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    Stammzelltransplantation: Eine bewährte Therapie

    26.03.2013

    Mehr als eine Million Menschen haben weltweit eine Stammzelltransplantation erhalten. Rund 1.900 dieser Eingriffe in das blutbildende System schwerkranker Patienten fanden am Uniklinikum Würzburg statt. Die Uniklinik zählt in diesem Bereich bei Therapie und Forschung zur deutschen Spitzengruppe.

    Seit der Einrichtung des Stammzell-Transplantationszentrums ist die Zahl der Transplantationen am Universitätsklinikum Würzburg deutlich gestiegen. (Grafik: UKW)
    Seit der Einrichtung des Stammzell-Transplantationszentrums ist die Zahl der Transplantationen am Universitätsklinikum Würzburg deutlich gestiegen. (Grafik: UKW)

    Ende Dezember 2012 erhielt der weltweit 1.000.000ste Blutkrebspatient eine Stammzelltransplantation. Das teilte kürzlich das Worldwide Network for Blood and Marrow Transplantation in Bern mit. „Das Überschreiten dieser Marke macht deutlich, dass die Stammzelltransplantation längst den Bereich der seltenen oder gar experimentellen Verfahren verlassen hat“, sagte Professor Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), auf einer Pressekonferenz, zu der das Klinikum anlässlich dieses Jubiläums eingeladen hatte. Die Stammzelltransplantationen sei für viele Patienten mit Leukämien, Lymphomen und weiteren gefährlichen Krankheiten eine bewährte und chancenreiche Therapieoption, so Einsele.

    250 Stammzelltransplantationen pro Jahr

    An der Würzburger Uniklinik werden jährlich um die 250 Stammzelltransplantationen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt. Bei einem bundesweiten Vergleich des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands rangierte das UKW damit im Jahr 2011 auf Platz 5 hinter Heidelberg, Berlin, Essen und Hamburg. Insgesamt haben in Würzburg bisher knapp 1.900 Patienten eine Stammzelltransplantation erhalten.

    „Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man in Betracht zieht, dass wir vergleichsweise spät in die Stammzelltherapie und -forschung eingestiegen sind“, sagte Professor Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des Würzburger Universitätsklinikums. Er bezog sich damit auf die Inbetriebnahme des Stammzell-Transplantationszentrums seines Klinikums im Jahr 2005 – zu einem Zeitpunkt, an dem manch anderer Standort bereits einen jahrzehntelangen Vorsprung auf diesem Gebiet hatte. Der hochmoderne Neubau auf dem Würzburger Klinikumsgelände, gepaart mit einer hohen Expertise der dort arbeitenden Spezialisten, sei jedoch ein „Einstieg mit Macht“ gewesen.

    Von 0 auf 100 in fünf Jahren

    Die Initiative zur Gründung des Zentrums kam ab den späten 1990er-Jahren zu großen Teilen vom Direktor der Kinderklinik, Professor Christian P. Speer. „Der Start des Zentrums im Jahr 2005 war speziell für die allogene Stammzelltransplantation in Würzburg eine Initialzündung“, sagte Professor Paul-Gerhardt Schlegel, Leiter der Stammzelltransplantation in der Kinderheilkunde des UKW. Im Gegensatz zur autologen Stammzelltransplantation, bei der blutbildende Zellen des Patienten selbst verwendet werden, stammt bei der allogenen Stammzelltransplantation das Zellmaterial von einem anderen Menschen. Während diese Behandlungsoption vor dem Jahr 2005 in Würzburg quasi nicht zur Verfügung stand, werden aktuell pro Jahr etwa 110 Patienten mit Spenderzellen therapiert. „In der Summe haben wir im vergangenen Jahr die Marke von 650 allogenen Stammzelltransplantationen überschritten“, zeigt sich Schlegel stolz.

    Für die „Erfolgsgeschichte Stammzelltransplantation“ essentiell sei die Bereitschaft zur freiwilligen Stammzellspende. Auch hier wurde kürzlich eine einprägsame Marke passiert: Laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland in Ulm gibt es seit Februar dieses Jahres weltweit mehr als 21 Millionen registrierte potenzielle Stammzellenspender.

    Transplantationen mit Nabelschnurblut

    Speziell für Patienten, für die trotz dieser große Zahl kein passender Spender gefunden werden kann oder bei denen eine „herkömmliche“ Stammzelltherapie bereits gescheitert ist, bietet das Universitätsklinikum Würzburg hochinnovative Sonderformen der Stammzelltransplantation an. So ist das UKW eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in Deutschland, die Nabelschnurblut-Transplantationen durchführen können. „Der große Vorteil der Nabelschnurblut-Transplantation besteht darin, dass ein sehr unreifes Immunsystem übertragen wird, so dass Abstoßungsreaktionen minimiert werden können“, erläuterte Hermann Einsele.

    Bei der akuten myeloischen Leukämie, einer der „klassischen“ Indikationen für eine Transplantation, verbessert die Stammzelltherapie die Heilungschancen auf etwa 60 Prozent. Allerdings dürften die Risiken von Infektionen, Abstoßungsreaktion und Krankheitsrückfällen nach wie vor nicht unterschätzt werden. Deshalb müssten Therapie und Transplantationsverfahren weiter verbessert werden. „Im Zentrum der Forschungsbemühungen steht, die Abwehrleistung des Stammzelltransplantats gegen Tumorzellen und Infektionserreger zu erhöhen“, sagte Einsele. So habe die Uniklinik gerade ein großes EU-Forschungsprojekt eingeworben, in dem es darum geht, Zellen, die Infektionen und Tumore bekämpfen, anzureichern und Zellen, die den Transplantationsverlauf durch Abstoßungsreaktionen beeinträchtigen, möglichst zu eliminieren.

    Spendengelder schieben an und halten am Laufen

    Onkologische Spitzentherapie und -forschung gibt es nicht zum Nulltarif. Unterstützt wird das Würzburger Uniklinikum bei diesen Aufgaben von etlichen wohltätigen Organisationen. Hierzu zählt der von Gabriele Nelkenstock gegründete Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs". Er hat auf der Basis von Spenden- und Sponsorengeldern beispielsweise die Anschubfinanzierung für das Stammzelltherapie-Zentrum erbracht und gezielt neue Behandlungsmethoden, wie die Nabelschnurblut-Transplantation, gefördert. Parallel dazu hat auch die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V. den Aufbau des Stammzell-Transplantationszentrums und des gesamten Bereichs der Kinderstammzelltransplantation in den vergangenen Jahren kontinuierlich unterstützt.

    Um auch in Zukunft schnell und unbürokratisch notwendige Projekte verwirklichen können, hoffen die Organisationen auf weitere Spenden:

    Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V
    Castell Bank Würzburg
    BLZ 790 300 01
    Konto-Nr. 9245.

    Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V.
    Liga-Spar- und Kreditgenossenschaft eG, Würzburg
    BLZ 750 903 00
    Konto-Nr. 300 2012 

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