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    Eiweißringe gegen Herzschwäche

    30.10.2006

    Eine Herzschwäche entsteht nicht immer durch einen Infarkt oder einen Herzklappenfehler. Auch fehlgeleitete Attacken des Immunsystems können dazu führen, dass bei manchen Menschen die Leistung der Blutpumpe nachlässt. Gegen dieses Leiden könnte künftig ein ringförmiges Molekül helfen, das der Mediziner Dr. Roland Jahns von der Uni Würzburg gefunden hat. Es soll jetzt für den klinischen Einsatz weiterentwickelt werden. Zu diesem Zweck bekommt Jahns Mittel in Millionenhöhe aus der „Gründungsoffensive Bio“ (GO-Bio) des Bundesforschungsministeriums.

    Roland Jahns
    Roland Jahns

    Damit konnte sich der 43jährige Würzburger Wissenschaftler gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen: Insgesamt 176 Kandidaten hatten sich bei GO-Bio um die Fördergelder beworben, nur zwölf wurden nun ausgewählt. Fünf der Gewinner kommen aus Baden-Württemberg, nur zwei aus Bayern: Neben Roland Jahns war Igor Tetko vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg erfolgreich.

    Für GO-Bio stellt das Ministerium in den kommenden zehn Jahren rund 150 Millionen Euro zur Verfügung. Die ausgewählten Wissenschaftler sollen die Möglichkeit bekommen, wirtschaftlich interessante Forschungsansätze aus den Biowissenschaften in einer eigenen Arbeitsgruppe zu bearbeiten und Prototypen für die Vermarktung zu entwickeln. Jahns erhält für sein Projekt voraussichtlich um die drei Millionen Euro.

    Bei dem speziellen Fall von Herzschwäche, mit dem sich Jahns befasst, greifen fälschlicherweise gebildete Antikörper einen Rezeptor in der Wand der Herzmuskelzellen an. Die Antikörper wirken ähnlich wie Adrenalin. Ihre Aktivität bewirkt im Laufe der Zeit eine fortschreitende Erweiterung und Funktionseinschränkung der linken Herzkammer.

    Am Tiermodell der Ratte hat die Arbeitsgruppe von Jahns gezeigt, dass sich die schädlichen Antikörper durch stabile kleine Eiweißringe (so genannte Zyklopeptide) neutralisieren lassen. Erhielten die Tiere die Zyklopeptide vor dem Ausbruch der Krankheit, so wurde die Entstehung der Herzschwäche verhindert. Bekamen sie das Mittel therapeutisch verabreicht, ließ sich das Leiden sogar rückgängig machen.

    Mit dem Geld aus der GO-Bio-Initiative wollen die Würzburger Forscher die bereits patentierten Zyklopeptide für den klinischen Einsatz optimieren. Schließlich sollen erste Studien an Herzschwäche-Patienten mit einem fehlgeleiteten Immunsystem durchgeführt werden. Außerdem ist ein neuartiges Diagnoseverfahren geplant: Damit sollen künftig Herzschwäche-Patienten identifiziert werden, die die schädlichen Antikörper im Blut haben. Ihnen könnte dann eine zielgerichtete Therapie angeboten werden. Mittelfristig ist die Gründung einer Firma vorgesehen, die beide Anwendungsgebiete der Zyklopeptide in Kooperation mit anderen Pharma- und Biotech-Unternehmen in die Praxis umsetzen soll.

    Weitere Informationen: PD Dr. Roland Jahns, T (0931) 201-71190 oder 201-70460, E-Mail: jahns_r@medizin.uni-wuerzburg.de

    Projektskizzen für die zweite Antragsrunde von GO-Bio können bis 15. Januar 2007 eingereicht werden. Mehr Infos dazu gibt es auf den Internetseiten des Bundesforschungsministeriums unter www.bmbf.de/de/6868.php

    Von Robert Emmerich

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