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    Im Kino ist jetzt täglich Studi-Tag

    15.10.2007

    Selbst der größte Hörsaal kann die hohe Zahl der Erstsemester nicht mehr fassen: Studierende der Wirtschaftswissenschaften werden deshalb im Wintersemester 2007/08 ihre Einführungsveranstaltungen im größten Saal im Cinemaxx besuchen. Raumnot bereitet allerdings auch in anderen Fachbereichen Probleme. Über den Stand der Dinge berichtete Universitätspräsident Axel Haase jetzt auf einer Pressekonferenz.

    Studirende im überfüllten Hörsaal
    Universitätspräsident Axel Haase begrüßt im übervollen Audimax die neuen Studierenden der Wirtschaftswissenschaften (Foto Robert Emmerich)

    „In Bayern droht das Hochschul-Chaos – die Zahl der Studenten wird bis 2011 stark ansteigen, doch es fehlen Hörsäle und Dozenten“: Mit dieser Schlagzeile hatte die Süddeutsche Zeitung im Bayernteil zum Start ins Wintersemester einen Artikel überschrieben, in dem den Unis für die kommenden Jahre „dramatische Zustände“ vorhergesagt werden, weil es ihnen an Räumen und Personal fehlt.

    „Dramatisch sind die Zustände an der Julius-Maximilians-Universität noch nicht – und wenn doch, dann zumindest nur in einigen Teilbereichen. Man kann jedoch ohne zu übertreiben sagen, dass die Bedingungen schwierig sind“, sagte Universitätspräsident Axel Haase jetzt vor der Presse. Vor allem die Raumnot bereite den Organisatoren in diesem Semester große Probleme. Betroffen davon sind aktuell die Wirtschaftswissenschaften in der Neuen Universität am Sanderring, die Philosophische Fakultät I am Hubland und die Philosophische Fakultät II am Wittelsbacherplatz.

    Dort ist es den Verantwortlichen nur deshalb gelungen, Räume für die große Menge an Studierenden und Veranstaltungen zu finden, weil die Hochschulleitung sich dazu entschlossen hat, zusätzliche Gebäude anzumieten. Deshalb werden beispielsweise

    ·   Studierende der Wirtschaftswissenschaften in diesem Semester für den Großteil ihrer Einführungsveranstaltungen in einen Saal im Groß-Kino Cinemaxx ausweichen

    ·   Studierende der Germanistik in die Gerbrunner Mehrzweckhalle umziehen und

    ·   Studierende der Pädagogik Seminare in umliegenden Schulen besuchen.

    Und für weitere Veranstaltungen ist die Universität schon jetzt auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten im Bereich der Innenstadt.

    „Mit den vorhandenen Kapazitäten ist die Universität nicht mehr in der Lage, ihren Studierenden angemessene Lernbedingungen zu bieten“, klagte Axel Haase. Die Universität Würzburg brauche die Möglichkeit sich zu erweitern – und zwar schnell. Schließlich gehen alle Prognosen davon aus, dass die Zahl der Studierenden in Deutschland in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird – bis zu 30.000 könnten es an der Universität Würzburg in den Jahren 2015/16 werden – also deutlich mehr als die heutigen 20.500.

    Als kurzfristige Lösung sei die Anmietung des Cinemaxx-Kinos der richtige Weg, sagte Haase. Dort fänden Dozenten und Studierende die benötigte Technik, große Projektionsleinwände, eine Tonanlage und „sehr bequeme Sitze“. Was im Vergleich zu einem echten Hörsaal fehlt, liefert die Universität: Finanziert von der Deutschen Bank werden Haase und Mitarbeiter der Fakultät zum Vorlesungsstart am Dienstag an alle Besucher der Veranstaltung um 10 Uhr kostenlose Schreibunterlagen verteilen. „Auf diese Weise ermöglichen wir der großen Zahl von Wirtschaftswissenschaftlern ein qualitativ hochwertiges Studium“, sagte Haase.

    Den Vorschlag, das Raumproblem durch die Einführung von Zulassungsbeschränkungen in den betroffenen Fächern zu lösen, lehnte Haase ab. „Wir wollen uns im Gegenteil öffnen“, sagte er. Jeder, der studieren wolle, müsse die Chance dazu erhalten – so der Unipräsident.

    Eine langfristige Lösung für das Problem hat die Hochschulleitung auch schon in der Tasche: Weil die US-amerikanischen Streitkräfte im kommenden Jahr aus den Leighton Barracks ausziehen werden, biete sich dort eine „ideale Expansionsmöglichkeit“. Das Gebiet mit der Fläche eines ganzen Stadtteils liegt in unmittelbarer Nähe zum Hubland-Campus und verfügt schon jetzt über jede Menge Gebäude, die „für universitäre Belange leicht umzuwandeln sind“, so Haase.

    Dort hätte die Uni Platz zum Ausbau vorhandener und zur Einrichtung neuer Studiengänge; Studierende und Wissenschaftler fänden adäquate Wohn-, Lern- und Arbeitsbedingungen und die Ausdehnung ermögliche es der Universität, ihre schon bisher zahlreichen Projekte für eine familienfreundliche Uni zu intensivieren.

    Allerdings ist schnelles Handeln gefordert, so Haase weiter. 2011 verlassen in Bayern dank der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium doppelte Jahrgänge die Schulen; ein Jahr später passiert in Baden-Württemberg das Gleiche. Würzburg muss sich also auf einen sprunghaften Anstieg der Bewerberzahlen einstellen. Ein Cinemaxx wird dann mit Sicherheit nicht mehr ausreichen, um die Studierenden der Universität Würzburg zu fassen.

    Von Gunnar Bartsch

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