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    Kongo: Stipendienprogramm weiter ausgebaut

    25.03.2014

    Exzellente Studierende und Schüler im Kongo erkennen, fördern und auf dem Weg zur Professur begleiten: Das ist das Ziel des Exzellenzstipendienprogramms BEBUC, das jetzt neue Stipendien vergeben hat. Aktuell fördert BEBUC fast 140 Nachwuchswissenschaftler an 20 kongolesischen Einrichtungen.

    Die Träger des BEBUC Awards 2014 F. Bangelesa, T. Bishola, Ch. Kafuti. T. Bishola erhielt den Preis wegen ihrer fortgesetzt herausragenden Studienergebnisse in diesem Jahr schon zum zweiten Mal. (Foto: Gerhard Bringmann)
    Die Träger des BEBUC Awards 2014 (von links): F. Bangelesa, T. Bishola, Ch. Kafuti. T. Bishola erhielt den Preis wegen ihrer fortgesetzt herausragenden Studienergebnisse in diesem Jahr schon zum zweiten Mal. (Foto: Gerhard Bringmann)

    Ins Leben gerufen wurde das Exzellenzstipendienprogramm BEBUC im Jahr 2008 von Gerhard Bringmann, Inhaber des Lehrstuhls Organische Chemie I der Universität Würzburg, und dem Chemieprofessor und Würzburger Alumnus Virima Mudogo, damals Vizepräsident der Universität Kinshasa. In einer ersten Pilotphase wurden je zwei Stipendiaten aus Chemie und Pharmazie gefördert, und zwar nur an der Uni Kinshasa und ausschließlich im Rahmen ihrer Bachelor-Studien.

    Seitdem hat sich das Programm beträchtlich erweitert: Seit der jüngsten Begutachtungsrunde vom März fördert es nun insgesamt knapp 140 Stipendiaten aus prinzipiell allen Fächern an 20 Bildungseinrichtungen. Die 13 Universitäten, fünf Gymnasien und zwei Grundschulen sind allesamt institutionelle Mitglieder des Fördervereins Uni Kinshasa e.V. und zugleich vertraglich gebundene Partner der Uni Würzburg. Auch der Förderverein ist durch einen Vertrag mit der Universität verbunden.

    Die kongolesischen Partner von BEBUC

    Nach der letzten Begutachtungs- und Kooperationsreise im Osten der Demokratischen Republik Kongo im vergangenen September ging es nun an folgende Einrichtungen: Université de Kinshasa und Université Protestante au Congo in der Hauptstadt Kinshasa, Université Kongo in Mbanza-Ngungu und Université de Kikwit, alle im Westen des Landes, sowie Université Officielle de Mbuji-Mayi im Landesinneren und Université de Lubumbashi im Süden.

    Dabei wurden die meisten Stipendien verlängert, 22 neue Stipendiaten kamen hinzu, darunter zehn weibliche. Evaluiert wurden erneut auch Schüler an Gymnasien – in Kinshasa an der Groupe Scolaire du Mont Amba und in Lubumbashi am Lycée Tuendelee. Neu ins Stipendienprogramm aufgenommen wurde das Institut Mpokolo (dieses Wort aus der Tshiluba-Sprache heißt auf Deutsch „Wasserquelle“) in Mbuji-Mayi. Als Grundschule wieder mit dabei war die vom Würzburger Förderverein Mbonda Lokito Kongo / Kinshasa Kinderhilfe e.V. aufgebaute Schule Vabatu Ngoma in Kinshasa.

    Erstmals ein weiteres afrikanisches Land dabei

    Das Stipendienprogramm BEBUC ging diesmal noch einen großen Schritt weiter: Zum ersten Mal wurden Kandidaten geprüft, die nicht in der Demokratischen Republik Kongo leben und studieren, sondern in einem anderen afrikanischen Land, nämlich an der École Supérieure de Technologie des Cataractes in Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, die nun ebenfalls ein institutioneller Partner der Universität Würzburg ist.

    „Es war von Anfang an die Absicht, dass BEBUC ein Modell auch für andere afrikanische Länder wird“, so Bringmann, „und in der Tat haben inzwischen bereits mehrere afrikanische Universitäten ihr Interesse bekundet, das Programm einzuführen.“ Umgesetzt wurde das nun erstmals für Brazzaville, das direkt gegenüber von Kinshasa auf der anderen Seite des Flusses Kongo liegt: Drei Kandidaten von dort nahmen am Begutachtungsverfahren teil.

