piwik-script

English Intern

    Herzinfarkt und Schlaganfall effektiver therapieren

    11.01.2010

    Wenn bei der Blutgerinnung ein bestimmtes Enzym fehlt, ist der Organismus gegen Herzinfarkt und Schlaganfall geschützt. Die Blutgerinnung selbst funktioniert trotzdem noch.

    Produzieren die Blutplättchen das Enzym Phospholipase D 1, bildet sich nach einer Gefäßschädigung ein Blutpfropf, der das Gefäß verschließt (links, Querschnitt durch die Bauchschlagader einer Maus). Fehlt das Enzym, kann nach einer Gefäßschädigu
    Produzieren die Blutplättchen das Enzym Phospholipase D 1, bildet sich nach einer Gefäßschädigung ein Blutpfropf, der das Gefäß verschließt (links, Querschnitt durch die Bauchschlagader einer Maus). Fehlt das Enzym, kann nach einer Gefäßschädigung kein Blutpfropf entstehen (rechts, Querschnitt durch die Halsschlagader einer Maus). Aufnahmen: Rudolf-Virchow-Zentrum

    Eine Forschungsgruppe der Universität Würzburg hat bei der Blutgerinnung einen Mechanismus aufgeklärt, der die Therapie von Herzinfarkten und Schlaganfällen verbessern könnte. Die Ergebnisse beschreibt das Team um Professor Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow-Zentrum, dem Würzburger DFG-Forschungszentrum, jetzt in der Fachzeitschrift Science Signaling.

    Blutpfropfen verstopfen die Gefäße

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle sind das größte Gesundheitsproblem in westlichen Gesellschaften. Verursacht werden sie meist von Blutpfropfen, die Blutgefäße verstopfen.

    Ein Blutpfropf entsteht durch die Anlagerung von Blutplättchen an beschädigten Gefäßwänden. Gelangen die Blutplättchen an eine beschädigte Stelle, werden sie von der Gefäßwand aktiviert. Sie verändern dann ihre Form und Oberflächeneigenschaften so, dass sie sich aneinander und an der Wand des Blutgefäßes festkleben können.

    Tragische Folgen in Herz, Hirn und Lunge

    Ist ein Blutpfropf so groß, dass er das gesamte Blutgefäß verschließt, wird das nachfolgende Gewebe nicht mehr durchblutet. Besonders tragische Folgen hat das im Herzen, dem Gehirn oder der Lunge: Es kommt zum Herzinfarkt, zum Schlaganfall oder zur Lungenembolie. Solche Durchblutungsstörungen werden daher schon früh mit leichten Blutverdünnern wie Aspirin behandelt. Bei einem Infarkt können in manchen Fällen stark wirksame Medikamente die Blutpfropfen auflösen.

    Medikamente hemmen Blutgerinnung

    Doch alle bisher verfügbaren Medikamente haben einen Nachteil: Sie beeinflussen auch immer die normale Blutstillung, die lebenswichtig ist, um den Organismus bei Verletzungen vor einem unkontrollierten Blutverlust zu schützen. Als Nebenwirkungen sind daher eine erschwerte Stillung von blutenden Wunden und – bei starken Medikamenten – sogar innere Blutungen bekannt.

    Wissenschaftler suchen darum seit einigen Jahrzehnten nach kleinsten Unterschieden zwischen dem Ablauf der normalen Blutgerinnung und der Entstehung krankhafter Gefäßverschlüsse. Das ist eine Herausforderung, denn die krankhafte und die normale Blutstillung laufen im Körper über sehr ähnliche Mechanismen ab.

    Wichtige Rolle: Enzym der Blutplättchen

    Einen wichtigen Unterschied haben die Würzburger Wissenschaftler jetzt gefunden: In den Arterien, wo krankhafte Blutpfropfen besonders gefährlich sind, können sich stabile Pfropfen nur mit Hilfe des Enzyms Phospholipase D 1 (PLD 1) bilden, das sich in den Blutplättchen befindet. Mäuse, bei denen das Enzym fehlt, bilden keine großen Blutpfropfen aus und sind zum Großteil vor Infarkten und Schlaganfällen geschützt.

    „Interessant ist, dass PLD 1 besonders für die krankhafte Blutgerinnung wichtig zu sein scheint, für die normale Blutgerinnung aber nicht unbedingt benötigt wird“, sagt Bernhard Nieswandt. In einem verletzten Gefäß aktiviert das Enzym so genannte Integrine auf der Oberfläche der Blutplättchen, wenn sich bereits einige Plättchen an die Gefäßwand geheftet haben. Das aktivierte Integrin wiederum wirkt wie Klebstoff, der die Plättchen noch einmal untereinander verklumpt und den Pfropf stabilisiert.

    Enzym wirkt in den Arterien wie ein Verstärker

    In den Arterien entstehen die meisten akut lebensgefährlichen Blutpfropfen. Dort nimmt PLD 1 eine Schlüsselrolle ein und ist daher besonders interessant für einen möglichen Therapieansatz. „In den Arterien wirken auf die Blutplättchen sehr viel höhere Scherkräfte ein als in den Venen. Diese Kräfte aktivieren die Plättchen stark, erschweren aber gleichzeitig die Entstehung eines Pfropfens. Daher scheint PLD 1 hier als eine Art Verstärker wichtig zu sein, damit sich die Plättchen überhaupt untereinander verklumpen können“, so Professor Nieswandt. Diese Verstärkerfunktion könnten die Wissenschaftler blockieren und damit Durchblutungsstörungen und den Gefäßverschluss verhindern, ohne die normale Blutgerinnung zu beeinflussen.

    “Impaired aIIbb3 Integrin Activation and Shear-Dependent Thrombus Formation in Mice Lacking phospholipase D1”, Margitta Elvers, David Stegner, Ina Hagedorn, Christoph Kleinschnitz, Attila Braun, Marijke E. J. Kuijpers, Michael Boesl, Qin Chen, Johan W. M. Heemskerk, Guido Stoll, Michael A. Frohman, Bernhard Nieswandt. Science Signaling, 5 January 2010; Volume 3, Issue 103, ra1, DOI: 10.1126/scisignal.2000551

    Kontakt

    Kristina Kessler, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Rudolf-Virchow-Zentrum/DFG-Forschungszentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg, T (0931) 31-80895, kristina.kessler@virchow.uni-wuerzburg.de

    Von Kristina Kessler / Robert Emmerich

    Zurück