piwik-script

Intern
    einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

    Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

    30.09.2014 | CAMPUS

    Eine Untersuchung von Online-Interessentests, durchgeführt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, hat vor kurzem in den Medien für Schlagzeilen gesorgt. Die Würzburger Projektgruppe kritisiert die Studie und hält viele Schlüsse für unzulässig.

     „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Online-Studienselbsttests als Orientierungs- und Entscheidungshilfe“: So lautet der Titel einer Untersuchung, die der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vor wenigen Wochen veröffentlicht hat. In der Studie untersucht wurde auch der Test, den die Begabungspsychologische Beratungsstelle der Universität Würzburg seit knapp einem Jahr anbietet – mit einem negativen Urteil. Die Süddeutsche Zeitung und Spiegel-Online griffen das Thema auf und berichteten darüber. Die verantwortliche Projektgruppe an der Universität Würzburg hält die Aussagen, die in der Studie und in den Medien getroffen wurden, aus wissenschaftlicher Sicht allerdings nicht für zulässig. Hier ihre Stellungnahme:

    „Im Spiegel-Online sowie in der Süddeutschen Zeitung wurde die oben genannte Studie des Stifterverbands so zusammengefasst, dass alle sechs untersuchten Testverfahren (darunter auch der Online-Interessentest zur Studienfachwahl der Universität Würzburg) kaum bei der Studienfachwahl helfen, sie allesamt wenig taugen und keine verlässliche Entscheidungshilfe bieten. Als Fazit wird festgehalten, dass die Ergebnisse die Hilfesuchenden eher frustrieren als ihnen nützen. Auch wenn der zugrundeliegende Bericht des Stifterverbands wesentlich differenzierter aufgebaut ist und auch positive Aspekte der verschiedenen Interessenstests vermerkt, ist sein Fazit ähnlich negativ.

    Methodische und argumentative Schwächen

    Die genaue Lektüre des zugrundeliegenden  Berichts macht klar, dass die Untersuchung des Stifterverbands methodische und argumentative Schwächen aufweist. Ein besonders gravierendes Problem dieser Studie ist etwa darin zu sehen, dass sie auf lediglich 12 Teilnehmern basierte, welche die sechs angesprochenen Interessenstests durchgeführt haben. Die Teilnehmerzahl ist in unserer Sicht viel zu klein und das Design der Studie viel zu problematisch, um solch weitgehende Schlussfolgerungen treffen zu können, wie es der Stifterverband tut.

    Weiterhin gibt der Bericht keinen Hinweis darauf, um welche Personengruppe es sich bei den Testpersonen gehandelt hat. Nach persönlicher Auskunft der Erstautorin der Untersuchung handelte es sich bei den Teilnehmern um einen bewusst gewählten heterogenen Teilnehmerkreis, z. B. auch bestehend aus bereits berufstätigen Personen mit einem absolvierten Studienfachabschluss. Die für unser Verfahren eigentlich zentrale Zielgruppe der Studieninteressierten wurde dabei nicht beteiligt. Da der ausgewählte Personenkreis nicht der Zielgruppe der Online Interessentests entspricht, müssen die getroffenen Aussagen relativiert werden.

    Ein systematischer Vergleich fehlt

    Außerdem bleibt offen, welche konkreten Kriterien für die Beurteilung zugrunde gelegt wurden. Bewertende Aussagen wurden entweder pauschal über alle Tests oder exemplarisch für wenige Tests geäußert, standen aber nicht im Bezug zu klar definierten Kriterien, wie es bei wissenschaftlichen Evaluationen der Fall sein sollte. Ein systematischer Vergleich aller beurteilten Verfahren fehlt gänzlich. Obwohl die Unterschiedlichkeit der besprochenen Testverfahren direkt angesprochen wurde (Verfahren, welche ausschließlich Interessen erheben wie der Würzburger Interessentest und Verfahren, welche neben Interessen zusätzlich Fähigkeiten wie z. B. sprachliches und räumliches Denken erheben), blieb diese wichtige inhaltliche Differenzierung bei der Bewertung der Verfahren weitgehend unberücksichtigt.

    Der Würzburger Online-Interessentest

    In diesem Zusammenhang scheint es uns nun wesentlich, auf das eigentliche Ziel und den Anspruch des von uns entwickelten Verfahrens hinzuweisen, das seit Mitte Januar 2014 von der Universität Würzburg als Online-Interessentest für Studieninteressierte angeboten wird. Die Studieninteressierten bewerten darin 48 Tätigkeitsbeschreibungen danach, wie interessant sie diese finden bzw. finden würden. Im Anschluss daran erhalten sie Rückmeldung über ihr persönliches Interessenprofil und Empfehlungen für interessensspezifisch passende Studienfächer.

