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    Erstes Chemie-Rating vorgelegt

    20.12.2007

    Mit guten bis sehr guten Ergebnissen haben die Chemiker der Universität Würzburg beim ersten Forschungsrating des Wissenschaftsrates abgeschnitten. Dabei wurden – zunächst für den Bereich Chemie – bundesweit 57 Universitäten und 20 weitere Forschungseinrichtungen bewertet.

    Reaganzgläser, mit bunten Flüssigkeiten gefüllt. Foto: Rolf van Melis/Pixelio.de
    Bunte Chemie: Erstmals wurde das Fachgebiet in Deutschland einem Rating unterzogen, erstellt im Auftrag des Wissenschaftsrates. Foto: Rolf van Melis/Pixelio.de

    Bei dem Rating handelt es sich nicht um ein weiteres Gewächs im Dschungel der Hochschulrankings, sondern um ein „neuartiges, differenziertes und methodisch anspruchsvolles Verfahren“, wie der Wissenschaftsrat mitteilt. Anders als bei Rankings werden keine Gesamtnoten berechnet, aus denen dann eine Rangliste entsteht. Vielmehr zeichnet das Rating individuelle Bewertungsprofile. Diese spiegeln das Urteil einer Gutachtergruppe wider, die sich für jede Einrichtung verschiedene Indikatoren angesehen hat. Unter anderem nahmen die Experten eine bislang beispiellose Zitationsanalyse vor – für über 40.000 Publikationen. Eine weitere Besonderheit: Es wurden auch alle außeruniversitären Einrichtungen der Max-Planck-, der Leibniz- und der Fraunhofer-Gesellschaft einbezogen, die einen Forschungsschwerpunkt in der Chemie haben.

    Die Gesamtbewertung im Rating erfolgt auf einer Skala von „exzellent“ bis „nicht befriedigend“. Als „sehr gut“ und deutlich besser als der Durchschnitt wurden die Würzburger Chemiker bei den Kriterien Nachwuchsförderung und Effizienz eingestuft. Bei Ersterem bewerteten die Gutachter Maßnahmen und Erfolge bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ab der Promotionsphase. Sie betrachteten dazu unter anderem, wie viele Promotionsstipendien, Doktorandenstellen und Promotionen es in der Würzburger Fakultät gibt. Auch die Zahl der Postdoc-Stipendien, Nachwuchsgruppenleiter und der Rufe an Nachwuchswissenschaftler flossen in die Beurteilung ein.

    In Sachen Effizienz wurde der Beitrag beurteilt, den die Würzburger Chemiker zur Entwicklung ihres Fachgebiets im Verhältnis zum Aufwand leisten. Unter anderem analysierte die Jury hierfür Publikationen, Drittmittel und Patentanmeldungen jeweils im Verhältnis zur Menge des wissenschaftlichen Personals.

    Für ihre Forschungsqualität bekommen die meisten Würzburger Chemie-Professoren die Note sehr gut. Der Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie, Professor Frank Würthner, kommentiert das so: „Dies ist ein hervorragendes Ergebnis für unsere Fakultät, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Note ‚exzellent’ insbesondere an Max-Planck-Institute vergeben wurde, die sich voll auf die Forschung konzentrieren können, während unsere primäre Aufgabe in der Lehre liegt.“

    Als Datengrundlage für das Kriterium Forschungsqualität dienten unter anderem folgende Indikatoren: Zitationen pro Publikation im Verhältnis zum Zitationsdurchschnitt des Fachgebiets, Anzahl der Publikationen, Publikationslisten, Patente sowie Listen der Drittmittelprojekte und bedeutender Forschungspreise. Mit jeweils „Gut“ wurden außerdem die Kriterien Impact/Effektivität, Transfer in andere gesellschaftliche Bereiche sowie Vermittlung und Verbreitung von Wissen beurteilt.

    Ein solches Rating läuft derzeit auch für die Soziologie. Die Ergebnisse will der Wissenschaftsrat im Frühjahr 2008 bekannt geben. Anschließend will er die Erfahrungen aus der Pilotstudie auswerten lassen und darüber beraten, ob solche Ratings künftig in allen Fächern durchgeführt werden sollen. Weitere Informationen zum ersten Forschungsrating stehen auf den Internet-Seiten des Wissenschaftsrates:
    http://www.wissenschaftsrat.de/pilot_start.htm

    Von Robert Emmerich

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