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    Biomaterialbank feierlich eröffnet

    21.06.2013

    Eine von fünf Nationalen Biomaterial- und Datenbanken steht in Würzburg. Sie soll die medizinische Forschung und Krankenversorgung voranbringen; offiziell eröffnet wurde die Einrichtung am 21. Juni mit einem Festakt.

    Der Neubau für die Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank (ibdw) in Würzburg. (Foto: Robert Emmerich)
    Der Neubau für die Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank (ibdw) in Würzburg. (Foto: Robert Emmerich)

    In der Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank Würzburg (ibdw) werden künftig Blut-, Urin- und Gewebeproben von Patienten des Würzburger Uniklinikums aufbewahrt und der Forschung zur Verfügung gestellt – selbstverständlich nur, wenn die Patienten damit einverstanden sind. Das Einverständnis lässt sich jederzeit widerrufen.

    Der Startschuss für die ibdw fiel im Mai 2011. In einer Bauzeit von nur 1,5 Jahren wurde dann auf dem Gelände des Universitätsklinikums ein großes Tiefkühllager für 1,2 Millionen Bioproben errichtet. Auch ein Speziallabor wurde in Betrieb genommen; die Einlagerung der ersten Proben soll bald beginnen. Eröffnet wurde das neue Gebäude für die ibdw am 21. Juni mit einem Festakt im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin.

    Was Biomaterialbanken bringen

    Mit Biobanken will die Wissenschaft die Ursachen und den Verlauf von Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden und anderen Krankheiten noch besser erforschen. Damit wiederum lasse sich auch die Therapie verbessern. Das sagte Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, in seiner Ansprache beim Festakt.

    Denkbar ist es zum Beispiel, dass in einigen Jahren im Blut eines Krebspatienten ein neues Molekül entdeckt wird, das die Krankheit vielleicht schon in einem sehr frühen Stadium anzeigt. Ob das stimmt, können die Mediziner dann mit den eingelagerten Blutproben von anderen Krebspatienten überprüfen – und möglicherweise steht am Ende ein neuer Früherkennungstest, der vielen Menschen das Leben rettet.

    Im Wettbewerb durchgesetzt

    Die ibdw ist eine der fünf Nationalen Biomaterialbanken in Deutschland, deren Aufbau vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Rund 7,5 Millionen Euro investiert das Ministerium in die Würzburger Einrichtung, die von der Universität und dem Universitätsklinikum getragen wird.

    Universitätspräsident Alfred Forchel zeigte sich beim Festakt erfreut darüber, dass sich Würzburg mit seinem Antrag auf eine Biomaterialbank durchgesetzt hat. 34 Antragsteller hatten sich um das Fördergeld beworben, fünf waren am Ende erfolgreich: Aachen, Berlin, Heidelberg, Kiel und Würzburg. Forchel verwies auf Rankings, denen zufolge die Würzburger Lebenswissenschaften schon jetzt bundesweit und international unter den besten stehen. Die ibdw werde diese sehr gute Position weiter stärken.

    Staatssekretär lobt Datenschutzkonzept

    Die Würzburger ist die größte im Verbund der fünf Nationalen Biomaterialbanken, so Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, in seiner Rede beim Festakt. Die Datenbanken seien für die medizinische Forschung von unschätzbarem Wert. Braun appellierte darum an die Patienten des Uniklinikums, der Einlagerung ihrer Bioproben zuzustimmen. Er versicherte: „Die Begutachtung des Projekts hat gezeigt: Das Würzburger Datenschutzkonzept ist außergewöhnlich gut und in hohem Maß vertrauenswürdig.“

    Datenbanken für die personalisierte Medizin

    „Warum schlägt ein Medikament bei dem einen Patienten an, bei dem anderen aber nicht?“ Wer diese Frage beantworten wolle, finde in der ibdw eine wahre Schatzkammer, so Oliver Jörg. Der Vorsitzende des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur im Bayerischen Landtag leitete damit über zur Festrede. Darin ging es auch um die Frage, welche Nutzen die so genannte personalisierte Medizin den Patienten bringt.

    Personalisierte Medizin bedeutet, dass ein Arzt mit Hilfe der persönlichen Daten seines Patienten – auch mit genetischen Daten – die Therapie so individuell wie nur möglich gestaltet. Mit diesem Thema befasste sich Festredner Erwin Böttinger, Direktor des Charles R. Bronfman Instituts für personalisierte Medizin an der Mount Sinai School of Medicine (New York).

    Als Beispiel für personalisierte Medizin führte der gebürtige Oberfranke die Schmerztherapie nach Mandeloperation bei Kindern an. Bestimmte Schmerzmittel können in diesem Fall lebensgefährlich sein, weil manche Kinder einen Gen- und Enzymdefekt haben. Wichtig sei es also, dass der Arzt über diesen genetischen Fehler informiert ist. Generell sei in den USA – bei schweren Erkrankungen, vor allem bei Kindern – die diagnostische Genom-Sequenzierung inzwischen üblich, so Böttinger.

    Dank an alle Beteiligten

    Zum Schluss des Festaktes dankten Christoph Reiners, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, und Roland Jahns, Direktor der Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank Würzburg, allen Beteiligten, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben.

    Peter Mack vom Staatlichen Bauamt überreichte dann den symbolischen Schlüssel für das ibdw-Gebäude und präsentierte einigen Zahlen und Fakten. So hat das Gebäude unter anderem eine 20 Zentimeter dicke Wärmedämmung. Kein Wunder, denn im Tiefkühllager muss eine Temperatur von minus 80 Grad Celsius aufrechterhalten werden.

    Führungen und Symposium

    Nach dem Festakt konnten sich die Gäste bei Führungen in kleinen Gruppen einen Eindruck vom neuen Gebäude der Biomaterialbank (Haus A8 auf dem Gelände des Universitätsklinikums) verschaffen. Es folgte ein wissenschaftliches Symposium, bei dem auch die Leiter der vier anderen Nationalen Biobanken sprachen.

    Zur Homepage der Würzburger Biomaterial- und Datenbank

    Weitere Bilder

    Von Robert Emmerich

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