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    Alte Chirurgie wird Forschungszentrum für Biologie und Medizin

    28.07.2006

    Wer derzeit das Würzburger Universitätsklinikum im Stadtteil Grombühl passiert, sieht Beeindruckendes: Die historische Fassade der früheren Chirurgischen Klinik ist ein mächtiges Stützkorsett gezwängt, ihr Inneres wirkt wie ausgehöhlt. Nachdem die Chirurgie 2004 in das Zentrum für Operative Medizin umgezogen ist, wird ihre frühere Heimstatt nun umgebaut.

    Elf Mann setzten den symbolischen Spatenstich.
    Setzten den symbolischen Spatenstich (von rechts): Dekan Georg Ertl, Jörg Hacker, Sprecher des Zentrums für Infektionsforschung, Architekt Eckhard Gerber, Parlamentarischer Staatssekretär Andreas Storm, Minister Thomas Goppel, Unipräsident Axel Haase, Martin Lohse, Sprecher des Rudolf-Virchow-Zentrums, Bürgermeister Adolf Bauer, Unibauamtsleiter Dieter Maußner und Andreas Metschke, stellvertretender Präsident der Regierung von Unterfranken. Foto: Robert Emmerich

    Die neuen "Hausherren" sind - voraussichtlich ab 2009 - das Zentrum für Infektionsforschung der Universität, das sich derzeit am Röntgenring befindet, und das Rudolf-Virchow-Zentrum/DFG-Forschungszentrum für Experimentelle Biomedizin. Letzteres ist bislang vorwiegend im Institut für Pharmakologie in der Versbacher Straße beheimatet.

    "Wissenschaftliche Erfolge, die wir gerade im Bereich der Biologie und Medizin vorweisen können, brauchen eine moderne Infrastruktur. Der Beginn dieses Neubaus zeigt, dass der Freistaat Bayern die international hervorragende Position der Universität Würzburg erkennt und sie nachhaltig ausbauen möchte", so Unipräsident Axel Haase.

    Das 1993 gegründete Zentrum für Infektionsforschung mit seinen 120 Mitarbeitern rückt durch den Umzug näher an Kooperationspartner heran, die sich auf dem Campus an der Josef-Schneider-Straße befinden. Dazu gehören unter anderem das Rudolf-Virchow-Zentrum und die Universitätskliniken. Durch den Neubau werde ein noch regerer Austausch möglich, so Zentrumssprecher Professor Jörg Hacker. Die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten sei eine Voraussetzung für die Entwicklung neuer Diagnostika, Impfstoffe oder Antibiotika.

    Das 2001 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte Rudolf-Virchow-Zentrum bekommt nach dem Umzug eine eigene Heimat. Der Sprecher des Zentrums, Professor Martin Lohse, hebt hervor, dass der Neubau es dem Zentrum erlauben werde, seine Ausstattung möglichst vielen Kooperationspartnern zur Verfügung zu stellen und seine Rolle als zentrale interdisziplinäre Einrichtung der Universität wahrzunehmen.

    Der symbolische Erste Spatenstich für das Bauvorhaben wurde am 28. Juli im Beisein von Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel getan. In seiner Festrede betonte der Minister die führende Position der Uni Würzburg im Bereich der Lebenswissenschaften. Das Bauvorhaben sei als weiterer Meilenstein am Standort Würzburg zu sehen.

    Zu den Rednern beim Festakt im Hörsaal der Medizinischen Klinik I gehörte auch Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Damit waren beide Geldgeber des Großprojekts vertreten, denn das wird jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Freistaat Bayern bezahlt.

    Die Baumaßnahme hat ein Finanzvolumen von 62,5 Millionen Euro. Damit ist sie - hinter dem Zentrum für Innere Medizin (ZIM) mit 156 Millionen und der Zahnklinik mit 81 Millionen Euro - das derzeit drittgrößte Bauprojekt an der Universität. Die Bauarbeiten begannen im März 2006 mit dem Abbruch des Operationstraktes der früheren Urologie. In der ehemaligen Chirurgie entsteht nun ein biomedizinisches Forschungszentrum mit 9.000 Quadratmetern Hauptnutzfläche. Dabei handelt es sich vorwiegend um Forschungslabors, aber auch um Büros und Räume für die Lehre. Unter anderem wird ein neuer Hörsaal mit 400 Plätzen gebaut.

    Vom Altbau, der aus den 1920er-Jahren stammt, bleiben im Wesentlichen nur die Fassaden und Treppenhäuser erhalten. Später hinzugefügte Anbauten wurden bereits abgebrochen. An ihrer Stelle entsteht parallel zum Altbau ein dreigeschossiges Laborgebäude. Alt- und Neubau werden durch den würfelförmigen Hörsaalbau und eine mit Glas überdeckte Eingangshalle verbunden.

    Beim Festakt folgten auf die Begrüßung durch den Unipräsidenten Grußworte von Andreas Storm, Professor Georg Ertl (Dekan der Medizinischen Fakultät), Professor Martin Müller (Dekan der Fakultät für Biologie), sowie von den Professoren Hacker und Lohse.

    Nach der Festansprache von Minister Goppel erläuterte Professor Eckhard Gerber (Dortmund) die Philosophie des Architekten. Dieter Maußner, Leiter des Universitätsbauamtes, informierte am Ort des Spatenstichs über den Bau. Die Feier endet mit einem Empfang im historischen Innenhof der Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege.

    Von Robert Emmerich

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