    Erster Schritt in einem mehrstufigen Prozess

    Das erklärte Ziel des Würzburger Online-Interessentests ist es, Studieninteressierte bei ihrer Studienfachwahl zu unterstützen. Um weitere Informationen zu den empfohlenen Studienfächern zu erhalten, können Studieninteressierte direkt per Link zu jedem empfohlenen Studienfach detaillierte Auskünfte einholen. Zusätzlich werden am Ende der Rückmeldung Kontaktdaten der Zentralen Studienberatung und weitere uniinterne Beratungsangebote bereitgestellt, die dem Studieninteressierten die Möglichkeit zur vertiefenden Studienfachberatung geben. Der Test selbst stellt also einen ersten Schritt eines mehrstufigen Entscheidungsprozesses dar und soll keineswegs die alleinige Grundlage bei der Studienfachwahl sein.

    Wird dieses Ziel durch den Würzburger Online-Interessenstest wirklich erreicht? Zur Überprüfung dieser Frage wurde von unserem Projektteam eine Evaluationsstudie durchgeführt, deren Versuchsplan aus unserer Sicht wesentlich mehr Sinn macht als die Studie des Stifterverbands.

    Gute Noten von den Testteilnehmern

    Nachdem Personen der primären Zielgruppe (zumeist Abiturientinnen und Abiturienten) den Test vor Studienbeginn durchgeführt hatten, wurden sie in einer Nachbefragung im ersten Studienjahr aufgefordert, eine Bewertung des Online-Interessentests vorzunehmen. Bei dieser Nachbefragung stellte sich heraus, dass  die Teilnehmergruppe von 38 Studieninteressierten, die mittlerweile an der Universität Würzburg studieren, den Würzburger Interessentest im Durchschnitt mit der Schulnote „Gut“ bewerteten. Insgesamt 92 Prozent der befragten Teilnehmer gaben an, den Würzburger Interessentest für andere Studieninteressierten weiter zu empfehlen. Dies spiegelt die hohe Akzeptanz dieses Verfahrens wieder.

    Aktuellere Daten von 25 nachbefragten Teilnehmern zeigen ein ähnlich positives Bild. Sicherlich ist auch unsere Studie noch nicht als repräsentativ anzusehen. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass sich für eine (gegenüber der Ausgangsstudie des Stifterverbands) deutlich größere Stichprobe von Testpersonen in der eigenen Evaluationsstudie eine wesentlich günstigere Bewertung des Verfahrens ergeben hat. Seine Ökonomie (kurze Durchführungszeit) wurde übrigens auch im Bericht des Stifterverbands positiv erwähnt.

    Orientierungshilfe für das Studium in Würzburg

    Die primäre Zielsetzung unseres Interessentests ist es ganz klar nicht, eine eignungs-diagnostische Aussage zu treffen. Dies wird auch im Bericht des Stifterverbands vermerkt. Das wesentliche Ziel des Interessentests der Universität Würzburg besteht vielmehr darin, eine erste Orientierungshilfe zum Angebot der grundständigen Studiengänge speziell an der Universität Würzburg zu bieten und Interesse für den Studienort Würzburg zu wecken. Die Ergebnisse unserer ersten Evaluationsstudie können als Hinweis dafür gewertet werden, dass diese Orientierungshilfe allgemein dankbar angenommen wird und sich für die endgültige Studienfachauswahl als hilfreich erweist.

    Es ist also keineswegs so, dass der Würzburger Online-Interessentest als „untauglich“ und für Studieninteressenten „enttäuschend“ und frustrierend“ einzustufen ist, wie es die eher polemische Darstellung in „Spiegel online“ und der „Süddeutschen Zeitung“ suggeriert.“

    Prof. Dr. Wolfgang Schneider, PD Dr. Eva Stumpf, Dipl.-Psych. Nadine Schmitt

     

    Hinweis zum Datenschutz

    Mit 'OK' verlassen Sie die Seiten der Universität Würzburg und werden zu Facebook weitergeleitet. Informationen zu den dort erfassten Daten und deren Verarbeitung finden Sie in deren Datenschutzerklärung.

    Hinweis zum Datenschutz

    Mit 'OK' verlassen Sie die Seiten der Universität Würzburg und werden zu Twitter weitergeleitet. Informationen zu den dort erfassten Daten und deren Verarbeitung finden Sie in deren Datenschutzerklärung.

    Kontakt

    Universität Würzburg
    Sanderring 2
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-0
    Fax: +49 931 31-82600

    Suche Ansprechpartner

    Sanderring Röntgenring Hubland Nord Hubland Süd Campus Medizin