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    Eine Chance für die Uni

    30.04.2007

    Mit Bedauern hat Unipräsident Axel Haase die Nachricht vernommen, dass die US-Amerikaner die Leighton Barracks bis September 2008 räumen werden – einerseits. Auf der anderen Seite ist er allerdings auch froh über die Chance, die sich dadurch der Universität öffnet. Denn das Kasernengelände bietet Raum für die dringend notwendige Erweiterung des Hubland-Campus – und könnte so in Zukunft ein Ort internationaler Begegnung werden.

    Die Leighton-Kaserne der US-Armee (oberes Bilddrittel rechts) grenzt direkt an den Uni-Campus am Hubland an. Foto: Knut Laubner
    Die Leighton-Kaserne der US-Armee (oberes Bilddrittel rechts) grenzt direkt an den Uni-Campus am Hubland an. Foto: Knut Laubner

    Jetzt ist es offiziell: Die US-Streitkräfte werden Würzburg verlassen. Bis September 2008 wollen sie die Faulenberg-Kaserne, das US-Hospital am Galgenberg und – für die Universität Würzburg besonders wichtig – die Leighton Barracks räumen. Dies gab das US-Hauptquartier in Heidelberg Mitte April bekannt. „Das ist bedauerlich für die Stadt Würzburg und die Region“, kommentierte Unipräsident Axel Haase die Information aus Heidelberg. Mit dem Abzug werde Würzburg viele gute Kontakte zwischen Amerikanern und Deutschen verlieren. „Wenn die Amerikaner aus Würzburg gehen, hinterlassen sie eine große Lücke“, sagte Haase. Eine Lücke, die seiner Meinung nach allerdings ein Stück weit von der Universität wieder geschlossen werden könnte.

    Es ist kein Geheimnis, dass die Universität, schon seit bekannt wurde, dass die amerikanischen Streitkräfte sich aus Würzburg zurückziehen werden, ein Auge auf das Gelände der Leighton Barracks geworfen hat. Schließlich entlassen die Gymnasien in Bayern im Jahr 2011 gleich zwei Jahrgänge auf einen Schlag: Die letzten Absolventen der neunjährigen Ausbildung und die ersten Schüler des G8. Damit könnte sich in diesem Jahr die Zahl der Einschreibungen an den Hochschulen glatt verdoppeln. Auch in den Folgejahren wird nicht sofort wieder Ruhe einkehren. Dann verlassen nämlich in Baden-Württemberg und Hessen ebenfalls doppelte Jahrgänge die Gymnasien – und aus beiden Ländern bezieht zumindest Würzburg viele seiner Studierenden. Was das für die Julius-Maximilians-Universität bedeutet? „Momentan sind hier rund 20.000 Studierende eingeschrieben. In den kommenden Jahren könnte diese Zahl auf 26- bis 30.000 anwachsen“, sagte Axel Haase.

    Dass alle in den bisherigen Gebäuden nicht unterkommen werden, ist klar. Weshalb die Hochschulleitung über eine Expansionsmöglichkeit auf dem Kasernengelände glücklich wäre. Das Gebiet mit der Fläche eines ganzen Stadtteils liegt in unmittelbarer Nähe zum Hubland-Campus und verfügt schon jetzt über jede Menge Gebäude, die „für universitäre Belange leicht umzuwandeln sind“, so Haase. Damit böten sich der Universität gleich mehrere Chancen:

    „Dort gibt es Platz, um unsere Konzepte zum Ausbau vorhandener und zur Einrichtung neuer Studiengänge zu verwirklichen“, sagte Haase. Gerade in Zeiten steigender Studentenzahlen sei es dringend notwendig, attraktive Studienmöglichkeiten anbieten zu können.

    „Darüber hinaus könnten wir das Gelände problemlos als Begegnungsstätte für internationale Kontakte nutzen“, sagt Axel Haase. Studierende und Wissenschaftler aus dem Ausland würden dort adäquate Wohn-, Lern- und Arbeitsbedingungen finden; die Universität könnte ihre Kontakte zu Partner-Universitäten und –Institutionen ausbauen.

    Und zum dritten ermögliche die Ausdehnung es der Universität, ihre schon bisher zahlreichen Projekte für eine „familienfreundliche Uni“ zu intensivieren. „Die Wohngebäude auf dem Kasernengelände bieten viel Platz für Studierende und Bedienstete mit Kindern“, sagte Haase. Außerdem gebe es dort jede Menge „Infrastruktur für Kinderbetreuung“, in Form von Spiel- und Sportplätzen und einem Kindergarten.

    Wehmut also über den Weggang der Amerikaner; aber auch ein wenig Freude über den für die Universität günstigen Zeitpunkt. „2008 ist ein guter Termin für uns“, sagte Haase. Wenn jetzt schnell gehandelt werde, reiche die Frist für die Umwandlung einer Militärkaserne in einen Ort der Wissenschaft.

    „Dafür müssen alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen“, fordert Axel Haase: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, an die das 128 Hektar große Gelände rechtlich übergeben wird, der Freistaat Bayern, der Geld für die Erweiterung der Universität zur Verfügung stellen muss, und die Stadt Würzburg, die den Flächennutzungs- und Bebauungsplan den geänderten Anforderungen anpassen soll.

    Der gute Wille dafür scheint vorhanden zu sein. Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel jedenfalls steht der Idee, die Konversionsflächen auf dem Gelände der Leighton Barracks für eine Erweiterung der Universität zu nutzen, aufgeschlossen gegenüber. „Es wäre eine Gelegenheit, in Würzburg einen Uni-Campus herzustellen“, sagte er Mitte März während eines Besuchs in Würzburg. Und Oberbürgermeisterin Pia Beckmann sprach sich in ihrer Pressemitteilung nach Bekanntgabe des Auszugsdatums ebenfalls für die „Erweiterung des Universitätscampus für Forschung und Lehre“ aus.

    Mehr Informationen zu dem Thema finden sich in der aktuellen Ausgabe der Unizeitschrift Blick (pdf, 781 kb), dort im Artikel "Die große Chance für Würzburgs Universität" auf Seite 24.

    Von Gunnar Bartsch

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