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    Die Faszination der Synthese

    13.06.2008

    Worüber ein Chemiker sich freuen kann? Vielleicht, wenn er zwei klare Flüssigkeiten vermischt, und sich sowohl Farbe als auch Konsistenz schlagartig und unerwartet ändern. Ina Krebs jedenfalls kennt solche Versuche und findet ihr Ergebnis beeindruckend. Die 24-Jährige studiert zurzeit im 8. Semester an der Universität Würzburg Chemie; wenn nichts dazwischen kommt, wird sie Anfang August 2009 ihr Diplom in der Tasche haben.

    Die Chemiestudentin Ina Krebs
    Ina Krebs studiert in Würzburg Chemie und ist fasziniert von den Möglichkeiten, die ihr dieses Studium bietet. (Foto Gunnar Bartsch)

    „Das Praktische hat mich gereizt. Ich wollte nie ‚nur sitzen und mich den ganzen Tag berieseln lassen’“, erklärt Ina Krebs ihre Entscheidung für das Chemiestudium. Direkt beobachten zu können, was passiert, und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen – das ist es, was der jungen Frau an der Naturwissenschaft so gut gefällt. Den Grundstock für ihre Leidenschaft hat bereits der Chemie-Grundkurs gelegt: „Der hat mir gefallen; das Fach hat mich interessiert.“ Für die wahre Leidenschaft hat dann das Studium gesorgt. „Wenn man endlich so weit ist, selbständig eine Synthese durchzuführen; wenn man merkt: ‚Hey, ich kann tatsächlich etwas herstellen!’ – das ist wirklich faszinierend“, schwärmt Ina Krebs.

    „Spaß, Interesse und Verständnis für Naturwissenschaften und am Experiment“ sollten zukünftige Chemiker laut Aussage der Gesellschaft Deutscher Chemiker GDCh mitbringen. Dann könnten die Chemiestudiengänge, inklusive Lehramt, den frischgebackenen Abiturienten im Anschluss an die Schule „fesselnde, fordernde und vielseitige Jahre“ bieten.

    Internationalität ist gerne gesehen

    Fesselnd und vielseitig: Dafür sorgt in Würzburg eine ganze Reihe von Besonderheiten im Chemiestudium. Da wäre zum einen der Doppelstudiengang zu nennen, den die Fakultät gemeinsam mit der Universität in Lyon anbietet. Wer sich dafür einschreibt, absolviert einen Teil seines Studiums in Würzburg und einen in Lyon und hat am Ende ein Doppeldiplom in der Tasche. Diese deutsch-französische Kooperation wird es vermutlich auch mit dem Bachelor und Master geben. Überhaupt wird Internationalität groß geschrieben – und den Studierenden ans Herz gelegt. Wer als Chemiestudent für ein oder zwei Semester ins Ausland gehen möchte, hat große Auswahl. So stehen beispielsweise im Rahmen des Erasmus-Programms Universitäten in Spanien, Finnland, Frankreich, Irland und Großbritannien zur Auswahl.

    Wer sich weniger im Labor und dafür umso mehr am Rechner wohlfühlt, dem bietet die theoretische Chemie in Würzburg spannende Forschungsmöglichkeiten. Dort berechnen Wissenschaftler unter anderem Ladungsverteilungen in Molekülen und versuchen so, Reaktionen vorherzusagen.

    Spannende Einblicke in den Forscheralltag

    Die enge Kooperation der Fakultät für Chemie und Pharmazie mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC hat hingegen Ina Krebs besonders fasziniert. Sie hat dort ein Forschungspraktikum absolviert und findet: „Das ist eine hervorragende Möglichkeit, einen Einblick in eine ganz andere Sparte zu bekommen.“. Selbst als Studentin sei sie sehr schnell in das Team integriert gewesen und habe den Laborablauf „quasi wie in der freien Wirtschaft“ kennen gelernt. Ein gutes Training für das spätere Berufsleben sei das gewesen, sagt sie.

