer mehr dokumentieren, sich rechtfertigen, Mehrjahrespläne erarbeiten oder Normen einhalten müßten. Ziel müsse es sein, die Wissenschaftler davon besser zu entlasten.

    Präsident Willoweit dankte den zahlreich erschienen Gästen für ihre Teilnahme an der Veranstaltung. Der Würzburger Biomediziner Prof. Dr. Martin Lohse stelle in einem Festvortrag die Biomedizin an der Universität Würzburg vor.

    Von Robert Emmerich

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