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    Betasten der Kunstwerke erwünscht

    28.04.2015 | TAGUNGEN
    Gruppenfoto mit Professor Guido Fackler, Wolfgang Schneider, stellvertretender Kunstreferent der Diözese, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Staatssekretär Bernd Sibler, Simone Doll-Gerstendörfer, Museologie-Dozentin von der Uni Würzburg, Museumspäd

    Vor der Tagung der Museumsakademie (von links): Professor Guido Fackler, Wolfgang Schneider, stellvertretender Kunstreferent der Diözese, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Staatssekretär Bernd Sibler, Simone Doll-Gerstendörfer, Museologie-Dozentin von der Uni Würzburg, Museumspädagogin Yvonne Lemke vom Museum am Dom, Astrid Pellengahr und Rainer Wenrich von der Bayerischen Museumsakademie. (Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß, POW)

    „Barrierefreiheit ist mehr als die Rampe am Eingang“: Unter diesem Motto fand in Würzburg die Tagung der Bayerischen Museumsakademie statt. Beteiligt war auch die Professur für Museologie der Universität.

    Unter dem Motto „Barrierefreiheit ist mehr als die Rampe am Eingang: Auf dem Weg zum inklusiven Museum“ ist wurde am 23. April 2015 im Würzburger Museum am Dom die Frühjahrstagung der Bayerischen Museumsakademie eröffnet. Zwei Tage lang befassten sich rund 120 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet mit den vielfältigen Aspekten der Inklusion und lernten Museumsprojekte zu diesem Thema kennen.

    Das Museum am Dom präsentierte zum Beispiel die Ergebnisse des Seminars „Blind im Museum – wie geht das?“. Studierende der Museologie und der Sonderpädagogik der Universität Würzburg haben dafür Tastfiguren sowie ein Spiel für Blinde und Sehbehinderte entworfen und realisiert.

    „Inklusion ist eine Haltung, die wir entwickeln müssen“, sagte Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Es gehe um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft und am kulturellen Leben.

    Wie sich die Zeiten geändert haben

    Wolfgang Schneider, stellvertretender Kunstreferent der Diözese Würzburg, erzählte dazu eine Geschichte. Bei einer Ausstellung mit Werken von Tilman Riemenschneider sei unter den Besuchern auch ein älteres Ehepaar gewesen. „Die Frau führte ihren Mann vor die hoch versicherten Meisterwerke eines der bedeutendsten Bildschnitzer der Spätgotik. Während sie ihm die Figur erklärte, tastete er mit den Fingern die subtil geschnitzten Strukturen. Die Aufregung war groß und der Schreck war heilsam.“ Es brauche wohl jeder sein Schlüsselerlebnis, damit sich neue Zugänge und Sensibilitäten für Lebenswirklichkeiten entwickeln könnten, sagte Schneider.

    Seit diesem Tag sei viel geschehen. So wurden etwa in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Museologie an der Universität Würzburg Projekte durchgeführt, die sich mit der Vermittlung von Kunst für Blinde und Sehbehinderte beschäftigen.

    Wie sich die Zeiten geändert haben, soll auch die Ausstellung mit Werken des Schweizer Bildhauers Albert Schilling zeigen, die am 13. Mai im Museum am Dom eröffnet wird. Einige der ausgestellten Marmorskulpturen könnten betastet werden, kündigte Schneider an. Für die Tagung wurde bereits eine Marmorarbeit aus den 1970er-Jahren aufgestellt. „Scheuen Sie sich nicht, sie zu berühren“, ermunterte Schneider.

    Pressekonferenz zur Tagung

    Bei einer Pressekonferenz hatten die Veranstalter der Tagung – neben der Bayerischen Museumsakademie waren das der Bezirk Unterfranken, das Museum am Dom und die Professur für Museologie an der Universität Würzburg – ihre Positionen zur Inklusion vorgestellt.

    Barrierefreiheit sei nur ein erster Schritt, sagte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Zur Inklusion gehörten auch eine barrierefreie Sprache oder audiovisuelle Hilfsmittel wie zum Beispiel Induktionsschleifen für Träger von Hörgeräten. Der Bezirk sehe die Inklusion als eine besondere Aufgabe an, die unter anderem durch die Einrichtung eines „Inklusionskoordinators“ weiter gestärkt werden solle. „Es geht nicht nur um die reine Teilhabe, sondern um die Teilhabe in allen Facetten“, sagte auch Sibler. Er bezeichnete Inklusion als ein „Generationenprojekt“.

    „Studiengang Museologie ist vorbildlich“

    „Inklusion muss sich selber überflüssig machen“, so die These von Museologie-Professor Guido Fackler von der Universität Würzburg. Er befasst sich seit fünf Jahren intensiv mit dem Thema.

    Astrid Pellengahr, Leiterin der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, bezeichnete die Arbeit des Studiengangs Museologie als „vorbildlich“. Es sei wichtig, frühzeitig für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und den Mitarbeitern in den Museen entsprechende Kompetenzen zu vermitteln. Schneider dankte Fackler für die „fruchtbare Zusammenarbeit“. „Diese Tagung ist eine Bestätigung unseres Wegs und zugleich ein Ansporn“, betonte er.

    Zur Homepage des Studiengangs "Museologie und materielle Kultur"

    (Quelle: Pressemitteilung des Ordinariats Würzburg, POW)

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