Fakultät für Biologie - Fachdidaktik Biologie
    Aquaristik in der Schule -
    Ein Leitfaden zur erfolgreichen Planung,
    Realisierung und Pflege von Schulaquarien im
    Biologieunterricht eines bayerischen Gymnasiums
    Autor: Michael Herbolsheimer
    Betreuerin: Dr. Sabine Gerstner

    Meistens ist es im Eingangsbereich einer Schule anzutreffen. Dort präsentiert es sich dann in gut gepflegtem Zustand und bietet Fischen und Wasserpflanzen ein Zuhause. Seine Verwirklichung war entweder schon beim Bau der Schule oder bei einer anderen herausragenden Gelegenheit beschlossen worden. Nun, es handelt sich um ein Schulaquarium, genauer gesagt um ein Schauaquarium, dessen vorrangige Aufgabe die angemessene Repräsentation der Bildungsstätte sein soll. Da das Becken stets ordentlich gepflegt aussehen soll, haben Schüler nichts daran zu suchen und dürfen sich allenfalls die Nase an der Scheibe plattdrücken. Wenn es die finanziellen Möglichkeiten erlauben wird die Instandhaltung durch einen bestellten Pflegedienst bewerkstelligt. Hin und wieder übernehmen auch besonders engagierte Mitglieder des regionalen Aquarienvereins diese Aufgabe.

    Eine weitere Erscheinungsform des Schulaquariums, stellt das ungepflegte Becken dar, welches mit „Restfischen“ besetzt ist, die von Schülern, