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    Zauberbücher, Voodoo-Puppen und die Angst vor Hass und Neid

    15.10.2019

    „Magie: Texte, Praktiken, Stereotypen“: Unter diesem Motto steht die Ringvorlesung des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums im Wintersemester 2019/20. Sie bietet eine breite Palette magischer Kräfte und Praktiken.

    Medusa lebt! Mit Licht wirkt die Maske, eine Kopie der hochklassischen „Medusa Rondanini“ aus dem 19. Jahrhundert, noch magischer.
    Medusa lebt! Mit Licht wirkt die Maske, eine Kopie der hochklassischen „Medusa Rondanini“ aus dem 19. Jahrhundert, noch magischer. (Bild: Christina Kiefer)

    Seitdem der Mensch an göttliche Mächte glaubt, dürfte die Idee Verbreitung gefunden haben, dass diese metaphysische Welt nicht nur durch Gebete und Opfer beeinflusst werden kann, sondern auch durch Zauberei. Das Konzept der Magie, Komplement oder Pendant zur Religion, basiert auf der Annahme, dass ausgewählte Medien durch übersinnliche Fähigkeiten oder eigentümliche Rituale dazu in der Lage sind, sich Zugriff auf die transzendenten Kräfte in der Welt zu verschaffen. Nur wenige Eingeweihte (griech.: mágos = Weiser) können diese Rituale ausüben und damit Macht über das Schicksal anderer Menschen gewinnen.

    Die Ringvorlesung

    Um Magie dreht sich die neue Ringvorlesung des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums (WAZ), die am Montag, 21. Oktober 2019 startet. Sie widmet sich dem Phänomen der Magie aus den unterschiedlichen Perspektiven der altertumswissenschaftlichen Fächer, indem Fallbeispiele aus dem je eigenen Quellenmaterial beleuchtet werden: Texte zur Anleitung von Ritualen, die an Zauberbücher erinnern; Schamanen evozierende Utensilien wie Masken, Messer und Klappern; Übel abwehrende Symbole und Bilder zum Hausgebrauch. Dabei geht sie konsequent der Frage nach, welchen Stellenwert magische Praktiken im (religiösen) Leben und Alltag der jeweiligen Kultur einnahmen.

    Zeit und Ort

    Die Vorträge finden jeweils montags im Toscanasaal der Würzburger Residenz (Südflügel, 2. Stock) statt und beginnen um 18:15. Der Eintritt ist frei.

    Jesus – ein Magier?

    Auch die Rolle der Magier wird in den Vorträgen beleuchtet. Im alten Persien ursprünglich eine Art Priesterkaste, waren sie zu allen Zeiten schillernde Figuren, bewundert und gefürchtet zugleich. Sprichwörtlich sind Macht und Attraktivität der homerischen Kirke, die Odysseus in ihre Fänge lockte. Große Gelehrte wie Pythagoras oder Mystiker wie Orpheus standen in dem Ruf, über magische Kräfte verfügt zu haben. Selbst Jesus zog nicht nur bei seinen heidnischen Widersachern den Verdacht auf sich, ein Magier zu sein, der Tote zum Leben erwecken kann und Exorzismus betreibt.

    In manchen Kulturen des Altertums zählen magische Praktiken wie beispielsweise Orakel oder feierliche Rituale zum Schutz des Königs zur Staatsreligion, in anderen finden sie, als Aberglaube oder Sünden gebrandmarkt, vorzugsweise im Verborgenen statt und eröffnen dort reizvolle Alternativen zu öffentlichen Hilferufen an die Götter. Etwa wenn ihre Ziele eher von individuellen Motiven herrühren, die der Diskretion bedürfen: unerwiderte Liebe, Potenzprobleme, Angst vor Krankheit, Hass und Neid und Vergleichbares mehr.

    Hilfsmittel zum Verwünschen

    Für alle diese Bedürfnisse warteten die Magier mit geeigneten Hilfsmitteln auf. Amulette wehren den „bösen Blick“ ab, Fluchtäfelchen verwünschen den persönlichen Feind, Bildzauber – umgangssprachlich auch Voodoo-Puppe genannt – lässt ihn durch körperliche Gebrechen peinigen. Dabei fällt auf, dass das Wissen über die Magie trotz seiner Exklusivität nicht nur die Jahrhunderte, sondern ganze Kulturen überdauert hat.

    Bei alledem wird deutlich werden, dass sich schon damals niemand der Faszination der Magie entziehen konnte. Das trug ihr das Interesse der Politik ein: Der Nimbus magischer Kräfte half den Königen ihre Herrschaft zu legitimieren. Unter dem Vorwurf dubioser magischer Praktiken ließen sich ungeliebte soziale Gruppen diffamieren. Trotz aller Abgrenzungsversuche, insbesondere der christlichen Religion, wurde die Macht der Magie jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Wer kann schon wissen, ob der Zauber nicht doch wirkt?

    Das Programm

    • 21. Oktober 2019: „Ziegenkadaver, Hexenfigur und Königspuppe: Das babylonisch-assyrische Badehaus-Ritual“, Prof. Dr. Daniel Schwemer (Uni Würzburg)
    • 4. November 2019: „Altägyptische Magie – Texte, Praktiken, Stereotypen“, Prof. Dr. Hans-Werner Elfert (Uni Leipzig)
    • 25. November 2019: „Der Zauberer von Nazareth. Frühchristliche Wunder im Spiegel heidnischer Magiekritik“, Dr. theol. Johannes Pfeiff (Uni Würzburg)
    • 9. Dezember 2019: „Der böse Blick und seine Abwehr. Amulette und Abwehrmittel gegen den bösen Blick in Antike und Neuzeit“, Dr. Carina Weiß (Uni Würzburg)
    • 13. Januar 2020: „Das Charisma inszenieren. Alexander der Große und die Mantik“, Prof. Dr. Kai Trampedach (Uni Heidelberg)
    • 27. Januar 2020: „Magie und Religion in Apuleius' Metamorphosen“, PD Dr. Friedemann Drews (Uni Münster)

    Link

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