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    Experte für die Augen

    10.02.2015

    Der Anatom Heinrich Müller, der im Ehrengrab der Universität Würzburg beigesetzt ist, gehörte im 19. Jahrhundert zu den führenden Augen-Experten. Nach dem gebürtigen Unterfranken sind die Müllerzellen in der Netzhaut benannt.

    Heinrich Müller war im 19. Jahrhundert Professor für Anatomie an der Universität Würzburg.
    Heinrich Müller war im 19. Jahrhundert Professor für Anatomie an der Universität Würzburg.

    Heinrich Müller kam am 17. Dezember 1820 in Castell in Unterfranken zur Welt. Er studierte Medizin an den Universitäten München, Freiburg, Heidelberg, Würzburg und Wien. 1847 habilitierte er sich dann an der Universität Würzburg für das Fach Anatomie.

    Müllers Arbeitsschwerpunkt war zunächst die pathologische Anatomie. Als 1849 Rudolf Virchow für dieses Gebiet an die Universität Würzburg kam, verlagerte er seine Tätigkeit auf die topografische und die vergleichende Anatomie. Bei den Studierenden war der Professor offenbar sehr beliebt – zumindest beschreiben Zeitgenossen ihn als eifrigen Hochschullehrer, der am Aufblühen der Würzburger Medizinischen Fakultät ab den 1850er-Jahren großen Anteil gehabt haben soll.

    Müllerzellen der Netzhaut entdeckt

    Als Anatom beschäftigte sich Müller besonders intensiv mit den Augen und Sehnerven von Mensch und Tier. Bei seiner Arbeit entdeckte und beschrieb er unter anderem die nach ihm benannten Müllerzellen in der Netzhaut. Diese Zellen erfüllen dort wichtige physiologische Aufgaben im Zusammenspiel mit den Nervenzellen. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben erst in den vergangenen Jahren außerdem nachgewiesen, dass die Müllerzellen auch Licht durch die Netzhaut leiten.

    Männchen der Argonauten beschrieben

    Heinrich Müller erforschte nicht nur das Auge. In vergleichenden anatomischen Studien befasste er sich zum Beispiel auch mit der Tiergruppe der Cephalopoden und entdeckte dabei die Männchen der Argonauten. Bei diesen Meeresbewohnern, die zur Gruppe der achtarmigen Tintenfische gehören, sind die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen.

    Gesichtsrose als Todesursache

    Die „Allgemeine Deutsche Biographie“ zählt Heinrich Müller mit Albrecht von Graefe, Franciscus Cornelis Donders, William Bowman und Ferdinand von Arlt zu den weltweit führenden Augen-Experten des 19. Jahrhunderts. Dem Würzburger Anatomen war aber kein langes Leben beschieden: Er starb am 10. Mai 1864 im Alter von erst 43 Jahren an einer Gesichtsrose, einer Virusinfektion mit schmerzhaften Hautausschlägen im Gesicht und am Kopf.

    Müllers Totenzettel veröffentlicht

    Der „Totenzettel“ für Heinrich Müller findet sich im Online-Angebot der Würzburger Universitätsbibliothek. Solche Zettel wurden früher bei den Trauerfeiern an die Gäste verteilt. Sie enthielten die wichtigsten Lebensdaten der Verstorbenen. Die Universitätsbibliothek hat eine Sammlung von knapp 5000 Totenzetteln aus dem Würzburger Raum digitalisiert und erschlossen. Die Zettel stammen aus den Jahren 1672 bis 1914.

    Heinrich Müllers Totenzettel bei der Unibibliothek

    Das Ehrengrab der Universität

    Die Ehrengrabstätte der Universität liegt an der nördlichen Mauer des Würzburger Hauptfriedhofs. Dort sind Professoren beigesetzt, die sich besondere Verdienste um ihr Fach und um die Universität erworben haben. Wie entstand das Grab? Wer legte fest, wer darin bestattet wurde? Warum wurde nach 1906 dort niemand mehr beerdigt? All diese Fragen lassen sich an der Universität derzeit nicht klären, denn im Universitätsarchiv gibt es keine Unterlagen über das Grab. Alle Schriftstücke über das Ehrengrab sind offenbar beim Luftangriff auf Würzburg am Ende des Zweiten Weltkriegs verbrannt.

    Serie über das Ehrengrab

    Mit diesem Beitrag endet die Serie, in der einBLICK seit Januar 2014 einige der Professoren vorgestellt hat, die im Ehrengrab der Universität beigesetzt sind. Erschienen sind:

    Teil 1: Robert von Welz

    Teil 2: Franz Xaver von Wegele

    Teil 3: Julius von Sachs

    Teil 4: Karl Gottfried Semper

    Teil 5: Anton von Tröltsch

    Teil 6: August Förster

    Teil 7: Albert von Bezold 

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