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    Alumnus Josef Schuster ist Präsident des Zentralrates der Juden

    18.12.2014

    Der Würzburger Arzt Josef Schuster ist seit Ende November 2014 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Alumnus der Universität Würzburg möchte bei seiner Arbeit den Fokus darauf legen, die verschiedenen Ausrichtungen des Judentums unter dem gemeinsamen Dach zusammenzuführen.

    Dr. Josef Schuster ist seit November 2014 Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. In den 1970er-Jahren studierte der heute in Würzburg niedergelassene Internist an der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg. (Foto: Andreas Kneitz/Zentral
    Dr. Josef Schuster ist seit November 2014 Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. In den 1970er-Jahren studierte der heute in Würzburg niedergelassene Internist an der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg. (Foto: Andreas Kneitz/Zentralrat der Juden)

    Geplant war der Sprung vom Vizepräsidenten an die Spitze des Zentralrates der Juden von Josef Schuster nicht. "Die Nachfolge von Dieter Graumann stand in keiner Weise in meiner Lebensplanung. Wenn Sie dies noch vor wenigen Monaten vorhergesagt hätten, so hätte ich dies in das Reich der Fabeln verwiesen", sagt Schuster, der seit 2010 bereits die Position als Vize innehatte. Als Graumann überraschend von einer weiteren Kandidatur absah, stellte Schuster sich zur Verfügung und wurde am 30. November gewählt.

    Josef Schuster machte 1973 am Röntgen-Gymnasium in Würzburg sein Abitur und studierte in der Folge an der Medizinischen Fakultät der Universität. Danach folgten Promotion und die Facharztausbildung zum Internisten am Juliusspital. Heute ist er niedergelassener Arzt in Würzburg, ganz in der Nähe seiner einstigen Ausbildungsstätte Juliusspital.

    Vielfalt in der Einheit

    Als ehrenamtlicher Kopf der jüdischen Gemeinschaft kommt auf Schuster sicher ein Mehr an Arbeit zu, schließlich betreibt er seine Praxis weiter. Inhaltlich möchte er "die Arbeit von Dieter Graumann so weiterführen", sagt Schuster, der 1954 im israelischen Haifa geboren wurde. Seine Familie blickt auf mehr als 450 Jahre Familiengeschichte in Unterfranken zurück, die nur vom zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Sein Vater überlebte mehrere Konzentrationslager. Schuster kehrte im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie zurück nach Würzburg.

    Vielleicht ist ihm daher die Integration von Rückkehrern nach Deutschland ein Herzensanliegen.  So sieht Schuster in der Innenwirkung "die Stabilisierung und Festigung der Gemeinden nach der Phase der ersten Integration zahlreicher zugewanderter Mitglieder aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion" im Mittelpunkt.  "Dabei gilt es, die Einheit von jüdischen Gemeinden unterschiedlicher religiöser Ausrichtung zu fördern", so Schuster, der dies unter dem Stichwort "Vielfalt in der Einheit" zusammenfasst.

    "Judentum ist mehr als Vernichtung und Trauer"

    Im Verhältnis nach außen ist Schuster wichtig, mit seiner Arbeit darauf hinzuweisen, "dass es jüdische Gemeinden in Deutschland lange vor der Schoah (Anm. d. Red.: Vernichtung der Juden in Deutschland und Europa zur Zeit des Nationalsozialismus) gab, aber auch nach der Schoah gibt. Judentum ist eben viel mehr als Vernichtung und Trauer." Sein Vorgänger Graumann habe bereits  stark daran gearbeitet, das öffentliche Bild vom Judentum von den Themen Trauer und Gedenken an den Holocaust zu lösen und zu zeigen, dass Judentum auch zukunftsgewandt und fröhlich sein könne. "Ich möchte diesen Ansatz von Dieter Graumann weiterführen", so Schuster.

    Eine Aufgabe hat Schuster mit katholischen und evangelischen Gemeinden gemein: "Auch für jüdische Gemeinden stellt es eine große Herausforderung dar, insbesondere junge Erwachsene an die Gemeinden zu binden. In dieser Lebensphase stehen oftmals die Fragen der Familien- und Existenzgründung im Vordergrund. Hier gilt es mit entsprechenden Angeboten für diese Altersklasse gerade auch jüngere  Menschen dort abzuholen, wo sie stehen", sagt Schuster.

    Alumni-Netzwerk als Kontaktplattform 

    Schuster war bereits lange vor seiner Arbeit im Zentralrat der Juden in Deutschland ehrenamtlich aktiv. 1998 wurde Schuster zum Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Würzburg gewählt, ein Amt, welches bereits sein Vater von 1958 bis 1996 innehatte. 2002 erfolgte die Wahl zum Präsidenten des bayerischen Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden.

    Der Vater von zwei erwachsenen Kindern engagiert sich zudem als Arzt bei der Wasserwacht und im Rettungsdienst. Ehrenamtliches Engagement ist ihm sehr wichtig. "Das halte ich für eine stabile Gesellschaft für unverzichtbar. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit einer Betätigung mit großer Chance der eigenen Erfüllung", so Schuster. Gemeinschaft steht für ihn auch bei den Alumni-Aktivitäten der Uni Würzburg im Mittelpunkt: "Das Alumni Netzwerk bietet eine hervorragende Möglichkeit, direkt oder indirekt mit anderen Absolventen der Julius-Maximilians-Universität in Kontakt zu bleiben und in Kontakt zu treten."

    Weblinks

    Das Alumni-Netzwerk der Uni Würzburg

    Der Zentralrat der Juden in Deutschland 

    Von Marco Bosch

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