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    einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

    Fake-News und ein Stracciatella-Hund

    24.10.2017 | TAGUNGEN

    Rund 350 Fachleute aus der Pädagogik diskutierten in Würzburg über den Einsatz digitaler Medien in Schule und Kita.

    Beim Stichwort „Klassenzimmer“ fällt den meisten Menschen wahrscheinlich als Erstes eine Tafel ein – nichts scheint selbstverständlicher zu sein. „Dabei waren Tafeln bei ihrer Einführung höchst umstritten“, so der Grazer Bildungsinformatiker Martin Ebner bei der 7. Herbsttagung der Professional School of Education (PSE) der Uni Würzburg. Heute wird ähnlich kontrovers über den Einsatz neuer Medien in Schulen diskutiert. Wobei nach Ebners Überzeugung an Tablet & Co. kein Weg vorbeigeht.

    Wie können Bildungseinrichtungen auf den digitalen Wandel reagieren? Mit dieser Frage setzten sich auf der Tagung am 5. Oktober 2017 rund 350 Erzieherinnen, Lehrkräfte, Studierende und Referendare in zwei Vorträgen und 19 Workshops auseinander.

    Organisiert wurde die Fachtagung „Digitale Bildung in Kita und Schule“ von der PSE in Kooperation mit der Schulentwicklung Unterfranken. Für die Schulentwicklung sei das Thema von großer Relevanz, betonte Gustav Eirich, Leiter der Schulabteilung der Regierung von Unterfranken. Noch aber würden Lehrkräfte die neuen Herausforderungen der digitalen Bildung falsch einschätzen.

    Schulen stehen in der Pflicht

    Martin Ebner, einer der beiden Hauptreferenten, gab ihm Recht. „Digitalisierung ist kein Projekt“, unterstrich er. Schulen stünden vielmehr in der Pflicht, junge Menschen zu digital mündigen Bürgern zu erziehen. Was eine vielfache Herausforderung bedeute, die bei der Lehrerbildung beginne. Medienpädagogik, Mediendidaktik und Bildungsinformatik müssen dem Wissenschaftler von der TU Graz zufolge integrale Bestandteile einer modernen Lehrerbildung werden.

    Neue Medien ermöglichen laut Ebner eine große didaktische Vielfalt. Wobei es auch Klippen zu umschiffen gelte. So setze das Urheberrecht der Nutzung digitaler Inhalte Grenzen: Arbeitsblätter, auf die ein Lehrer im Internet stößt, dürften nicht einfach verbreitet werden. Allerdings sei es möglich, auf „Open Educational Resources“ zurückzugreifen, das sind freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz.

    YouTube erklärt den Dreisatz

    Kinder und Jugendliche bewegen sich heute ganz selbstverständlich in der digitalen Welt, betonte der Mainzer Medienpädagoge Stefan Aufenanger: „Wer den Dreisatz nicht verstanden hat, lässt ihn sich auf YouTube erklären.“ Was via YouTube gelehrt wird, sei zwar zum Teil fachlich falsch und didaktisch mitunter nicht sinnvoll umgesetzt. Dennoch erwachse der Schule dadurch Konkurrenz.

    Digitale Medien, so Aufenanger, könnten den Unterricht für Schüler spannender gestalten. Möglichkeiten, neue Technologien pädagogisch sinnvoll einzusetzen, gibt es nach seiner Überzeugung reichlich: „Kinder können zum Beispiel eine Geschichte mit Hilfe des Tablets als Hörspiel umsetzen.“

    Die Entscheidung, welche digitalen Bildungstechnologien konkret in das eigene Klassenzimmer einziehen sollen, sei zweifellos nicht leicht. Lehrerinnen und Lehrer müssten hier in die neue Rolle eines „Kurators“ schlüpfen. Wie ein Kunstkurator die Werke für eine Ausstellung zusammenstellt, so dass am Ende ein sinnvolles Ganzes herauskommt, so müssten Lehrkräfte Medien sinnvoll auswählen.

    Der Masterplan „Bayern Digital II“

    Im Freistaat wird das Lehren und Lernen mit digitalen Medien durch den Masterplan „Bayern Digital II“ vorangetrieben. Das zeigte Vera Haldenwang vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung auf.

    Neue Medien könnten ihr Potenzial jedoch nur dann komplett entfalten, wenn die Digitalisierung von der ganzen Schulfamilie mitgetragen wird. Die Schulen seien deshalb aufgefordert, bis spätestens 2019 ein Medienkonzept zu entwickeln. Geplant sei weiter, Informatik als Pflichtfach einzuführen. Außerdem sollen 32 „Profilschulen Informatik“ an Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen sowie an Gymnasien und an FOS/BOS eingerichtet werden.

    Kritisch diskutiert wurde im Workshop über die Gefahr, dass die ehrgeizigen Pläne der Staatsregierung mit den finanziellen Möglichkeiten der Kommunen als Schul- und Bildungsträger kollidieren. Schließlich sind mit der digitalen Bildung erhebliche Kosten verbunden. Dabei geht es um einmalige Anschaffungskosten für Lern-Apps, Lernspiele, Endgeräte und die Netzinfrastruktur, aber auch um langfristige Aufwendungen für Betrieb, Wartung, Erneuerung, Updates und Support und vor allem die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte.

    Nachrichten im Netz verfolgen

    Wie kann man Schüler befähigen, kritisch mit Medien umzugehen? Hierfür präsentierte Christian Seyferth-Zapf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Würzburger Lehrstuhl für Schulpädagogik, ein praktisches Beispiel.

    Unter seiner Leitung beschäftigten sich Gymnasiasten der zehnten Jahrgangsstufe 15 Schulstunden lang mit dem Gefährdungspotenzial historischer und aktueller Propaganda. Die Lerneinheiten waren in den Sozialkunde- und Englischunterricht eingebunden.

    Bei Seyferth-Zapf lernten die Jugendlichen, Nachrichten im Netz so weit zu verfolgen, bis sie auf eine vertrauenswürdige Webseite stießen. Sie entdeckten, dass Fake-News oft zum Teil aus Wahrheit bestehen, und erfuhren, dass es „Faktenchecker“ gibt. Außerdem drehten sie Videos, die sich kritisch mit den analysierten propagandistischen Inhalten beschäftigten.

    Unterricht mit „Actionbound“

    Wie Smartphones an weiterführenden Schulen kreativ eingesetzt werden können, dazu gab es bei der Tagung Tipps von Lambert Zumbrägel, Medienfachberater des Bezirksjugendrings Unterfranken. In seinem Workshop lernten die Teilnehmer unter anderem das medienpädagogische Tool „Actionbound“ kennen. Wichtig sei, so Zumbrägel, nach der Anwendung von neuen Medien mit den Schülern darüber zu sprechen, was sie erlebt haben: „Denn Bildung ist nichts ohne Reflexion.“

    Tablets in der Reformpädagogik

    Dass neue Medien auch in reformpädagogischen Kitas sinnvoll sind, zeigten die Schweinfurter Montessori-Pädagogen Daniela Anton und Alban Schraut. Tablets in Kitas machen den beiden Workshopleitern zufolge immer dann Sinn, wenn dadurch die Kommunikation angeregt wird.

    In der Schweinfurter Montessori-Kita werde zum Beispiel die Möglichkeit des digitalen Fotografierens genutzt. Anton: „Wir machen ein Foto und sprechen darüber.“ Was ist darauf zu sehen? Auf diese Weise werde die Fantasie der Kleinen stimuliert. So nannte eines der Kinder einen Dalmatiner-Rüden „Stracciatella-Hund“.

    Homepage der Professional School of Education

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