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    Bayerns Jugendfußball: Talente im Visier

    10.10.2013

    Talente fördern und Profil entwickeln: Auf diese Punkte legen die Jugendabteilungen bayerischer Fußballvereine immer größeren Wert. Das zeigt eine bundesweit einzigartige Studie der Uni Würzburg und des Bayerischen Fußball-Verbands.

    Szene auf dem Fußballplatz (Foto: Sportzentrum)
    Dem Jugendfußball widmet sich eine neue Studie des Bildungsforschers Heinz Reinders. (Foto: Sportzentrum)

    Wenn auf bayerischen Fußballplätzen Woche für Woche das Runde ins Eckige gejagt wird, dann haben die Mädchen und Jungen dabei vor allem eines: Spaß am Fußball. Doch bei einigen verbindet sich damit auch die Hoffnung, später einmal als Profi in der Bundesliga aufzulaufen.

    Eine Karriere als Kicker: Die Chancen dafür stehen im bayerischen Jugendfußball vielleicht so günstig wie noch nie. Denn immer mehr Jugendabteilungen haben die Förderung von Talenten fest im Blick. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die Professor Heinz Reinders von der Universität Würzburg bei 1.128 bayerischen Fußballvereinen durchgeführt hat. Kooperationspartner der Studie ist der Bayerische Fußballverband (BFV).

    Gestiegene Bedeutung der Talentförderung

    Zentrales Ergebnis der Studie: Im Vergleich zur letzten Befragung von 2011 ist der Anteil an Vereinen, die sich die Förderung junger Talente auf die Fahnen geschrieben haben, deutlich gestiegen. Knapp 19 Prozent der Vereine nennen dieses Ziel an erster Stelle, zwei Jahre zuvor waren es lediglich 15 Prozent. Dieselbe Steigerungsrate ergibt sich für das Ziel „allgemeiner sportlicher Erfolg“.

    „Wir verzeichnen also insgesamt einen Anstieg des Leistungsgedankens im bayerischen Jugendfußball, und das in nur zwei Jahren. Angesichts dieser geringen Zeitspanne ist das eine erhebliche Verschiebung, die uns sehr überrascht hat“, so Professor Reinders, der in Würzburg den Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung innehat.

    Besonderes Gewicht erhält diese Veränderung durch den Umstand, dass alle anderen Ziele an Bedeutung verloren haben. Zwar ist die Förderung des sozialen Miteinanders laut Reinders nach wie vor das oberste Anliegen der meisten Vereine (52,2 Prozent), doch 2011 lag der Wert mit 57,7 Prozent noch höher. Auch andere Vereinsziele wie die Förderung gesunder Lebensweisen (von 4,6 auf 2,5 Prozent) haben gegenüber der Leistungsförderung an Priorität eingebüßt.

    Fußballvereine entwickeln Profile

    Bildungsforscher Reinders sieht in diesen Veränderungen aber keine Abkehr vom Breitensport. Darum hat er seiner Studie auch den Titel „Bayerischer Jugendfußball zwischen Leistung und sozialer Teilhabe“ gegeben.

    Der Professor verweist darauf, dass viele Vereine sich ein besonderes Profil gegeben haben. 24,1 Prozent bezeichnen sich als Leistungsvereine, die nach eigenen Angaben das Ziel der Leistungsförderung erfolgreich umsetzen. 18,1 Prozent sind Vereine mit dem Ziel des interkulturellen Miteinanders. Sie weisen einen hohen Anteil an Nachwuchs-Kickern nicht-deutscher Herkunftssprache auf und legen großen Wert auf soziale Teilhabe.

    12,9 Prozent der bayerischen Jugendfußball-Vereine geben als Ziel die Förderung des Mädchenfußballs an und haben entsprechend viele weibliche Mitglieder. Die breite Basis mit 44,9 Prozent bilden schließlich die so genannten „Vereine in Entwicklung“. Für sie sind alle Förderziele gleichwertig; ein ausgewiesenes Vereinsprofil besitzen sie (noch) nicht.

    Hohe Zufriedenheit bei den Vereinen

    „Im Gegensatz zu anderen Studien, in denen Vereine häufig ihre Situation beklagen, zeigt unsere Untersuchung, dass der bayerische Jugendfußball auf hohem Niveau mit den Vereinsmöglichkeiten zufrieden ist“, sagt Reinders. Das drücke sich in fast allen Bereichen aus, etwa beim Zustand der Sportstätten (83,1 % Zufriedenheit), der Zuverlässigkeit der Betreuer (89,6 %) oder dem interkulturellen Miteinander (91,2 %).

    In einem Bereich zeigt sich sogar eine zunehmende Zufriedenheit. Waren 2011 noch 57,5 Prozent der Vereinsakteure mit der Arbeit des Bayerischen Fußballverbands zufrieden, stieg dieser Anteil innerhalb von zwei Jahren auf 62,8 Prozent.

    Was die Möglichkeiten der Leistungsauslese angeht, so sind allerdings nur noch 66,2 Prozent der Vereine zufrieden (2011: 69,9 Prozent). „Das liegt vermutlich am gestiegenen Anspruch an die Talentförderung“, meint der Würzburger Professor.

    Bundesweit einzigartige Datenbasis

    Insgesamt hat Reinders‘ Team für die Studie 1.128 Vereine mit einer Jugendfußball-Abteilung befragt. Das entspricht einem Drittel aller bayerischen Vereine. Entsprechend stolz ist der Projektleiter auf die Untersuchung: „Eine so breite Datenbasis zur Beschreibung von Fußballvereinen gab es in Deutschland noch nie“.

    Die Studie erlaube detaillierte Aussagen zur Situation der Mitgliedsvereine im Bayerischen Fußball-Verband und mache Empfehlungen an die Adresse des BFV möglich. „Wenn ich sehe, dass ein Verein sein Profil gezielt entwickelt, dann sollte ich ihn auch mit entsprechenden Instrumenten fördern“, so Reinders. Leistungsvereine bräuchten andere Voraussetzungen als ein im Breitensport verankerter Jugendfußball.

    „Da darf kein Vereinsprofil vernachlässigt werden, sondern es muss je nach Bedarf spezifisch gefördert werden“, resümiert Reinders. „Damit die einen Spaß am Fußball und die anderen ihren Traum von der Profikarriere nicht nur haben, sondern vielleicht sogar verwirklichen können.“

    Kontakt

    Prof. Dr. Heinz Reinders, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung, Universität Würzburg, T (0931) 31-85563, heinz.reinders@uni-wuerzburg.de

    Homepage der Studie mit weiteren Informationen

    Von Robert Emmerich

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