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    einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

    An der Schnittstelle von Klinik und Forschung

    21.02.2017 | NEU AN DER UNI
    Der Tipp eines Berufsberaters hat seine Karriere maßgeblich beeinflusst: Oliver Kurzai, neuer Professor an der Universität Würzburg. (Foto: Gunnar Bartsch)

    Der Tipp eines Berufsberaters hat seine Karriere maßgeblich beeinflusst: Oliver Kurzai, neuer Professor an der Universität Würzburg. (Foto: Gunnar Bartsch)

    Sie sind schwer zu erkennen und bisweilen schwer zu behandeln: Pilzinfektionen stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Oliver Kurzai. Der Mediziner ist vor wenigen Wochen von Jena an die Universität Würzburg gewechselt.

    Pilzinfektionen können heimtückisch sein. Nicht selten werden ihre Symptome von den behandelnden Ärzten übersehen oder missinterpretiert. Dementsprechend schwierig verläuft dann die Behandlung. „Im schlimmsten Fall sterben Patienten, obwohl sie es eigentlich nicht müssten“, sagt Professor Oliver Kurzai. Der 41-Jährige hat seit Anfang 2017 den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie an der Universität Würzburg inne – den ersten und bislang einzigen Lehrstuhl dieser Art in Deutschland, der sich dezidiert mit Pilzinfektionen beschäftigt.

    Seit 2014 ist Kurzai außerdem Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen, das vom Robert-Koch-Institut und dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Wenn Ärzte den Verdacht haben, ihr Patient könne an einer Pilzinfektion erkrankt sein, diese aber nicht sicher diagnostizieren oder erfolgreich behandeln können, wenden sie sich an das Zentrum mit der Bitte um Hilfe.

    Mysteriöse Augeninfektionen

    Beispielsweise im Jahr 2016: „Da haben sich immer mehr Augenärzte bei uns gemeldet, nachdem sie bei ansonsten jungen, gesunden Patienten schwere Augeninfektionen diagnostiziert hatten“, erzählt Oliver Kurzai. Die Infektion mit Schimmelpilzen war so gravierend, dass oft einzig eine Hornhauttransplantation sie stoppen konnte. Jedem fünften Patienten mussten die Mediziner sogar das Auge komplett entfernen. Dass das kein Zufall sein konnte, war den Spezialisten vom Nationalen Referenzzentrum klar. Ein verbindendes Element dieser Fälle konnten sie identifizieren: Alle Erkrankten hatten zuvor weiche Kontaktlinsen getragen. Jetzt suchen die Experten gemeinsam mit Augenärzten nach weiteren Risikofaktoren.

    Wie viele Menschen weltweit an einer Pilzinfektion erkranken oder daran sterben, ist unbekannt. „Darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen“, sagt Oliver Kurzai. Einige Pilzarten, die für den Menschen gefährlich sind, kommen nur außerhalb Europas vor. Dort aber fehlt es häufig an der Technik, die eine sichere Diagnose möglich macht. Und eine zentrale Stelle, die die konkreten Fallzahlen erfasst, existiert ebenfalls selten. Aussagen wie „Pilzinfektionen töten mehr Menschen als Tuberkulose und Malaria“ misstraut der Mediziner deshalb.

    Ein Anstieg der Fallzahlen ist wahrscheinlich

    Trotzdem will Kurzai die Gefahr durch Pilze nicht verneinen – auch nicht für Europa. Hier sind es vor allem die Hefe Candida albicans und der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus, der Medizinern Probleme bereitet. „Sie befallen nahezu ausschließlich Menschen mit einer stark eingeschränkten Immunabwehr“, erklärt Kurzai. Dazu zählen beispielsweise Patienten nach Organtransplantation oder Leukämiepatienten Und weil deren Zahlen auch durch die Möglichkeiten der modernen Medizin in den kommenden Jahren steigen werden, rechnet Kurzai auch mit einem weiteren Anstieg der Pilzinfektionen.

    Wie reagiert das menschliche Immunsystem auf Pilze? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage bildet einen Schwerpunkt der Forschung von Oliver Kurzai und seinen Mitarbeitern. Wenn sich beispielsweise herausstellt, dass die Immunantwort je nach Pilzart unterschiedlich ausfällt, biete sich dies als Ansatz für eine verbesserte Diagnose an. Im Gegenzug kann eine Pilzinfektion möglicherweise Informationen über die Arbeitsweise des Immunsystems liefern. „Wir wissen, dass bestimmte angeborene Defekte zu einer erhöhten Anfälligkeit für Pilzinfektionen führen“, sagt Kurzai. Dieses Wissen könne dazu beitragen, das Immunsystem besser zu verstehen.

    Guter Tipp vom Berufsberater

    Dass Oliver Kurzai heute den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie inne hat, habe er im Prinzip einem Berufsberater des Arbeitsamts zu verdanken. „Ich habe ihm erklärt, warum ich Biochemie studieren möchte. Daraufhin hat er mir gesagt, ich solle mich doch lieber für Medizin einschreiben“, erzählt Kurzai. Mit Medizin könne er an den gleichen Themen forschen wie ein Biochemiker, allerdings seien die Jobchancen besser.

    Heute ist Kurzai dankbar für diesen Tipp. Nicht wegen der Jobchancen, sondern weil ihm das Medizinstudium einen anderen Zugang zu dem Thema geliefert hat. Als Mikrobiologe stehe er an der Schnittstelle von Patientenversorgung und Grundlagenforschung und kenne sich mit beiden Bereichen aus, sagt er. Ihn fasziniert es, wenn er von einem behandelnden Arzt, wie im Fall der Augeninfektionen, eine Frage gestellt bekommt, über die er nachdenken und im Labor nach der Antwort suchen muss; ihm gefällt die klinische Anbindung seiner Forschung.

    Diese Faszination möchte der Professor auch seinen Studierenden vermitteln. Da passt es, dass das Fach „Mikrobiologie“ im fünften Semester des Medizinstudiums eine zentrale Rolle einnimmt. Neue Konzepte will er dafür nicht aus dem Hut zaubern. „Es gibt in Würzburg bereits ein exzellentes didaktisches Konzept“, sagt er. Allerdings möchte er Studierenden die Möglichkeit bieten, neben dem Studium in der Grundlagenforschung aktiv zu werden: „Das Wissen, das sie dabei gewinnen, hilft ihnen auch, wenn sie später als Hausarzt tätig sind.“

    Zur Person

    Die Würzburger Medizin kennt Oliver Kurzai gut: Er hat hier von 1994 bis 2001 studiert und wurde 2002 mit einer Arbeit über den Hefepilz Candida dubliniensis promoviert. Weitere Stationen seiner Karriere waren die Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hygiene und Mikrobiologie, die Anerkennung als Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (2006) sowie die Habilitation (2008).

    2009 übernahm Oliver Kurzai die Professur für Fungal Septomics an der Universität Jena und dem Leibniz Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut. 2014 wurde er zum Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen berufen. Seit dem 1. Januar 2017 hat er an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie inne.

    Kontakt

    Prof. Dr. Oliver Kurzai, T: (0931) 31-88007, oliver.kurzai@uni-wuerzburg.de

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