piwik-script

English Intern

    Aufbruch in die Zukunft

    12.04.2011

    Ein komplett neuer Campus, ein neues Hörsaal- und ein neues Praktikumsgebäude: So viel zusätzlichen Raum auf einen Schlag hat die Universität Würzburg in ihrer mehr als 600 Jahre alten Geschichte noch nie erhalten. Mit einem großen Festakt am Hubland hat sie das Ereignis gebührend gefeiert.

    Festakt-Fotos
    Der Grundstein für das neue Campusgelände wird enthüllt. (Foto: Michael Mommertz)

    Kein Zweifel: Dieser Tag wird in der Chronik der Universität Würzburg auch in ferner Zukunft noch eine herausragende Position einnehmen. Dass die Uni ihre Fläche auf einen Schlag um 39 Hektar vergrößert, hat es zwar in ähnlicher Weise schon einmal in den 1960er-Jahren gegeben, als der Hubland-Campus in Betrieb genommen wurde. Dass Wissenschaftler und Studierende aber gleich elf neue Gebäude beziehen können – das ist seit der Erstgründung im Jahr 1402 noch nicht vorgekommen.

    Alfred Forchels Rede

    Kein Wunder, dass Universitätspräsident Alfred Forchel in seiner Rede während des Festakts im zentralen Hörsaalgebäude von einem „ganz herausragenden Ereignis für die Universität Würzburg“ sprach, das für die Zukunft der Uni von „riesiger Bedeutung“ sei. Schließlich erhalte die Uni mit dem neuen Campus und den zwei Neubauten 40.000 zusätzliche Quadratmeter für Forschung und Lehre.

    Mit der Erweiterung auf den Hubland-Campus Nord öffnen sich der Uni zahlreiche neue Chancen: Sie kann dort in den nächsten Jahren Einrichtungen, die bisher über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, an einem Ort konzentrieren. Das Gelände bietet darüber hinaus noch reichlich Platz für die Ansiedlung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Außerdem kann die Uni dort ihr Angebot der Kinderbetreuung erweitern und so „die Vereinbarkeit von Studium, Forschung und Familie“ verbessern.

    Forchel dankte allen Beteiligten für ihr Engagement in den vergangenen Jahren – insbesondere seinem Vorgänger im Amt des Unipräsidenten, Axel Haase: „Sie haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt.“

    Wolfgang Heubischs Rede

    Wenn in 20 Jahren auf diesen Tag zurückgeblickt wird, heiße es mit Sicherheit: „Die damalige Entscheidung war ein großer Wurf!“ Davon ist zumindest Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch überzeugt. Die Ausdehnung auf das ehemalige Kasernengelände sei ein „richtungsweisender Schritt“ angesichts steigender Studierendenzahlen in den kommenden Jahren.

    Verständlich, dass der Wissenschaftsminister in seiner Festrede auch ein Lob an die eigene Regierung aussprach: Immerhin hat der Freistaat Bayern dafür gesorgt, dass die Universität Würzburg zur Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs rund 3300 zusätzliche Studienplätze inklusive 220 Stellen für zusätzliches Personal erhalten hat. Die Gesamtkosten für die beiden Neubauten, den neuen Campus und das neue Personal bezifferte Heubisch mit 60 Millionen Euro.

    „Etappenziel erreicht – große Herausforderung – super gemacht – danke“: Mit diesen Worten fasste Heubisch den Tag zusammen – und deutete damit gleichzeitig an, dass der Ausbau auf dem neuen Campusgelände auch in Zukunft weitergehen kann. Einer „ausgezeichneten Zukunft“, die Würzburg Heubischs Worten nach vor sich hat.

    Der Campus Nord

    39 Hektar ist die Fläche groß, die der Freistaat Bayern im Jahr 2009 auf dem ehemaligen Leighton-Areal als Erweiterungsfläche für die Universität Würzburg erworben hat. Bereits im Januar 2010 haben hier die Bauarbeiten begonnen: die Erschließung und der Umbau von neun Gebäuden, darunter sieben ehemalige Wohngebäude und Teilbereiche zweier ehemaliger Schulen.

