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    Konstruktive Podiumsdiskussion in der Philosophischen Fakultät

    29.10.2014

    Bei der Podiumsdiskussion "Quo vadis, philosophische Fakultät?" stellten sich Universitäts-Vizepräsident Wolfgang Riedel, Dekan Roland Baumhauer und Professorin Isabel Karremann Fragen von Studierenden.

    In regem Austausch mit den Studierenden: Isabel Karremann, Wolfgang Riedel und Roland Baumhauer (v.l.)
    In regem Austausch mit den Studierenden: Isabel Karremann, Wolfgang Riedel und Roland Baumhauer (v.l.)

    Bei der Veranstaltung ging es auch um die aktuelle Unzufriedenheit einiger Studierender in der Anglistik/Amerikanistik.

    Die Fachschaft hatte vorab Fragen gesammelt, mit denen die Vertreter der Uni dann konfrontiert wurden. Im Bereich Anglistik ging es unter anderem darum, dass Studierende zu Beginn des Semesters deutlich ihre Unzufriedenheit mit der Verteilung der Kursplätze formuliert hatten.

    "Als Geisteswissenschaften haben wir zu wenige Ressourcen, um eine ordentliche Lehre, so wie wir sie uns vorstellen würden, zu realisieren. Wir müssen mit den Ressourcen, die wir haben, umgehen", sagte Karremann, die erst seit Oktober 2013 an der Universität Würzburg ist und den Lehrstuhl für englische Literatur- und Kulturwissenschaft innehat.

    Geisteswissenschaften mit schwerem Stand

    Professorin Karremann konnte die Unzufriedenheit der Studierenden teilen. Die Anglistik – und die Geisteswissenschaften im Allgemeinen – hätte keinen guten Stand in der Hochschulpolitik und damit auch in der Verteilung der Mittel. Dies zeige sich dann eben auch in der aktuellen Situation.

    Die beste aller Lösungen sei, man bekäme mehr Geld und könne mehr Stellen schaffen: "Bevor Sie applaudieren: Das wird nicht passieren. Das liegt daran, dass wir als Geisteswissenschaft auf der Prioritätenliste nicht ganz oben stehen", sagte Karremann.

    Dieses Problem sei nicht neu und vor allem: es sei an die Hochschulpolitik zu adressieren. Hier pflichtete ihr Vizepräsident Wolfgang Riedel bei: Geisteswissenschaften stünden nicht im Zentrum der Wissenschaftspolitik.

    Studienverlaufspläne werden neu strukturiert

    Riedel verwies in Zusammenhang mit der unterschiedlichen Ausstattung der verschiedenen Bereiche innerhalb der Uni Würzburg – mit beispielsweise unterschiedlichen Lehrstuhlzahlen bei ähnlichen Studierendenzahlen – auch auf "gewachsene Strukturen", die man nicht ad hoc ändern könne.

    Dennoch konnte Karremann den Studierenden der Anglistik/Amerikanistik Hoffnung machen. Zumindest dem Verteilungsproblem der Kursplätze werde man zu Leibe rücken.

    "Das Studium, wie es gerade ist – geregelt durch Modulhandbuch, Studienverlaufspläne und studienfachspezifische Bestimmungen –  ist dem 'Vor-Bologna-System' entsprungen. In der aktuellen Praxis haut dies nicht hin", erklärte Karremann. "Wir sind aber gerade dabei, dies zu überarbeiten", sagte Karremann.

    Mehr Seminare ab kommendem Sommersemester

    Als eine erste "Sofortmaßnahme" so Karremann, werde man ab dem kommenden Sommersemester die Einführungsveranstaltungen in Literatur- und Sprachwissenschaften auf eine Einführungsvorlesung umstellen, mit begleitendem Tutorium. "Dies ist sicher auch nicht meine Lieblingslösung, aber dadurch wird sofort Deputat frei, das wir in den Themenbereichen der Basis- und Aufbaumodule einsetzen können." Es werden also in Zukunft mehr Seminare angeboten.

