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    Südsee-Varietäten des Englischen

    26.04.2016 | NEU AN DER UNI
    Professorin Carolin Biewer, Inhaberin des Lehrstuhls für englische Sprachwissenschaft. (Foto: Daniel Peter)

    Professorin Carolin Biewer, Inhaberin des Lehrstuhls für englische Sprachwissenschaft. (Foto: Daniel Peter)

    Die englische Sprache auf den Inseln im Südpazifik erforschen – für viele klingt das nach einem Traumjob. Ein anstrengendes Abenteuer, auf das sich Carolin Biewer eingelassen hat. Hier berichtet die neue Professorin von ihrer linguistischen Feldforschung und ihren Plänen an der Uni Würzburg.

    Auf die andere Seite des Globus hatte es Carolin Biewer für ihre Habilitation verschlagen: Um herauszufinden, wie die Bewohner der Südsee auf den Fidschi-Inseln, den Cook-Inseln und Samoa die englische Sprache im Alltag einsetzen, flog die Sprachwissenschaftlerin kurzerhand selbst in die Pazifikregion. „Als ich mit meiner Forschung über Englisch als Zweitsprache in der Südsee begann, war das bis auf einige wenige Publikationen zum Englischen auf Fidschi noch absolutes Neuland“, erzählt sie.

    Neue Erkenntnisse über englische Sprachvarietäten

    Biewer lebte ein halbes Jahr in der Südsee unter anderem mit einer Maori-Familie auf Rarotonga, der Hauptinsel der Cook-Inseln. Dort machte sie über 100 Audioaufnahmen von Einheimischen verschiedener Altersgruppen und analysierte deren Englisch.

    Aus dieser Arbeit hat sie viele neue Erkenntnisse über englische Varietäten im Südpazifik gewonnen – aber auch generell über die Entstehung und Dynamik von Zweitsprachenvarietäten des Englischen. Studien zum Englischen in Mikronesien, aber auch in Asien und Afrika, profitieren jetzt von den Grundlagen, die Biewer mit ihrer Forschung gelegt hat.

    Durch ihre Pionierarbeit auf diesem linguistischen Gebiet hat die Wissenschaft viel darüber erfahren, wer wann auf den Südseeinseln Englisch verwendet, welche grammatischen Merkmale ihrer Muttersprache die einheimischen Sprecher ins Englische transferieren und wie soziokulturelle Aspekte die Verwendung des Englischen so beeinflussen können, dass letztendlich eine neue Varietät entsteht. Aus Englisch in Samoa wird samoanisches Englisch.

    Feldforschung in der Südsee ist nicht einfach

    Auch eine Nachfolgestudie kann sich die Sprachwissenschaftlerin vorstellen: Rund zehn Jahre nach der ersten Studie würde Biewer gerne genauer untersuchen, wie sich die Südseevarietäten auf Fidschi, Samoa und den Cook-Inseln seitdem fortentwickelt haben.

    Feldforschung in der Südsee ist allerdings alles andere als einfach: „Fidschi ist eine Militärdiktatur, viele leben in Angst. In Samoa in den ländlichen Gebieten bin ich als einzige Weiße für die Einheimischen eine Sensation. Es braucht viel Geduld, bis die Menschen zu mir als Fremde Vertrauen fassen können.“

    Diplom-Mathematikerin sieht Schnittmengen

    Nach ihren Reisen in die Südsee kehrte Biewer nach Deutschland zurück. Zum Wintersemester 2015/16 übernahm sie an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für englische Sprachwissenschaft. Damit wird eine Diplom-Mathematikerin Professorin am Neuphilologischen Institut, denn neben Anglistik und Philosophie hat die heute 41-Jährige auch Mathematik studiert.

    Für Biewer gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen der Linguistik und der Welt der Zahlen und Formeln. „Auch eine Sprachwissenschaftlerin muss analytisches Denken beherrschen und abstrahieren können, gegebenenfalls empirische Studien durchführen und statistische Tests anwenden können.“

    Rolle des Englischen in Hongkong

    Am Würzburger Lehrstuhl möchte sie mit Studierenden und Kollegen die strukturelle Entwicklung und den sich wandelnden Status der englischen Sprache in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong untersuchen. Dort sei zu beobachten, dass durch die politischen Veränderungen Mandarin zunehmend das Englische in einigen Bereichen des Alltags verdränge.

    Entwickelt sich Englisch in Hongkong von einer Zweitsprache zu einer Fremdsprache? Welches Ansehen hat das britische Englisch der ehemaligen Kolonialherren bei der heutigen Bevölkerung im Vergleich zur Kolonialzeit? Wie beeinflussen die eingeschränkte Pressefreiheit und der Mangel an demokratischen Prozessen im Land die englische Sprache?

    Um diese Fragen zu beantworten, soll in den kommenden Jahren eine digitale Textsammlung, ein sogenanntes Korpus, mit mehreren Millionen Wörtern aufgebaut werden. Gespeist wird es mit englischen Texten aus lokalen Zeitungen, akademischen Arbeiten und privater Korrespondenz aus verschiedenen Jahrzehnten. Auch Studierende sollen an dem Projekt beteiligt werden. Zukünftig lässt sich dieses Korpus dann als Grundlage für sprachwissenschaftliche Studien nutzen.

    Werdegang von Carolin Biewer

    Carolin Biewer, Jahrgang 1975, ist in Merzig im Saarland aufgewachsen. An der Universität Heidelberg und der University of Warwick in England hat sie Mathematik, Anglistik und Philosophie studiert. Sie schloss ihre Studien mit einem Diplom in Mathematik und mit dem Staatsexamen ab. Anschließend promovierte sie in Heidelberg zu Sprache und Gefühl in Shakespeares Komödien.

    2007 war die Sprachwissenschaftlerin Gastdozentin an der Victoria University of Wellington in Neuseeland und der University of the South Pacific auf Fidschi. Danach arbeitete sie unter anderem als Privatdozentin an der Universität Zürich und als Vertretungsprofessorin an der Universität Bonn. Von dort wechselte sie zum Wintersemester 2015/16 an die Universität Würzburg.

    Kontakt

    Prof. Dr. Carolin Biewer, Lehrstuhl für englische Sprachwissenschaft, +49 931 31-80224, carolin.biewer@uni-wuerzburg.de

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