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    Gesichter zwischen den Zeiten

    28.01.2014

    Im Jahr 1947 hat Eberhard Zwicker aus Halle die Apostelfiguren im Dom seiner Heimatstadt fotografiert. Mehr als 60 Jahre lang waren die außergewöhnlichen Bilder nicht zu sehen. Nach einer ersten Ausstellung im Stadtmuseum Halle kommen sie jetzt ins Martin-von-Wagner-Museum der Uni Würzburg.

    In bestes Licht gesetzt: Die Apostel Matthias (links) und Simon. (Foto: Eberhard Zwicker, KunstSchätzeVerlag)
    In bestes Licht gesetzt: Die Apostel Matthias (links) und Simon. (Foto: Eberhard Zwicker, KunstSchätzeVerlag)

    Um 1520 schuf der Mainzer Bildhauer Peter Schro eine Reihe von Apostelfiguren. Sie waren für die Langhauspfeiler des Doms in Halle bestimmt und Teil eines Ausstattungsprogramms, mit dem Kardinal Albrecht von Brandenburg die Umwandlung der ehemals schmucklosen Klosterkirche zu „seiner“ Bischofskirche vorantrieb. Dafür beauftragte er Künstler von höchstem Rang, darunter Matthias Grünewald und Lucas Cranach.

    Kardinal Albrecht gehörte in den Jahren nach dem Thesenanschlag von 1517 zu den markantesten Gegenspielern von Martin Luther. Mit seiner Persönlichkeit verkörperte er den Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. Dieselbe Janusköpfigkeit vermitteln die von ihm in Auftrag gegebenen Bildwerke im Dom von Halle. Sie vereinen Merkmale von Gotik und Renaissance und erscheinen ebenso lebendig-virtuos wie introvertiert-vergeistigt.

    Für Besucher des Doms sind die Steinfiguren von Schro allerdings nicht direkt zu erleben, denn sie stehen auf Konsolen in vier Metern Höhe. Dass sich ihre Ausdruckskraft trotzdem aus der Nähe bewundern lässt, ist dem Hallenser Fotografen Eberhard Zwicker (1915-1999) zu verdanken: Er näherte sich den Skulpturen in den eiskalten Winternächten des Jahres 1947 auf einem eigens dafür aufgestellten Gerüst. Mit einer 13/18-Holzplattenkamera und einer einzigen Leuchte erweckte er die Gesichter der Apostel zum Leben.

    Leihgabe von Dorothea Zwicker-Berberich

    Die Tochter des Fotografen, Dorothea Zwicker-Berberich, lebt in Gerchsheim bei Würzburg. Vor kurzem hat sie die Fotos ihres Vaters erstmals öffentlich zugänglich gemacht: Sie überließ sie dem Stadtmuseum Halle für eine Ausstellung. Nun stellt sie 35 großformatige Bilder dem Martin-von-Wagner-Museum der Uni Würzburg zur Verfügung – als Leihgabe für die Sonderausstellung „Gesichter zwischen den Zeiten“.

    Lesung im Toscanasaal zur Eröffnung

    Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 2. Februar, um 11 Uhr im Toscanasaal der Residenz. Nach einer Begrüßung durch Professor Dr. Damian Dombrowski, den Leiter der Neueren Abteilung des Martin-von-Wagner-Museums, wird Dr. Tilman Kossatz sowohl in die Kunst des Bildhauers Schro als auch des Lichtbildners Eberhard Zwicker einführen. Danach liest Dorothea Zwicker-Berberich aus Texten ihrer Mutter, die 1947 in Halle als Fotoassistentin dabei war: „Erinnerungen an die Nächte im Dom“.

    Während der Ausstellung, die bis 27. April dauert, können Interessierte einen großformatigen Bildband über die Pfeilerfiguren im Hallenser Dom vorbestellen. Er enthält die etwa 150 Aufnahmen aus den Winternächten 1947 und ist derzeit in Arbeit. In der Ausstellung wird auch die Originalkamera gezeigt, mit der Eberhard Zwicker die Aufnahmen 1947 angefertigt hat.

    „Gesichter zwischen den Zeiten: Der Apostelzyklus im Dom zu Halle (Saale) in Lichtbildern von Eberhard Zwicker“, 2. Februar – 27. April, Gemäldegalerie, Martin-von-Wagner-Museum, Universität Würzburg, Residenzplatz 2a. Eintritt frei. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10-13 Uhr, außerdem an den Sonntagen 16.2., 2.3., 16.3., 30.3., 13.4. und 27.4., jeweils 10-13 Uhr.

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