    Entstanden sind dort auf einer Hauptnutzfläche von rund 10.000 Quadratmetern büroartige Institutsgebäude mit Seminarräumen und Praktikumsflächen. Einziehen werden dort Mitglieder der Fakultäten Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Philosophie I und II und des Zentrums für Sprachen.

    Nur zwei Jahren und drei Monaten hat somit die Umwandlung der „Skyline Hill“, der ehemaligen Wohnsiedlung der US-Streitkräfte, zum Universitäts-Campus „Hubland Nord“ gedauert. Es dürfte kaum ein Konversionsprojekt in Deutschland geben, das eine ähnliche Geschwindigkeit an den Tag gelegt hat. Die Kosten für den Umbau betrugen rund 28,5 Millionen Euro. Dieser ist damit allerdings noch nicht beendet: Derzeit laufen die Planungen zur Nachnutzung weiterer Gebäude.

    Das zentrale Hörsaal- und Seminargebäude

    An der Schnittstelle zwischen dem Campus Hubland-Süd und dem Campus Hubland-Nord steht das neue zentrale Hörsaal- und Seminargebäude. Ab dem 2. Mai wird es fakultätsübergreifend für Vorlesungen und Seminare genutzt.

    Drei Hörsäle mit insgesamt 1041 Sitzplätzen sind dort untergebracht. Darüber hinaus befinden sich in dem lichten Neubau weitere 23 Seminarräume mit noch einmal Platz für rund 1000 Studierende. Insgesamt können dort also mehr als 2000 Studierende gleichzeitig Vorlesungen und Seminare besuchen.

    Das zweite Obergeschoss öffnet sich mit einer Terrasse nach Westen. Von hier aus bieten sich weite Ausblicke auf die Stadt, das Maintal und die Festung Marienberg. 3200 Quadratmeter Nutzfläche erhält die Uni hier neu; rund 16,7 Millionen Euro hat das Gebäude gekostet.

    Das zentrale Praktikumsgebäude

    Für Studierende bietet das neue Praktikumsgebäude für die Naturwissenschaften 273 Arbeitsplätze, die auf dem neuesten Stand von Sicherheit und Technik sind. Der Neubau steht südlich vom Zentralbau Chemie auf dem alten Hubland-Campus. Sein innovatives Grundkonzept sieht nicht nur eine fakultätsübergreifende Nutzung vor, sondern auch eine möglichst flexible Nutzbarkeit der einzelnen Laborbereiche.

    Konzipiert sind die Praktikumsräume für Studierende der Biologie, Chemie und Physik. Außerdem wird in dem neuen Gebäude das physikalische Praktikum des Studiengangs Technologie der Funktionswerkstoffe absolviert. Seine Hauptnutzfläche beträgt 1740 Quadratmeter, ein transparenter Verbindungsbau schließt den Neubau an den Zentralbau Chemie an. Als Besonderheit befindet sich in der Laborlandschaft ein voll ausgestatteter barrierefreier Arbeitsplatz. Die Baukosten belaufen sich auf 11,5 Millionen Euro.

    Eindrücke vom Festakt

    Immer launig, manchmal bissig, überwiegend witzig: So hat Moderator Eberhard Schellenberger (Bayerischer Rundfunk) den Festakt gestaltet. Vor allem die Gesprächsrunde mit Vertretern von Stadt, Bezirk und Land führte er souverän um die Klippen typischer Grußworte herum, so dass auch die rund 500 Zuhörer ihr Vergnügen daran hatten. Ein paar Zitate daraus:

    „Das ist ein großer Tag für die Uni und die gesamte Region. In nicht einmal vier Jahren haben wir die Umwandlung geschafft – ein unglaublich ambitioniertes Programm.“ (Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident)

    „Natürlich freut sich auch die Stadt. Ohne die Uni wären wir ein kleines vergessenes gallisches Dorf.“ (Georg Rosenthal, Oberbürgermeister)