    Dabei werde aber weiterhin eine gewisse Flexibilität von den Studierenden verlangt. "Es werden immer einige Kurse – teilweise überraschend – sehr viel stärker nachgefragt als andere. Aber wir müssen davon ausgehen, dass sich die Gesamtzahl der Studierenden auf alle zur Verfügung stehenden Kurse verteilen lässt", erklärte Karremann das planerische Dilemma, mit dem sie und ihre Mitarbeiter sich vor jedem Semester erneut konfrontiert sehen.

    Klare Absage an NC

    Der Forderung nach einem NC oder einer anderweitigen Zulassungsbeschränkung erteilte Vizepräsident Riedel eine deutliche Absage. Auch einen Einstufungstest  werde es nicht geben. Karremann sagte dazu: "Genau das ist hochschulpolitisch nicht gewollt. Man möchte möglichst viele Hochschulerstsemester haben - denn die bringen am meisten Geld."

    Sollte man die Zahlen begrenzen, würden auch die "die Studienzuschüsse entsprechend reduziert, die Verluste würden empfindlich sein", sagte Riedel und ergänzte: "Die Kopplung von Studierendenzahlen und Geldflüssen aus der Landesregierung hat eine Art Fehlsteuerung an die Universität gebracht."

    Die Hochschulleitung hätte laut Riedel keine andere Chance, als die Studierenden nach Würzburg zu locken. Das Geld, das der Uni Würzburg entginge, würde sonst anderen Unis oder Fachhochschulen zufallen.

    Fortschritte in der Organisation der Platzverteilung

    Auch die Kritik der Studierenden am intransparenten Vergabesystem über sb@home konnte Karremann teilen: "Das Vergabeverfahren über sb@home verschärft die Problematik, die wir hier haben, noch einmal." Es käme vor, dass Studierende im fünften Fachsemester zu drei Kursen zugelassen werden, höhere Semester kurz vor dem Abschluss jedoch zu keinem. "Das verstehe ich nicht", sagte Karremann.

    Auf Nachfrage der Fachschaft im Plenum nach noch bestehenden, konkreten Problemen mit dem Finden eines Kurses, meldeten sich in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal 1 lediglich sechs Personen. Karremann bot an, sich direkt am Folgetag mit den Studierenden um eine Lösung zu bemühen. An der Verbesserung von sb@home arbeitet die Uni bereits seit einiger Zeit. Auch hier werde die Fachschaft weiter versuchen, sich einzubringen, so Sprecher Stephan Hemmerich.

    Aufruf zur Teilhabe an Veränderungsprozessen

    Neben den akuten Themen aus der Anglistik kamen aber auch die Fragen anderer Studierender der Philosophischen Fakultät nicht zu kurz. Unter anderem, inwieweit man die Auswahl der Lehrinhalte, beispielsweise die behandelten Schriftsteller in der Germanistik, nicht der Aktualität anpassen könnte. Hier bot Riedel an, Vorschläge zu Inhalten über die Fachschaft entgegenzunehmen.

    Das Stichwort Beteiligung rief Dekan Roland Baumhauer auf den Plan. "Wir revisionieren gerade nahezu alle Bachelorstudiengänge. Sie müssen sich daran beteiligen – sonst wird aus der vermeintlichen Vielfalt schnell Einfalt. Sie können sich einbringen, müssen dies aber auch einfordern", sagte  Baumhauer.

    Entzerrung der Prüfungswochen und zunehmende "Verschulung"

    Baumhauer ging auch konkret auf die Bitte der Studierenden ein, einmal die Lage der Klausuren in den zwei Prüfungswochen zu überprüfen. Laut Fachschaft finde die Mehrzahl der Klausuren in der ersten Woche statt. "Wenn dem wirklich so ist, ändern wir das", versprach der Dekan.

    Zudem bewegte die Studierenden die Frage der zunehmenden Verschulung des Studiums, begünstigt durch die Bologna-Reformen. Die allgemeine Bildung käme zu kurz in dem sehr auf Leistung ausgerichteten System.  Dazu sagte Riedel: "Die Gesellschaft wird Ihnen in diesem System Ihre Ausbildung bezahlen. Aber warum sollte sie Ihre Bildung bezahlen?" 

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