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    Jura: Zur Doktorprüfung nach Paris

    25.11.2014

    Französische und deutsche Wissenschaftler betreuen gemeinsam eine Promotion: Diese Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wurde an der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg möglich gemacht. Jetzt feiert die Fakultät den ersten erfolgreichen Abschluss.

    Die Prüfungskommission und die neue Doktorin: In der Mitte Carine Signat, von links nach rechts die Professoren Wicker (Bordeaux), Witz (Saarbrücken), Remien (Würzburg), Fauvarque-Cosson (Paris 2), Bien (Würzburg) und Borghetti (Paris 2) (Foto: Signat
    Die Prüfungskommission und die neue Doktorin: In der Mitte Carine Signat, von links nach rechts die Professoren Wicker (Bordeaux), Witz (Saarbrücken), Remien (Würzburg), Fauvarque-Cosson (Paris 2), Bien (Würzburg) und Borghetti (Paris 2) (Foto: Signat)

    Professor Oliver Remien hat an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Europäisches Wirtschaftsrecht, Internationales Privat- und Prozessrecht sowie Rechtsvergleichung inne. Die Betreuung von Doktoranden gehört zu seinem Alltag. Nicht alltäglich ist hingegen die Tatsache, dass eine Doktorandin von ihm jetzt ihre binationale Promotion abgeschlossen hat – in Würzburg und in Paris. Hier Remiens Bericht über die Premiere:

    „Ein Element der Internationalisierung der Universitäten sind binationale Promotionsverfahren in gemeinsamer Betreuung. Mit der innovativen und voluminösen Arbeit von Carine Signat über ‚Richterliches Ermessen im Leistungsstörungsrecht. Ein deutsch-französischer Rechtsvergleich‘ ist nun bei der Juristischen Fakultät die erste ‚cotutelle‘-Dissertation Paris-Würzburg erfolgreich abgeschlossen worden. Dafür war vor Jahren eigens eine ‚cotutelle-Vereinbarung‘ zwischen den Universitäten Paris 2 und Würzburg ausgehandelt und abgeschlossen worden, die französisches und deutsches Promotionsverfahren kombiniert.

    In Frankreich geboren, in Deutschland aufgewachsen

    Carine Signat stammt aus Frankreich, hat aber einen Großteil ihrer Jugend in Deutschland verbracht. Jetzt hat sie den gemeinsamen Doktorgrad der Universitäten Paris 2 und Würzburg erhalten. Sie hat zuvor eine binationale deutsch-französische Juristenausbildung absolviert und in Paris das Anwaltszertifikat erworben. Bei ihrem Würzburger Betreuer war sie zeitweise als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und hat ‚Europäisches Privatrecht in französischer Perspektive‘ gelehrt, sie hat auch weitere Lehrerfahrung in Deutschland wie in Frankreich gesammelt.

    Die Arbeit zeigt bemerkenswerte Strukturunterschiede der an sich recht verwandten französischen und deutschen Rechtsordnungen bei der Rolle von Richtern, Vertragsparteien und Gesetz im Feld der Störungen vertraglicher Leistungen und deren rechtlicher Folgen; diese waren bisher viel zu wenig vergleichend beleuchtet worden, müssen bei einer Europäisierung der Rechtsnormen aber dringend bedacht werden.

    In der Nähe des Pantheons im Pariser 5. Arrondissement verteidigte Carine Signat à la franҫaise ihre Doktorarbeit und absolvierte gleichzeitig ihre Würzburger Disputation. Die Prüfungskommission („jury“) bestand aus drei französischen Professoren (Bénédicte Fauvarque-Cosson als französischer Betreuerin und den Kollegen Borghetti von Paris 2 und Wicker aus Bordeaux) und drei deutschen Professoren (Oliver Remien als deutschem Betreuer und den Kollegen Bien aus Würzburg und Witz aus Saarbrücken).

    Alle hatten bei der Prüfung nach französischem Brauch Robe angelegt – die von Paris oder, so Professor Remien, die eigens aus Würzburg mitgebrachte der Juristischen Fakultät der Alma Julia. Am Ende der sich über mehrere Stunden erstreckenden ‚soutenance‘ und der Disputation war die jury sich schnell einig: ‚mention très honorable et les félicitations du jury‘ = summa cum laude!“

    Kontakt

    Prof. Dr. Oliver Remien, T: +49 931 31-82500, remien@jura.uni-wuerzburg.de

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