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    Ein Forschungsverbund gegen den Schmerz

    30.09.2013

    Wie entstehen Schmerzen? Wie werden sie weitergeleitet? Und wie lassen sie sich lindern? Solche Fragen stehen im Zentrum eines neuen europaweiten Forschungsverbunds, an dem Wissenschaftlerinnen der Würzburger Uniklinik beteiligt sind. Im Visier haben sie spezielle biologische Moleküle.

    Irgendwo tut's jedem mal weh. Viele Menschen leiden allerdings unter chronischen Schmerzen. Ein neuer Forschungsverbund sucht neue Ansätze dagegen.
    Irgendwo tut's jedem mal weh. Viele Menschen leiden allerdings unter chronischen Schmerzen. Ein neuer Forschungsverbund sucht neue Ansätze dagegen.

    Einer von fünf Europäern leidet unter chronischen Schmerzen – zwölf Millionen Menschen sind nach Angaben der Deutschen Schmerzliga allein in Deutschland davon betroffen. Vor allem nach Nervenschäden, Verletzungen oder Operationen können sich schwer behandelbare chronische Schmerzsyndrome entwickeln. Diese können Angst und Depressionen auslösen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

    Chronische Schmerzen stellen allerdings nicht nur eine schwere Belastung für die einzelnen Patienten und deren Familien dar. Sie belasten auch die nationalen Gesundheitssysteme in Europa mit Behandlungskosten von 1,5 bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für Deutschland berechnet die Schmerzliga jährliche Kosten in Höhe von rund 38 Milliarden Euro – 28 Milliarden davon entstehen allein durch Arbeitsunfähigkeit. Die Forschung in diesem Bereich voranzubringen, ist deshalb aus Sicht der EU eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

    Der neue Forschungsverbund

    In einem neuen europaweiten Forschungsverbund wollen Wissenschaftler jetzt wichtige Fortschritte im Wissen darüber erbringen, wie Schmerz erzeugt wird, wie er weitergeleitet wird und wie er gelindert werden kann. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sollen dazu beitragen, die Diagnose und Behandlung von chronischen Schmerzen zu verbessern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, haben sich führende molekulare und systemische Neurowissenschaftler, Kliniker und Bioinformatik aus elf europäischen Partnerinstitutionen zusammengeschlossen. Koordiniert wird das Konsortium „ncRNAPain“ von Professorin Michaela Kress, Leiterin der Abteilung für Physiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

    Die Würzburger Beteiligten

    In Würzburg sind Forscherinnen aus der Neurologischen und Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums an dem Forschungsverbunds beteiligt. Aufgabe der Projektzentren in Würzburg wird es sein, Patienten mit verschiedenen neuropathischen Schmerzsyndromen zu rekrutieren und Blut und Gewebeproben sowohl für die zentralen Analyselabors in Österreich und in Israel, wie auch für eigene Fragestellungen zu sammeln.

    In der Neurologischen Klinik konzentrieren sich Professorin Claudia Sommer und die Privatdozentin Dr. Nurcan Üçeyler auf sogenannte neuroimmune Interaktionen – also Wechselwirkungen zwischen Nerven- und Immunsystem. Die Privatdozentin Dr. Heike Rittner erforscht in der Anästhesiologischen Klinik Modifikationen der Blut-Nerv-Schranke.

    Neuer Ansatz für Prävention, Diagnose und Behandlung

    Mit sechs Millionen Euro hat die Europäische Kommission den Forschungsverbund für die kommenden vier Jahre ausgestattet. Am 1. Oktober wird er offiziell seine Arbeit aufnehmen. Das Projekt konzentriert sich auf sogenannte nicht-kodierende Ribonukleinsäuren (ncRNAs). „Diese biologischen Moleküle, die mehrere wichtige Rollen in der Expression unserer Gene haben, sind wahrscheinlich ebenfalls von großer Bedeutung bei der Entstehung von chronischen Schmerzsyndromen“, sagt Claudia Sommer.

    Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt daher auf die Identifizierung und Validierung spezifischer ncRNAs, die als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Schmerzen dienen könnten. Im Laufe des Projekts sollen diagnostische Werkzeuge entwickelt werden, die es ermöglichen, Patienten zu erkennen, die ein hohes Risiko tragen, chronische Schmerzen zu entwickeln. Darüber hinaus arbeiten die Forscher daran, Personen mit hohem Risiko eine verbesserte Behandlung und gezielte Präventionsstrategien anzubieten.

    Link

    Infoseite der Europäischen Kommission 

    Kontakt

    Prof. Dr. Claudia Sommer, T: (0931) 201-23763, sommer@uni-wuerzburg.de

    PD Dr. Nurcan Üçeyler, T: (0931) 201-23542, ueceyler_n@ukw.de

    PD Dr. Heike Rittner, T: (0931) 201-30254, rittner_h@ukw.de

     

    Von Gunnar Bartsch

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