    „Es war politisch nicht immer ein Zuckerschlecken, die Verantwortlichen in München davon zu überzeugen, dass die Leighton Barracks keine Barracken sind. Jetzt fallen mir viele Steine vom Herzen.“ (Oliver Jörg, Landtagsabgeordneter)

    „Egal welcher Partei wir angehören: Wir Unterfranken stehen gemeinsam hinter dem Projekt ‚Universität‘. Und wir müssen gemeinsam Druck machen, um weiter Mittel nach Würzburg zu holen.“ (Volkmar Halbleib, Landtagsabgeordneter)

    „Selbstverständlich ist dieser Festakt auch für uns ein Freudentag. Für die nächste Phase wünschen wir uns allerdings eine stärkere Einbindung der Studierenden.“ (Maximilian Fries, studentischer Senator)

    Symbolische Schlüsselübergabe

    Zwei Neubauten und ein komplett neuer Campus: Kein Wunder, das der symbolische Schlüssel etwas größer als gewöhnlich ausfiel, den Peter Mack vom Staatlichen Bauamt an die neuen Nutzer übergab. Immerhin 13 Kilogramm schwer, trägt er zwei Bärte: einen in Gestalt des Hubland-Campus-Süd-Umrisses, einen mit den Konturen des Campus-Nord.

    Dass hier innerhalb von nur zwei Jahren Bauzeit die Konversion abgeschlossen werden konnte, bezeichnete Mack als „einmalig“. Der erfolgreiche Abschluss dieser drei Projekte sei das Ergebnis „langer und zäher Arbeit“. Dafür dankte Mack ausdrücklich seinem Vorgänger Dieter Maußner, von dem er das Amt als Leiter des Bereichs Universitätsbau im Februar 2011 übernommen hatte.

    In der nächsten Zeit will das Staatliche Bauamt noch den Außenbereich des neuen Campusgeländes verändern – „damit er die Studierenden auch zum Verweilen einlädt“.

    Die Meinung der Studierenden

    Und was halten die zukünftigen Nutzer – die Studierenden – von „ihren“ zahlreichen Neuerwerbungen? Das präsentierten die Mitglieder des Sprecherrats in einem kurzen selbstgedrehten Film mit dem programmatischen Titel: „Die Reise ins gelobte (Hub)Land“. „Wir freuen uns auf den neuen Campus und auf schöne, sonnige Seminarräume“, sagte Hannah Klein vom Sprecherrat. Trotzdem gebe es noch einiges zu tun, um aus den Leighton Barracks einen Campus-Nord zu machen, so die Studentin.

    Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei eine Brücke über die viel befahrene Straße am Galgenberg, die zwischen dem alten und dem neuen Campus verläuft. Die allerdings werde bald kommen, versprach Wolfgang Heubisch. Den Planungsauftrag dazu habe das Ministerium wenige Tage zuvor erteilt.

    Weitere Elemente des Festakts

    Für die neuen Gebäude und den neuen Campus sprachen Bischof Friedhelm Hofmann und Regionalbischof Christian Schmidt den ökumenischen Segen aus. Zuvor hatten Studierende des Hochschulsports mit einer Tanzvorführung unter der Leitung von Andreas Petko Schwung in den Hörsaal getragen.

    Schlusspunkt der Feierlichkeiten bildete die gemeinsame Enthüllung des Grundsteins auf dem neuen Campusgelände durch Vertreter von Uni, Stadt, Bezirk und Land – begleitet von Böllerschüssen und dem Fahnenhissen.

    Für den musikalischen Rahmen sorgten das Trio Clarino Würzburg und das Blechbläser-Ensemble des Matthias-Grünewald-Gymnasiums Würzburg.

    Mehr Informationen

    Chronik der Umwandlung der Leighton Barracks in den Hubland-Campus Nord

     

    Weitere Bilder

    Von Gunnar Bartsch

    Zurück