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    Erfolg für Bor-Experten

    16.04.2010

    Weltpremiere: Chemikern der Universität Würzburg ist es erstmals gelungen, eine stabile Dreifachbindung zwischen den Elementen Bor und Sauerstoff zu knüpfen. Über diesen Erfolg berichtet die Top-Zeitschrift „Science“.

    Professor Holger Braunschweig und seine Mitarbeiter Achim Schneider und Dr. Krzysztof Radacki (von links) im Labor. Die Würzburger Chemiker haben weltweit erstmals eine stabile Bor-Sauerstoff-Dreifachbindung erzeugt. Foto: Gunnar Bartsch
    Professor Holger Braunschweig und seine Mitarbeiter Achim Schneider und Dr. Krzysztof Radacki (von links) im Labor. Die Würzburger Chemiker haben weltweit erstmals eine stabile Bor-Sauerstoff-Dreifachbindung erzeugt. Foto: Gunnar Bartsch

    Warum sich die wissenschaftliche Top-Zeitschrift für die Arbeit der Würzburger Chemiker begeistert? Weil für fast alle chemischen Elemente der Welt, zwischen denen eine stabile Dreifachbindung theoretisch möglich ist, diese Form der Verknüpfung bereits realisiert wurde – nur eben nicht für Bor und Sauerstoff.

    Zugegeben: Auch Dreifachbindungen zwischen Bor und Sauerstoff wurden im Labor schon geknüpft. Allerdings gelang das bisher nur unter extremen Bedingungen: Die Temperaturen mussten dafür weit unter dem Gefrierpunkt sein, die beiden Elemente als Gase vorliegen – und am Ende war die Dreifachbindung nicht dauerhaft stabil.

    Dreifachbindung stabil bei Raumtemperatur

    Anders beim Würzburger Chemie-Professor Holger Braunschweig und seinen Mitarbeitern Achim Schneider und Dr. Krzysztof Radacki. Sie haben eine stabile Bor-Sauerstoff-Dreifachbindung bei Raumtemperatur in gebräuchlichen Lösungsmitteln erzeugt, gereinigt und charakterisiert.

    In Reinstform liegt ihr Produkt als farbloses Pulver vor. Temperaturen von bis zu 100 Grad Celsius erträgt es über viele Stunden hinweg. Weder Tageslicht noch UV-Strahlung können ihm etwas anhaben. Fazit von Holger Braunschweig: „Erstmals verfügt die Wissenschaft damit über ein stabiles Molekül, in dem eine Dreifachbindung zwischen Sauerstoff und Bor realisiert ist.“

    Spannend für die Grundlagenforschung

    Wozu das gut ist? Anwendungen im Alltag sind für das Molekül vorerst nicht absehbar. Spannend aber ist die neu geschaffene Bor-Sauerstoff-Dreifachbindung für die Grundlagenforschung.

    Erste Reaktivitätsstudien an dem neuen Molekül sind in der Würzburger Anorganischen Chemie schon gelaufen. Direkt an der Dreifachbindung haben die Forscher andere Elemente angeknüpft, weiter von ihr entfernt ebenfalls. Wo ist das Molekül veränderbar, was kann man ihm hinzufügen? Diese Fragen werden auch die Arbeiten bestimmen, die die Wissenschaftler als nächstes angehen wollen.

    Holger Braunschweig: Anerkannter Bor-Experte

    Holger Braunschweig ist ein anerkannter Experte für die Chemie des Elements Bor. Seine Arbeiten hierüber hat zuletzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft anerkannt: Sie verlieh ihm im Jahr 2009 den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis, der vom Renommee her eine Art „deutscher Nobelpreis“ ist.

    Bor – ein eigenartiges Element

    Das Besondere an Bor? Für Chemiker ist das Element eine Herausforderung: Es hat ein Defizit an Elektronen, hungert gewissermaßen nach diesen Teilchen. Stillen kann es den Hunger nur, indem es sich mit anderen Elementen verbindet. „Ganz und gar ungewöhnliche Verbindungen sind es, die das Bor da eingeht“, erklärt der Professor. Ein führendes Lehrbuch für Anorganische Chemie widmet dem eigenartigen Element sogar ein eigenes Kapitel – auch das zeigt seine Sonderstellung.

    „Oxoboryl Complexes: Boron-Oxygen Triple Bonds Stabilized in the Coordination Sphere of Platinum“, Holger Braunschweig, Krzysztof Radacki und Achim Schneider, Science, 16. April 2010, 328: Seiten 345-347, DOI: 10.1126/science.1186028

    Kontakt

    Prof. Dr. Holger Braunschweig, Institut für Anorganische Chemie der Universität Würzburg, T (0931) 31-85260, h.braunschweig@uni-wuerzburg.de

    Von Robert Emmerich

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