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    Berühmter Ohrenarzt

    27.05.2014

    Im Ehrengrab der Universität auf dem Würzburger Hauptfriedhof ist auch Anton von Tröltsch bestattet. Der gebürtige Nürnberger war im 19. Jahrhundert einer der „Väter“ der Ohrenheilkunde.

    Anton von Tröltsch, ein Pionier der Ohrenheilkunde. (Foto: Wikimedia Commons)
    Anton von Tröltsch, ein Pionier der Ohrenheilkunde. (Foto: Wikimedia Commons)

    Anton von Tröltsch (1829-1890) gilt als einer der bedeutendsten Ohrenheilkundler seiner Zeit. Er schuf die Grundlagen dafür, dass sich Erkrankungen des Ohrs mit naturwissenschaftlicher Methodik erforschen ließen und dass die Ohrenheilkunde als eigenständiges chirurgisches Fach anerkannt wurde.

    In Würzburg fasste Tröltsch 1862 den ganzen Stoff seines Lehrgebiets in einem ersten „Lehrbuch der Ohrenheilkunde“ zusammen, das große Verbreitung fand und in viele andere Sprachen übersetzt wurde. Er schrieb außerdem viele Aufsätze in Fachzeitschriften, unter anderem im „Archiv für Ohrenheilkunde“. Dieses Blatt hatte er selber mitgegründet.

    Durchbruch für den Ohrenspiegel

    Der Würzburger Mediziner hat die Ohrenheilkunde unter anderem durch die Einführung eines Hohlspiegels bereichert. Damit ließ sich genug Tageslicht ins äußere Ohr und aufs Trommelfell lenken, um diese Stellen mit bloßem Auge untersuchen zu können. Das war wertvoll in einer Zeit, in der zum Beispiel Ohrentzündungen oft nicht erkannt wurden – was dann auch bei jüngeren Menschen zu chronischer Schwerhörigkeit und Hörverlust führte.

    Selber erfunden hat Tröltsch den Ohrenspiegel allerdings nicht – das Instrument geht auf Friedrich Hoffmann zurück, der es schon 1841 entwickelt hatte. Doch damals wurde noch nicht erkannt, wie hilfreich der Spiegel war. Erst Tröltsch beschrieb ihn 1859 erneut. Von da an verbreitete sich der Ohrenspiegel stark und wurde bald auch für Untersuchungen von Nase und Kehlkopf eingesetzt.

    Tröltschs Name lebt

    Studierende der Medizin treffen noch heute auf seinen Namen, wenn sie sich mit dem Bau des Ohrs befassen: Nach Tröltsch sind zwei taschenartige anatomische Strukturen am Trommelfell benannt, die „Tröltsch'schen Taschen“. Auch eine knieförmige Hakenpinzette, die der Mediziner für Eingriffe im äußeren Gehörgang entwickelte, trägt seinen Namen. Sie wird bis heute unverändert hergestellt.

    Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde hält den berühmten Ohrenarzt aus Würzburg ebenfalls in Ehren: Sie vergibt jedes Jahr den mit 8.000 Euro dotierten Anton-von-Tröltsch-Preis. Vergeben wird die Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen im HNO-Bereich.

    Kurzbiografie

    Geboren wurde Anton von Tröltsch am 3. April 1829 in Nürnberg. Er studierte Medizin in Würzburg, Wien, Berlin und Prag. Nach seiner Promotion begab er sich ab 1853 auf wissenschaftliche Reisen, bei denen er sich intensiv mit der Ohrenheilkunde beschäftigte. Sie führten ihn unter anderem nach Dublin, London und Paris.

    1857 ließ sich Tröltsch dann als Arzt in Würzburg nieder. Drei Jahre später habilitierte er sich als Privatdozent der Ohrenheilkunde an der Universität, 1867 wurde er Professor. Er starb am 9. Januar 1890 im Alter von 60 Jahren und wurde in der Ehrengrabstätte der Universität auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt.

    Quellen

    Pagel, Julius Leopold, „Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von“, in: Allgemeine Deutsche Biographie (1894) / Wikipedia / Informationsdienst Wissenschaft

    Das Ehrengrab der Universität

    Die Ehrengrabstätte der Universität liegt an der nördlichen Mauer des Würzburger Hauptfriedhofs. Dort sind Professoren beigesetzt, die sich besondere Verdienste um ihr Fach und um die Universität erworben haben. Wie entstand das Grab? Wer legte fest, wer darin bestattet wurde? Warum wurde nach 1906 dort niemand mehr beerdigt? All diese Fragen lassen sich an der Universität derzeit nicht klären, denn im Universitätsarchiv gibt es keine Unterlagen über das Grab.

    Alle Schriftstücke über das Ehrengrab sind offenbar beim Luftangriff auf Würzburg am Ende des Zweiten Weltkriegs verbrannt. Das geht aus einem Brief des universitären Verwaltungsausschusses hervor: Dieser bat am 15. Juli 1949 das städtische Bestattungsamt, ihm Namen, Geburts- und Sterbedaten der im Ehrengrab beerdigten Personen zu übermitteln. Grund für die Anfrage: Im Bombenhagel des 16. März 1945 waren alle Unterlagen der Universität verloren gegangen. Die Antwort des Bestattungsamtes fiel negativ aus: Auch dort waren die Unterlagen verbrannt.

    Serie über das Ehrengrab

    In einer Serie stellt einBLICK seit Januar 2014 einige Professoren vor, die im Ehrengrab beigesetzt sind.

    Teil 1: Robert von Welz

    Teil 2: Franz Xaver von Wegele

    Teil 3: Julius von Sachs

    Teil 4: Karl Gottfried Semper

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