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    Im Gespräch über Identität

    17.07.2012

    Über 170 Teilnehmer machten den 2. GSiK-Tag zu einem vollen Erfolg. Neben Studierenden waren auch gut 20 Gäste aus Unternehmen, von anderen Universitäten und aus dem Bereich der interkulturellen Trainings gekommen. Sie alle konnten Workshops über „Identität und Kommunikation“ besuchen.

    Studierende unterhalten sich in einer Pause des GSiK-Tags. Foto: Kerstin Schmiedel
    In den Pausen des GSiK-Tags entspannen sich intensive Diskussionen. Foto: Kerstin Schmiedel

    Das Kürzel GSiK bedeutet „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“. Dahinter steht ein fächerübergreifendes Lehrprojekt der Universität Würzburg, das aus Studienbeiträgen finanziert wird. Beim GSiK-Tag am Samstag, 30. Juni, stellte sich das Projekt der Öffentlichkeit im Zentralen Hörsaal- und Seminargebäude Z6 am Hubland vor.

    Zur Begrüßung sprachen Universitätsvizepräsident Eckhard Pache und der städtische Kulturreferent Muchtar Al Ghusain. Letzterer unterstrich die Bedeutung interkultureller Kompetenz in der Kommunalverwaltung, die – wie er nebenbei bemerkte – sehr viel spannender sei als ihr Ruf.

    Kommunikation macht Identität

    Zum Beginn des GSiK-Tags bekamen die Besucher eine Einführung ins Tagesthema „Identität und Kommunikation“. Menschen entwickeln Identität im Austausch und in der Kommunikation mit ihrer sozialen Umgebung, die immer kulturell geprägt ist. Entsprechend ist auch ihre Identität kulturell geprägt. Begeben sich Menschen in unvertraute interkulturelle Situationen, wirft das die Frage nach ihrer Identität auf. Das verunsichert, kann aber auch entscheidend zur weiteren Entwicklung der Identität beitragen.

    Zehn interkulturelle Workshops

    Ob man eine Geschäftsverhandlung mit ausländischen Partnern führt, sich als Migrant mit den Vorurteilen der deutschen Gesellschaft auseinandersetzt oder beim Versuch der indirekten Kommunikation in Indien ins Fettnäpfchen tritt: In all diesen Situationen geht es um andere Kommunikationssituationen und andere Einflüsse auf unser Selbstbild. Zu solchen Themen konnten die Teilnehmer beim GSiK-Tag Workshops besuchen. Dazwischen gab es im Foyer des Z6 reichlich Gelegenheit für Diskussionen – und das nach Meinung der Teilnehmer in einer „tollen Atmosphäre“.

    Sehr positives Feedback

    Wie der 2. GSiK-Tag den Teilnehmern gefallen hat? Die Auswertung von 90 Feedback-Bögen brachte es an den Tag. Auf einer Skala von eins bis fünf (sehr gut bis schlecht) wurde der GSiK-Tag mit einer 1,63 bewertet – oder mit den Worten eines Teilnehmers: „Sehr gelungener Tag – trotz schönem Wetter keine Sekunde bereut!“ Verbesserungsbedarf wurde am ehesten noch beim Registrierungsvorgang (1,79) und der Verpflegung (1,88) festgestellt. Letztere war möglich dank der großzügigen Unterstützung durch die Juristen-Alumni.

    Workshops kamen sehr gut an

    Das Angebot an Workshops – das Herz des GSiK-Tags – kam sehr gut an: Es wurde mit insgesamt 1,70 bewertet. Die Teilnehmer lobten besonders die Darstellung durch die Dozenten (1,62) und die Arbeitsatmosphäre (1,68). Der Ablauf dagegen (1,82) hätte in Einzelfällen noch besser sein können; in einigen Workshops wäre mehr Zeit nötig gewesen. Am besten bewertet wurde der Workshop „Recht vs. Identität: Asyl und Flucht in Deutschland.“ Darin stellten vier Dozenten aus rechtlicher und praktischer Perspektive die Flüchtlingssituation sowie deren Einfluss auf die Identität dar. Sie erhielten bei insgesamt 25 Feedbacks fast eine glatte Eins (1,04). Garniert wurde das mit dem Wunsch, das Thema noch einmal als Seminar angeboten zu bekommen.

    Nationen und Identität: Vortrag von Klaus P. Hansen

    „Geistreich, informativ und gleichzeitig unterhaltsam – wie selten!“ So kommentierte ein Teilnehmer den Vortrag, mit dem der Kulturtheoretiker Klaus P. Hansen den GSiK-Tag beendete. Und das ganz ohne Powerpoint-Präsentation, was allerdings nicht allen Studierenden gefiel.

    Umso aktueller war Hansens Thema: „Nationen und Identität“. Interkulturelle Lehre und Forschung versuchen, mit nationalen Stereotypen aufzuräumen und dafür zu sensibilisieren, dass die nationale Zugehörigkeit für die meisten Personen nur ein kleines Teilchen im Puzzle ihrer Identität ist – Beruf oder soziale Herkunft sind meist wichtiger. Auf der anderen Seite aber zeigen internationale Sportereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft, dass die Nationalität Menschen doch stark bewegen kann.

    Was ist also dran am Mythos „Nation“? Entlang seines Buches „Kultur, Kollektiv, Nation“ (2009) prüfte Hansen häufig angeführte Merkmale für Nationen, zum Beispiel Sprache oder Ethnie, und verwarf fast alle. Als „gewichtig“ jedoch stufte er das Solidaritätsgefühl („sense of solidarity“) ein, das zum Beispiel bei Sportereignissen aufflackert.

    Sind nationale Gemeinschaften womöglich nur „imagined communities“ (Benedict Anderson)? Geht es also bei kollektiven Identitäten um „geglaubte Gemeinsamkeiten“, wie es der Soziologe Max Weber beschreibt? Diese Fragen harren einer breiten wissenschaftlichen Diskussion. Wenn diese so lebhaft geführt wird wie zum Abschluss des GSiK-Tags, darf man sich darauf freuen.

    Weitere Fotos und Feedbacks gibt es auf der GSiK-Homepage: www.gsik.de

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