    Fordernd: „Vor allem die ersten Semester sind ziemlich stressig“, sagt Ina Krebs. Dann heißt es in der Regel vormittags Vorlesung, nachmittags Praktikum und abends Vor- oder Nachbereitung. „Man sollte sich deshalb vorher im Klaren sein, auf was man sich einlässt. Chemie ist kein zuckersüßes Faulenzerstudium, man wird sehr gefordert, aber es kann einem sehr viel Freude bereiten“, so die Studentin. Vor allem die Praktika machen jede Menge Spaß – jedenfalls all denjenigen, die Freude am Experiment und an der Analyse haben. Und das sind anscheinend nicht wenige: Rund 1100 Studierende waren im vergangenen Wintersemester für einen Studiengang der Fakultät für Chemie eingeschrieben; zum Angebot stehen dort aktuell die Bachelor- und Masterstudiengänge in Chemie und der Technologie der Funktionswerkstoffe. In Planung ist ein eigener Biochemie-Studiengang. Sie werden ergänzt von den Staatsexamens-Studiengängen Pharmazie, Lebensmittelchemie und natürlich dem Lehramt Chemie sowie dem Chemiestudium im Nebenfach. Das Geschlechterverhältnis ist relativ ausgewogen: 603 Studentinnen treffen auf 522 Studenten.

    Ein Rohbau kündigt neue Zeiten an

    Für die Würzburger Chemie findet Ina Krebs, die seit bald einem Jahr auch noch Fachschaftssprecherin ist, nur lobende Worte: „Man kann mit den meisten Professoren super reden. Die haben immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen und greifen konstruktive Vorschläge gerne auf“, ist ihre Erfahrung. Dass die Gebäude am Hubland-Campus den Charme der 70er-Jahre ausstrahlen, stört sie nicht – im Gegenteil. „Hier ist alles sehr zweckmäßig eingerichtet, und alles funktioniert“, so ihr Urteil. Dank der Studienbeiträge fließe inzwischen auch viel Geld in die Ausstattung, was den Studierenden direkt zugute komme. Und darüber hinaus kündigt inzwischen ein weit fortgeschrittener Rohbau mit viel Glas und Chrom den Anbruch neuer Zeiten für die gesamte Fakultät für Chemie und Pharmazie an:

    22 Millionen Euro wird der Neubau am Hubland am Ende gekostet haben (wenn alle Vorgaben eingehalten werden). Auf rund 3700 Quadratmetern Nutzfläche werden hier ab dem Sommersemester 2009 die drei Lehrstühle des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie modernste Bedingungen für Lehre und Forschung vorfinden. Studierende und Wissenschaftler werden an Labortischen mit einer Gesamtlänge von rund 750 Metern nach neuesten Standards arbeiten können. Und der Umzug wird erst der Startschuss für eine ganze Kette von Sanierungsarbeiten sein, an deren Ende sämtliche Gebäude der Fakultät für Chemie und Pharmazie mit ihren sechs Instituten in neuem Glanz erstrahlen werden.

    Sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

    Der Arbeitsmarkt für Chemiker ist nach wie vor sehr gut. Darauf hat die GDCh erst vor wenigen Wochen die diesjährigen Abiturienten hingewiesen. „Wer ein Chemie-, Biochemie-, Lebensmittelchemie- oder Wirtschaftschemiestudium in Deutschland absolviert, hat ein zukunftsweisendes Fach mit top-aktueller Ausrichtung erlernt“, so Dr. Kurt Begitt, Leiter der GDCh-Abteilung „Bildung und Beruf“. Und wer sein Studium in Würzburg erfolgreich abgeschlossen hat, kann von dem guten Ruf der hiesigen Ausbildung sowohl im Ausland als auch in der Industrie profitieren. Dort hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Würzburger Absolventen sowohl über umfassende theoretische Kenntnisse verfügen als auch über Geschick im Experimentieren.

    Auch Ina Krebs ist davon überzeugt, dass sie hervorragende Berufsaussichten hat – mit einer Einschränkung: „Man sollte flexibel sein und sich nicht frühzeitig auf ein Gebiet festlegen“, sagt sie. Denn die Bandbreite möglicher Berufe ist groß: Ob im Pharmamarketing, im Vertrieb oder in der Unternehmensberatung, in einem Fachverlag, als Branchenanalyst oder als Fachbibliothekar: Neben dem klassischen Berufsbild vom Chemiker, der in der Industrie neue Produkte entwickelt, stehen den Absolventen viele Wege offen.

    Wer mehr über das Studium der Chemie wissen möchte, findet auf den Seiten der Fakultät im Internet ausführliche Informationen. Das Studienangebot wird hier  erläutert; wer sich nicht sicher ist, ob ein naturwissenschaftliches Studium der richtige Weg ist, sollte sich das Kapitel „Naturwissenschaften studieren – aber wie?“ ansehen. Wer unverbindlich in diesen oder andere Studiengänge der Uni Würzburg hineinschnuppern möchte, kann das beim uniweiten Schnupperstudium tun, das vom 2. Juni bis 4. Juli läuft. Das Programm steht im Internet hier.

    Von Gunnar Bartsch

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