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    Ein Kinderbild im Spannungsfeld von Staatskonformität und Pädagogik

    30.06.2015 | FORSCHUNG
    Dr. Michaela Vogt (Foto: privat)

    Dr. Michaela Vogt (Foto: privat)

    Sie war in der DDR der wichtigste Ratgeber für die Gestaltung des Unterrichts in der Unterstufe: die Lehrerzeitschrift „Die Unterstufe“. Wie sich in ihr in den Jahren von 1954 bis 1964 das Kinderbild entwickelt und verändert hat, hat Michaela Vogt in ihrer Doktorarbeit untersucht.

    Wer in der DDR in den unteren vier Jahrgängen der Schule unterrichtete, kam kaum darum herum, „Die Unterstufe“ zu abonnieren. Die Zeitschrift fungierte als Ratgeber für die Gestaltung des Unterrichts in der Unterstufe, gab handfeste Hilfestellungen und informierte die Lehrer über neueste schulpolitische Entscheidungen. Durch ihre thematische Ausrichtung besaß sie eine Monopolstellung.

    Gleichzeitig transportierte sie in ihren Beiträgen Vorstellungen über Unterstufenschüler, die sich in einem Spannungsfeld zwischen politischen Idealen und pädagogischen Grundannahmen bewegten. Dieses Bild und seinen Wandel im Zeitraum von 1954 bis 1964 hat Dr. Michaela Vogt vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik der Universität Würzburg im Rahmen ihrer Doktorarbeit aus einer bildungshistorischen Perspektive analysiert. Jetzt ist ihr Buch „Professionswissen über Unterstufenschüler in der DDR“ im Verlag Julius Klinkhardt erschienen.

    Aufruf zum Mitaufbau der sozialistischen Gesellschaft

    Während die Zeitschrift in ihren ersten Erscheinungsjahren ein eher pädagogisch geformtes Kinderbild transportiert habe, orientierte sie sich in der Folgezeit mehr und mehr an staatlichen, ideologiekonformen Vorgaben, erklärt Michaela Vogt. Beispielsweise falle auf, so die Wissenschaftlerin, dass die Schulkinder über die Jahre hinweg immer stärker zum aktiven Mitaufbau der sozialistischen Gesellschaft verpflichtet wurden – sei es durchs Sammeln von Altpapier, durch Hilfe bei der Maisernte oder beim Anlegen von Gemeindewegen.

    Gegen Ende des Untersuchungszeitraumes seien jedoch auch wieder gegenläufige Tendenzen und damit einhergehend eine Abschwächung sozialistischer Ideale zugunsten pädagogischer Grundannahmen feststellbar. Dieser Wandel stehe auch in einem engen Zusammenhang mit Entwicklungen im dem gesamtgesellschaftlichen wie auch im Spezifischen im politischen, pädagogischen und psychologischen Umfeld. Hier gab es einschneidende Ereignisse, die sich in der Zeitschrift widerspiegelten und mögliche Veränderungen in den Auffassungen über das Schulkind auslösten.

    Neue Reihe: Historische Bildungsforschung

    Das Werk bildet den ersten Band der neuen Reihe „Historische Bildungsforschung“, wie der Verlag mitteilt. Diese soll „die Leistungen und Ergebnisse historischer Bildungsforschung innerhalb und außerhalb der Erziehungswissenschaft sichtbarer als bisher machen und den Kreis der Leserschaft dieser Studien erweitern“, schreiben die Herausgeberinnen Rita Casale (Bergische Universität Wuppertal), Ingrid Lohmann (Universität Hamburg) und Eva Matthes (Universität Augsburg).

    Mit ihrer Arbeit habe Michaela Vogt eine bislang unerforschte, hohen bildungshistorischen Erkenntnisgewinn bietende Quelle erschlossen. Die Arbeit mit der zentralen Fragestellung nach dem in der Zeitschrift sich widerspiegelnden Professionswissen über Unterstufenschüler in der DDR sei theoretisch und methodologisch reflektiert und innovativ; die für die Untersuchung entwickelte „Historisch-kontextualisierende Inhaltsanalyse“ werde akribisch und intersubjektiv überprüfbar an überlegt ausgewählten Quellen angewandt. Vogts Studie bilde eine souveräne Zusammenschau von sozialwissenschaftlicher Kindheitsforschung und historischer Schulforschung und gebe einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand.

    Michaela Vogt: „Professionswissen über Unterstufenschüler in der DDR. Untersuchung der Lehrerzeitschrift ‚Die Unterstufe‘ im Zeitraum 1954 bis 1964“. Verlag Julius Klinkhardt KG 2015. 459 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-7815-2030-1, 39,90 Euro

    Kontakt

    Dr. Michaela Vogt, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik , T: (0931) 31-80202,
    michaela.vogt@uni-wuerzburg.de

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