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    einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

    Wenn Tote zu Lehrern werden

    19.04.2016

    Körperspenden dienen der Ausbildung angehender Mediziner. Bei einer Gedenkfeier nahmen Studierende und Angehörige Abschied von 47 Frauen und Männern, die ihren Körper dem Anatomischen Institut zur Verfügung gestellt hatten.

    Medizinstudent Simon Goller am Gedenkstein für Körperspender auf dem Würzburger Waldfriedhof. Ihn ziert die Inschrift: „Zum Gedächtnis der Menschen, die nach ihrem Tode zur Ausbildung junger Ärzte beitrugen. Die Medizinische Fakultät der Universit
    Medizinstudent Simon Goller am Gedenkstein für Körperspender auf dem Würzburger Waldfriedhof. Ihn ziert die Inschrift: „Zum Gedächtnis der Menschen, die nach ihrem Tode zur Ausbildung junger Ärzte beitrugen. Die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg.“ (Foto: Karsten Fehr)

    Und plötzlich lag sie vor ihnen. Wenn Lotte Büchner, Simon Goller und Andreas Huth an den Moment zurückdenken, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Leiche sezieren mussten, läuft es ihnen kalt den Rücken herunter. „Das war ein Gefühl von Ehrfurcht“, sagen die Medizin-Studierenden, die im Wintersemester 2015/16 den „Präparierkurs“ des Anatomischen Instituts absolviert haben.

    Mit der Gedenkfeier für 47 Verstorbene, die ihren Körper gespendet haben, um Studierenden der Universität Würzburg eine anschauliche medizinische Ausbildung zu ermöglichen, geht für die Drei eine aufregende Zeit zu Ende. „Über den Tod hinaus dem Leben dienen“, haben sie und ihre Kommilitonen ihre Dankesrede überschrieben. Sie richtet sich an Spender und Angehörige gleichermaßen.

    „Sie machen uns ein Geschenk, das sich durch kein Lehrbuch ersetzen lässt“, unterstreicht Lotte die Wichtigkeit derer, vor denen sie, ihre Kommilitonen und ihre Dozenten allerhöchsten Respekt haben: Menschen, die ihren Leichnam der Anatomie spenden. „Dank ihnen hatten wir die Gelegenheit, einen genauen Einblick in den Aufbau, die Funktionen und das Zusammenspiel des menschlichen Körpers zu erhalten.“ Dieser sei so komplex, dass man ihn erst begreifen könne, wenn er wirklich vor einem liege. „Wenn man ihn berühren und mit Anleitung der Dozenten und Tutoren Schritt für Schritt erforschen kann.“

    Die Nervosität war groß

    Vor dem Erforschen stand die Anspannung. „Ich kann mich noch ganz genau an den ersten Tag unseres Anatomiekurses erinnern. Alle Gesichter im Anatomiesaal waren von Nervosität und ungewisser Erwartung gezeichnet“, schildert die 20-Jährige den Moment, als die Professorin die Leichenhülle auf dem Präpariertisch öffnete und dort ein toter Mensch lag. Die anfängliche Scheu sei aber schnell dem medizinischen Interesse gewichen. „Das brachte natürlich auch die Gewohnheit mit sich, denn unser Kurs fand zwei Mal pro Woche statt.“

    Von Haut und Muskeln über Magen, Leber und Gallenblase bis zu inneren Organen wie Herz und Lunge: Beim Präparieren selbst, erklärt Simon, gehe es darum, wichtige Strukturen des menschlichen Körpers freizulegen. Dabei sei jeder Studierende für ein bestimmtes Körperteil zuständig gewesen. Die Vorstellung, „dass wir den Wunsch des Körperspenders erfüllen, indem wir möglichst viel an seinem Körper lernen“, hat dem 22-Jährigen dabei geholfen, das Wissen zu verinnerlichen, das er später als Arzt braucht.

    Dabei habe nicht nur die Faszination am Wunderwerk Mensch im Vordergrund gestanden, berichten die angehenden Mediziner, sondern auch der große Respekt, mit dem die Körperspender behandelt worden seien. „Der Respekt vor ihrer sicher nicht leicht gefallenen Entscheidung, ihre sterblichen Hüllen der Wissenschaft zu vermachen. Und der Respekt vor ihrer Bereitschaft, nach dem Tod noch etwas Gutes zu tun.“ Dies sei keinesfalls selbstverständlich, sondern verdiene großen Dank.

    Mutige Spender

    Ihre Dankbarkeit haben die Studierenden, die sich im dritten bis fünften Semester befinden, bei einer Gedenkfeier auf dem Würzburger Waldfriedhof zum Ausdruck gebracht. Die Überreste der 47 Spender wurden dabei in einem Grab beigesetzt. „Die Feier war für uns mehr als nur der Abschluss unseres Anatomiekurses“, sagt Andreas. „Sie hat uns die Möglichkeit gegeben, an die Menschen zu erinnern, an denen wir lernen durften. An die Menschen, die durch ihren Entschluss zur Körperspende zu unseren Lehrern wurden.“

    Gleichzeitig sei die Feier ein Angebot für die Angehörigen gewesen, die nicht bei einer Beerdigung Abschied nehmen konnten. Hinter ihnen liege eine längere Zeit seit dem Tag, an dem sie Ehepartner, Vater, Mutter oder eine andere ihnen nahestehende Person verloren hätten. Die anschließenden Gespräche bei Kaffee und Kuchen in der Katholischen Hochschulgemeinde haben die Studierenden genutzt, um mehr über den Umgang der Angehörigen mit dem Thema Körperspende zu erfahren.

    „Wir kennen die Spender nicht“, sagt Andreas, und doch würden er und seine Kommilitonen sich Gedanken machen: „Wir haben uns Fragen zum Leben des Menschen, seiner Familie und auch zu seinem Entschluss zur Körperspende gestellt.“ Ein Entschluss, da sind sich alle einig, der mutig und richtig war. Denn für die Studierenden steht fest: Ohne Körperspende keine angemessene medizinische Ausbildung.

    Gedenkfeier

    Die Gedenkfeier für Körperspender auf dem Würzburger Waldfriedhof wurde von Studierenden der Human- und Zahnmedizin organisiert, die im zurückliegenden Semester am Makroskopisch-Anatomischen Kurs („Präparierkurs“) teilgenommen hatten. Gestaltet wurde sie von den Hochschulpfarrern Burkhard Hose (Katholische Hochschulgemeinde) und Susanne Hötzel (Evangelische Studentengemeinde) sowie von über 100 Studierenden der Universität Würzburg.

    Stichwort: Körperspende

    Details zum Thema Körperspende gibt es auf der Website des Instituts für Anatomie und Zellbiologie sowie auf einem Informations- und Merkblatt des Instituts.

    Kontakt

    Helmut Eichelmann, Institut für Anatomie und Zellbiologie, T (0931) 31-82790, h.eichelmann@uni-wuerzburg.de

    Von Karsten Fehr

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