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    Exotin und Elite

    20.04.2012

    Lisa Herrmann ist als einzige Studentin der Universität Würzburg in den neuen Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie aufgenommen worden. Hervorragende Noten, jede Menge ehrenamtliches Engagement und ihr Abschneiden in dem dreistufigen Auswahlverfahren waren dafür ausschlaggebend.

    Lisa Herrmann
    Lisa Herrmann studiert Musikpädagogik und Musikwissenschaft. An der Bayerischen Eliteakademie ist sie mit dieser Fächerkombination eine ziemliche Exotin. (Foto: Bayerische EliteAkademie)

    Wie viele Stunden hat der Tag von Lisa Herrmann, wie viele Tage hat ihre Woche? Kaum zu glauben, dass auch sie nur sieben mal 24 Stunden zur Verfügung hat – bei so vielen Aktivitäten und Verpflichtungen, wie sich in ihrem Terminkalender finden.

    Da steht an oberster Stelle natürlich die Uni: Die 22-Jährige studiert im sechsten Semester Musikpädagogik mit den Fächern Orgel und Gesang und im Nebenfach Musikwissenschaft an der Universität Würzburg. Nach der Schule hatte sie eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt, ein reines Kirchenmusikstudium zu absolvieren; die Aufnahmeprüfung dafür hatte sie bereits bestanden. Dann hat sie sich doch eines Anderen besonnen: „Das Studium an der Uni bietet mir einfach eine enorm breite Basis“, sagt sie.

    Ehrenamtlicher Einsatz in der Heimat

    Dass ihre Entscheidung auf die Uni Würzburg fiel, hatte zum einen ganz pragmatische Gründe: „Ich wollte möglichst in der Nähe meiner Heimatgemeinde bleiben“, sagt sie. „Heimatgemeinde“ heißt in ihrem Fall: Roden, ein Dorf etwa fünf Kilometer nördlich von Marktheidenfeld. Dort und in der Nachbargemeinde Duttenbrunn spielt die Studentin schon seit mehreren Jahren regelmäßig ein bis zwei Mal pro Woche die Orgel während der Gottesdienste. In Roden leitet sie zusätzlich noch den Kirchenchor und erteilt Musikunterricht.

    Mit Musik hat auch ihr ehrenamtliches Engagement in Marktheidenfeld zu tun: In der dortigen Sozialstation betreut sie seit knapp anderthalb Jahren einen Kreis von Senioren, mit denen sie singt, musiziert und tanzt. „Musik ist ein gutes Mittel, um bei Menschen mit einer beginnenden Demenz Erinnerungen wach zu rufen“, sagt sie. Und Bewegung ist per se ein wichtiges Element im Alltag der Heimbewohner. Letzten Endes sei es aber ihr Ziel, „den Menschen Freude zu bereiten“.

    Genug Gründe also, um sich für ein Studium in Würzburg zu entscheiden. Aber Lisa Herrmann wäre wohl nicht hier gelandet, wenn das Institut für Musikforschung nicht so einen guten Ruf hätte. „Ich habe viel Gutes über das Institut gehört, und das Angebot hat mir zugesagt“, erzählt die Studentin. Weil die Zahl der Studierenden vergleichsweise klein ist, gebe es immer einen festen Ansprechpartner; auf individuelle Wünsche werde – so weit möglich – Rücksicht genommen. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl: Hier kannst du dir deinen Weg suchen“, sagt Herrmann.

    Nach dem Bachelor ein Doppel-Master

    In diesem Sommer wird die Studentin ihr Bachelorstudium beenden. Wie es dann weitergehen soll, steht in den Grundzügen bereits fest – und es verwundert nicht, dass ihre Pläne dafür über den üblichen Rahmen hinaus gehen. Mit einem Masterstudium ist es für Lisa Herrmann jedenfalls nicht getan: „Ich überlege zurzeit, ob ich einen ‚doppelten Master‘ absolviere“, sagt sie. Dann stünde die Kombination der Fächer „Ethnomusikologie“ und „Musikwissenschaft“ zur Auswahl – ergänzt mit „Musikpädagogik“. Denkbar sei aber auch, dass sie den Master in Ethnomusikologie und Musikwissenschaft mit einem Bachelor in „etwas Greifbarem“, wie sie sagt, kombiniert. Dabei liebäugelt sie mit dem Studiengang „Medienkommunikation“. Eine Alternative wäre der Masterstudiengang Kultur- und Musikmanagement in München.