    Besuch im Ministerium und in der deutschen Botschaft

    Schon bei seinen früheren Reisen besuchte das Gutachtergremium immer wichtige Partner in Politik und Wirtschaft. Bei den Gesprächen im Ministerium für Forschung und Erziehung ging es diesmal um die Aufnahme von Kisangani im Norden des Landes in das Stipendienprogramm BEBUC und um die Zusammenarbeit bei der Evaluierung von Kandidaten in anderen Förderprogrammen.

    Eine Kooperation im Bereich der Nachwuchsförderung wurde auch diskutiert mit Prof. Dr. Yamina Benguigui, französische Ministerin für Frankophonie, die gerade zu einem Frauen-Forum nach Kinshasa kam.

    Besonders erfolgreich war wieder der Besuch in der deutschen Botschaft. Der Botschafter, Dr. Wolfgang Manig, unterstützt das Stipendienprogramm seit langem vor Ort. Außerdem macht er vielerorts im Kongo, aber auch in Deutschland, Werbung für BEBUC. In Mbuji-Mayi wurde das BEBUC-Komitee vom Gouverneur (vergleichbar einem Ministerpräsidenten) der Provinz Kasai-Oriental empfangen. Er versprach Hilfe bei der Einrichtung des neuen BEBUC-Seminarraums an der Université Officielle de Mbuji-Mayi (UOM). Ein Höhepunkt der Stipendienzeremonie in Mbuji-Mayi war die Vorstellung des neuen Buchs "Histoire germano-congolaise" durch Prof. Clément Mutombo, in Gegenwart des Ministers für Infrastruktur, Honoré Mutombo. Anschließend erfolgte die Unterzeichnung des Kooperationsabkommens der Uni Würzburg mit dem Gymnasium Mpokolo.

    Fakten zum Gutachtergremium

    Den „harten Kern“ des Begutachtungsgremiums bildeten wie immer Professor Dr. Gerhard Bringmann und Dr. Karine Ndjoko von der Uni Würzburg sowie Professor Dr. Virima Mudogo und Dr. Hypolite Mavoko von der Uni Kinshasa. Unterstützt wurden sie durch die lokalen Begutachtungskomitees in Kinshasa, Mbuji-Mayi und Lubumbashi, aber auch durch fortgeschrittene Stipendiaten. „Diese wachsen dadurch frühzeitig in die aktive Begutachtung hinein und lernen zugleich Transparenz und Fairness des Verfahrens kennen und schätzen“, erklärt Bringmann.

    Zu den Aufgaben des Gremiums gehört die Prüfung der „Verlängerer“ und der neuen Bewerber, die von den lokalen Komitees vorausgewählt wurden. Hinzu kommt die regelmäßige Beratung während des Studiums, im Kongo und im Ausland, vor allem bei der schwierigen Rückkehr in den Kongo, bis hin zum Erlangen einer Professur. Damit will BEBUC den Weg ebnen für eine neue Generation exzellenter junger Professoren für den Kongo.

    Gründung von Exzellenzzentren geplant

    Einen wichtigen Teil der Reise bildeten Gespräche über wissenschaftliche Kooperationen zu zentralen, Kongo-relevanten Forschungsthemen, beispielsweise zur Infektionsforschung. Diese ist wegen der großen Belastung der Bevölkerung durch Tropenkrankheiten wie Malaria und afrikanische Schlafkrankheit von besonderer Bedeutung.

    Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Zusammenarbeit mit dem Würzburger Sonderforschungsbereich SFB 630 „Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten“ und der geplante Aufbau von Exzellenzzentren auf diesem Gebiet, mit Stipendiaten aus Medizin, Biologie, Pharmazie und Chemie sowie aus den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

    Zukunftspläne des BEBUC-Programms

    Schon jetzt wird das Stipendienprogramm in vier großen Zentren im Westen, Süden, Osten und im Inneren des Landes organisiert. Die Verantwortlichen planen, es bis zum Jahr 2018 auf den gesamten Kongo auszudehnen, dann mit der Stadt Kisangani als zusätzlichem Zentrum.

    „Das Exzellenzstipendienprogramm BEBUC entwickelt sich außerordentlich dynamisch. Es ist eine große Freude, mit diesen herausragenden jungen Leuten zusammenzuarbeiten, ihre wissenschaftliche und persönliche Entwicklung zu sehen und mit ihnen gemeinsam Zukunftsvisionen zu entwickeln“, schwärmt Bringmann. Das Schönste daran sei, dass die Stipendiaten das Konzept immer mehr verinnerlichen und es eigenverantwortlich mitgestalten: „Dadurch wird es zunehmend 'afrikanisch'.“

    Kontakt

    Prof. Dr. Gerhard Bringmann, Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg,
    T (0931) 31-85323, bringman@chemie.uni-wuerzburg.de

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