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    Kleine Messe für große Projekte

    21.07.2015

    Ein Rollenspiel, das digitale und analoge Welt miteinander verknüpft; eine App, die Menschen mit Behinderungen das Leben erleichtert; Geräte, die Menschen Dominanzgefühle verleihen: Das und mehr gab es bei einer Messe von Studierenden der Uni Würzburg zu sehen.

    Monster in Echtzeit tötet: Das macht das Spiel möglich, das Dimitri Reisler (r.) entwickelt hat.
    Monster in Echtzeit tötet: Das macht das Spiel möglich, das Dimitri Reisler (r.) entwickelt hat.

    Ein Tisch, vier Spieler, Spielfiguren und Karten. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Doch das XRoads-Projekt revolutioniert das klassische Rollenspiel. Der Tisch, der mit Infrarotkameras ausgestattet ist, dient als interaktiver Spielplan. Er erschafft die Umgebung für ein von „Zeit der Helden“ inspiriertes Spiel – ein Spiel, in dem jeder Akteur in die Rolle eines Helden schlüpft und mit seinen Freunden einen Bösewicht bekämpft. Die Spieler steuern ihre Charaktere, indem sie speziell markierte Figuren auf dem Tisch bewegen. So können sie Attacken ausführen, die Position wechseln, Gegner töten. Während die Spieler beim herkömmlichen Rollenspiel nur über das Geschehen reden, bestimmen sie die Handlung bei XRoads mit vollem Körpereinsatz. Lichteffekte, Projektionen und Geräusche peppen das Ganze zusätzlich auf.

    Großes Interesse trotz hoher Kosten

    Dimitri Reisler studiert Mensch-Computer-Systeme an der Universität Würzburg. In seiner Bachelor-Arbeit hat er sich damit beschäftigt, das Spiel zu verbessern. Auf einer Messe im zentralen Hörsaalgebäude hat er sein Ergebnis der Öffentlichkeit präsentiert. Sein Ansatz: Die Spieler kommen nicht mehr nacheinander zum Zug, sondern können alle gleichzeitig angreifen, sich verteidigen, Monster töten.

    Auf der Role Play Convention in München, einer Veranstaltung rund um das Thema Rollenspiel, hat Dimitri Reisler seine Entwicklung vorgestellt. „Viele Besucher waren so begeistert, dass sie den Tisch sofort gekauft hätten“, sagt Dimitri. Was sie davon abschreckt, ist der hohe Preis. Nach seinen Worten kostet der Tisch derzeit noch 10.000 Euro. Doch er ist zuversichtlich, dass sich das bald ändert: „Handys waren früher auch sehr teuer und sind mit der Zeit billiger geworden.“

    Eine App für Menschen mit Behinderungen

    In eine ganz andere Richtung geht das Projekt Mobile. Die Studenten Michael Überschär und David Cyborra haben im Rahmen ihrer Masterarbeit eine App entwickelt, die Menschen mit einer Behinderung ihren Alltag erleichtern soll. Unterstützung erhalten sie dabei von Zacharias Wittman, der als Rollstuhlfahrer das notwendige „Expertenwissen“ mitbringt.

    Ein Beispiel: Ein Rollstuhlfahrer möchte mit der Bahn von Würzburg nach Berlin fahren. Laut seinem Schwerbehindertenausweis darf eine Begleitperson kostenlos mitreisen. Einen geeigneten Begleiter vermittelt ihm die App. Die gesparten Kosten für das Ticket teilen sich die beiden; alternativ können sie auch ein soziales Projekt unterstützen, das ihnen die App vorschlägt. Außerdem bietet die App Informationen zu behindertengerechten Taxiunternehmen, Hotels, Reisen, Sportangeboten, kulturellen Veranstaltungen und Vielem mehr.

    Crowdfunding soll das notwendige Geld bringen

    Noch ist die App nicht erhältlich, „wir sind aber zuversichtlich, dass sie im März nächsten Jahres erscheinen wird“, sagt Michael Überschär. Dann soll sie auf jeder Art von Computer laufen, egal ob Smartphone, Tablet oder Laptop, IOS, Android oder Linux. Es versteht sich vermutlich von selbst, dass die App barrierefrei ist.

    Zwei Jahre lang haben die Studenten an der App gearbeitet. Jetzt befindet sich ihr Projekt in der Testphase. Um über die Masterarbeit hinaus daran arbeiten zu können, versucht das Team mit Hilfe von Crowdfunding Geld für die weitere Entwicklung einzutreiben. Ihre Hoffnung ist, dass es sich schon bald über Provisionen und anderen Einnahmen selbst tragen kann.

    Power Posing am Touchscreen

    Mit menschlichen Gesten, Dominanzverhalten und Macht hat sich Elisabeth Tsechanski in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt. Was das mit der Interaktion von Mensch und Computer zu tun hat? Eine kurze Erklärung macht den Zusammenhang klar. „Power Posing“ heißt der Ausgangspunkt. Davon sprechen Wissenschaftler, wenn Menschen sich groß machen, mit raumgreifenden Bewegungen auftreten, ihre Umgebung dominieren. „Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass Menschen, die solche Posen einnehmen mehr Macht verspüren. In ihrem Blut steigt die Testosteronkonzentration, der Cortisolspiegel hingegen sinkt“, erklärt Elisabeth. Das Gegenteil davon ist das „No Power Posing“, das Sich-Kleinmachen.

    Empfinden Menschen auch dann dieses Machtgefühl, wenn sie Gesten und Posen „nur“ am Computer ausführen, ohne ein menschliches Gegenüber? Das hat die Studentin mit einer Reihe von Experimenten untersucht. Rund 80 Versuchspersonen mussten für sie raumgreifende Bewegungen an einem tischgroßen Touchscreen ausführen; der Kontrollgruppe stand dafür nur ein handtellergroßes, handelsübliches Smartphone zur Verfügung. Anschließend durften alle Teilnehmer das sogenannte „Diktatorspiel“ spielen. Dabei bekommt einer von zwei Akteuren – der Diktator – eine bestimmte Summe Geld zur Verfügung gestellt und kann dann frei darüber entscheiden, ob und wieviel er davon mit seinem Mitspieler teilt.

    Damit das Gefühl zum Produkt passt

    Noch sind die Ergebnisse nicht ausgewertet. Elisabeth Tsechanski hat allerdings eine Hypothese formuliert: Wer am großen Touchscreen große Bewegungen ausführen musste, dessen Dominanzgefühl steigt. Er sollte deshalb im Diktatorspiel eine höhere Risikofreude an den Tag legen und sich seinem Mitspieler gegenüber spendabler zeigen, glaubt sie.

    Und was hat das jetzt mit Mensch-Computer-Systemen zu tun? Letzten Endes geht es in diesem Experiment um Fragen des Produkt-Designs: Wie wird sich ein Mensch fühlen, der ein Gerät einer bestimmten Größe bedient? Groß? Klein? Dominant oder dominiert? Und: Passt dieses Gefühl zu dem Produkt? Fragen, die ein Hersteller berücksichtigt haben sollte, bevor er ein neues Gerät auf den Markt bringt.

    Hanna Zumbrägel / Gunnar Bartsch

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