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    Bildungsarbeit auf einem Musikfestival

    14.07.2015

    Kultur – Identität – Heimat: Drei Begriffe, dazu drei Holztafeln und vier Studierende der Pädagogik auf dem Würzburger „Umsonst & Draußen-Festival“. Was es damit auf sich hatte? einBLICK-Mitarbeiterin Patricia Schätzler erklärt es.

    Die Studierenden Dominik König, Maria Mittmann, Saskia Müller und Mario Bastardy (von links) auf dem Umsonst & Draußen-Festival in Würzburg. (Foto: privat)
    Die Studierenden Dominik König, Maria Mittmann, Saskia Müller und Mario Bastardy (von links) auf dem Umsonst & Draußen-Festival in Würzburg. (Foto: privat)

    „Wer sind wir? Eine Momentaufnahme.“ Das war der Titel eines Projekts, das vier Studierende der Pädagogik unter der Leitung ihres Dozenten Dominik Egger erarbeitet haben. Mario Bastardy, Dominik König, Maria Mittmann und Saskia Müller wollten damit ein breites Publikum zum Nachdenken über die Begriffe Kultur, Identität und Heimat anregen.

    „Oft redet man ja von ‚uns Deutschen‘“, erklärt Maria. „Daher haben wir uns gefragt, wie sich Menschen mit ihrer Heimat und ihrer Kultur identifizieren.“ Das wollten die Studierenden mit einer Station herausfinden: einem Dreieck aus Bauzäunen, an dessen Seiten jeweils eine große Holztafel befestigt war. Ganz oben auf den Tafeln standen die Wörter „Kultur“, „Identität“ und „Heimat“. Ansonsten blieb viel Platz, um Assoziationen zu den drei Begriffen aufzuschreiben oder aufzumalen.

    Die Idee, diese Station in der Innenstadt aufzubauen, wurde schnell verworfen. „Die Leute haben da keine Zeit und sind eher skeptisch, weil sie Angst haben, dass jemand Geld oder etwas anderes von ihnen will“, sagt Mario. Die zündende Idee kam dann vom Team des Jugendkulturhauses Cairo: Als Kooperationspartner des Projekts nahm das Team die Studierenden mit auf seine Fläche beim Würzburger „Umsonst & Draußen-Festival“ 2015.

    Politische Äußerungen und pikante Zeichnungen

    Die entspannte Stimmung des Musikfestivals sollte den geeigneten Rahmen bieten, in dem sich die Besucher ganz ohne Termindruck mit den Begriffen Kultur, Identität und Heimat auseinandersetzen konnten. Dabei waren die Intentionen wohl genauso unterschiedlich wie die Resultate, da jeder seine Assoziationen frei ausdrücken konnte.

    So wurden Texte und Wörter in verschiedenen Sprachen und Dialekten aufgeschrieben, aber auch Bilder gemalt. Auf der Kultur-Tafel zum Beispiel hinterließen die Passanten Notizen wie „Nie wieder Deutschtümelei“ oder „Schäufala und Bier“. Teils tobten sie sich geradezu aus; bekundeten etwa ihre Treue zu Fußballvereinen oder zeichneten männliche Geschlechtsteile. Auch philosophische Ideen oder politische Meinungen fanden einen Platz, etwa die Forderung nach der gleichgeschlechtlichen Ehe.

    Somit erfüllte sich die Hoffnung der Studierenden, mit einfachen Mitteln in entspannter Atmosphäre ehrliche Meinungen zu sammeln. „Viele waren einfach neugierig“, sagt Saskia. „Später boten dann die ersten Kommentare Denkanstöße für andere – dadurch wurde die Aktion zu einem Selbstläufer“. Die Studierenden konnten auch beobachten, dass Passanten an den Tafeln miteinander über die drei Begriffe diskutierten.

    Offene Aufgabenstellung als Erfolgsrezept

    Ziel der Aktion war es nicht, ein wissenschaftliches Schaubild zu erstellen. Vielmehr ging es darum, einem gemischten Publikum Zugang zur Thematik „Kultur“ zu ermöglichen. Deshalb wird es auch keine Auswertung der Tafeln geben – bei der Aktion sollte kein Ergebnis erzielt, sondern ein Bildungsraum geschaffen werden.

    Dozent Dominik Egger erklärt die Idee, die hinter dem Seminar steht: „Es ging darum, zu den Schlagwörtern Bildung und Kultur aus theoretischen Grundlagen eigenständig ein Projekt zu erarbeiten.“ Durch den gegebenen Freiraum sei es immer wieder überraschend, auf welche Ideen die Studierenden kommen. Mario, Dominik, Maria und Saskia bestätigen das: Sie alle setzen sich mit einem Thema besonders gern dann auseinander, wenn sie sich dabei ohne strenge Vorgaben selbst entfalten können.

    Holztafeln werden ausgestellt

    Mit dem Beginn des Wintersemesters 2015/16 können die Kommentare und Statements auf den drei Holztafeln von allen Interessierten betrachtet werden. Wie Dominik Egger ankündigt, sollen die Tafeln dann im Umfeld der Seminarräume der Pädagogik im Bibliotheks- und Seminarzentrum auf dem Campus Nord ausgestellt werden.

    Teil des GSiK-Lehrprogramms

    Egger bot das Seminar auch im Rahmen des Würzburger Lehrprogramms GSiK (Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz) an. GSiK steht Studierenden aus allen Fachbereichen offen. Wer im Lauf seines Studiums eine gewisse Anzahl von GSiK-Lehrveranstaltungen besucht, bekommt dafür ein Zertifikat, das ein wertvoller Bestandteil der Bewerbungsmappe werden kann.

    Zur Homepage von GSiK: www.gsik.uni-wuerzburg.de

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    Von Patricia Schätzler

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