    Apropos „Musikpädagogik“: Ehrenamtlich engagiert ist Lisa Herrmann nicht nur in Roden, Duttenbrunn und Marktheidenfeld. An der Don-Bosco-Schule in Würzburg ist sie ebenfalls mindestens vier Stunden pro Woche zu finden. Dort kümmert sie sich um sogenannte „Schulverweigerer“ – Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren, die sich entweder nicht mehr am Unterricht beteiligt haben oder die gleich gar nicht mehr in der Schule erschienen sind. Ihnen erteilt sie Einzelunterricht, auch im Fach Musik, und ist mit dabei, wenn es darum geht, beispielsweise beim gemeinsamen Frühstück soziale Kompetenz zu trainieren.

    „Das sind die Lücken im Terminkalender, die ich mit solchen Aktivitäten fülle“, sagt Lisa Herrmann, wenn man sie fragt, wie sie Orgel, Gesang, Ehrenamt und Uni unter einen Hut bringt. Studium und regelmäßiges Üben seien für sie keine Belastung, deshalb habe sie etwas gesucht, was sie „weiterbringt“.

    Unter 850 Bewerbern ausgewählt

    Weiterbringen wird sie mit Sicherheit eine neue, zusätzliche Aktivität, die seit diesem Jahr in ihrem Terminkalender auftaucht: Lisa Herrmann ist in den neuen Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie aufgenommen worden. 850 Bewerber hatte es bayernweit gegeben, 35 von ihnen haben sich in einem dreistufigen Auswahlverfahren qualifiziert. Gute Noten waren dafür die Mindestvoraussetzung – die konnte Lisa Herrmann bieten. Dann galt es mit einem Motivationsschreiben, in Interviews und Rollenspielen und durch eine Selbstpräsentation die Jury zu überzeugen.

    Lisa Herrmann hat das geschafft – und ist jetzt nicht nur die einzige Vertreterin der Universität Würzburg im neuen Jahrgang der EliteAkademie, sondern als Musikwissenschaftlerin auch eine ziemliche Exotin – wie sie selbst sagt – unter vielen Physikern, Elektrotechnikern und Wirtschaftswissenschaftlern, die vor allem aus München, Erlangen und Augsburg kommen.

    „Ich war selbst überrascht, dass ich aufgenommen wurde“, sagt die 22-Jährige. Immerhin ist die EliteAkademie eine Stiftung der bayerischen Wirtschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, „herausragende Studentinnen und Studenten in einem studienbegleitenden Zusatzprogramm auf Führungsaufgaben in der Wirtschaft“ vorzubereiten. Eine Musikpädagogin mag da auf den ersten Blick fehl am Platz wirken. Das sieht aber nur so aus: „Ich habe andere Ansichten eingebracht“, sagt Lisa Herrmann – und darum gehe es ja auch: Einen Blick über den Tellerrand werfen und sich gegenseitig bereichern.

    Kamingespräch mit Edmund Stoiber

    Über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg treffen sich die Stipendiaten während der Semesterferien für jeweils vier Wochen in der Akademie in Feldkirchen-Westerham nahe Rosenheim zu den sogenannten Präsenzphasen. Dort finden Seminare, Workshops, Gruppenübungen und Kaminabende mit bekannten Vertretern aus Politik und Wirtschaft statt. Da treffen die Studierenden schon mal auf Edmund Stoiber oder Susanne Klatten zum lockeren Gespräch, in dem auch private Fragen erlaubt sind. Auch das Mentorenprogramm und die Projektarbeiten spielen dabei eine wichtige Rolle.

    Persönlichkeitsbildung und Menschenführung, interdisziplinäres und interkulturelles Denken und Handeln, unternehmerisches Denken, Unternehmensführung und Medienkompetenz: Diese Themen stehen im Mittelpunkt der Ausbildung in der EliteAkademie. Themen, mit denen auch Lisa Herrmann etwas anfangen kann: „In der ersten Präsenzphase ging es viel um Teamfähigkeit, Netzwerkbildung, Selbstdisziplin, Motivation, interdisziplinäres und interkulturelles Denken sowie ethisches Management“, sagt sie. Leitgedanke seien „die drei V“ gewesen: Verantwortung, Verpflichtung, Vorbild.

    Wer sich Lisa Herrmanns Lebenslauf ansieht, kann sich vorstellen, dass diese Aspekte für sie kein Problem darstellen. Und dass sie sie für ihre weitere Karriere gut wird brauchen können. Denn die soll im Idealfall an der Uni in Kombination mit einer Tätigkeit in der Wirtschaft verlaufen – zumindest den aktuellen Plänen nach.

    Von Gunnar Bartsch

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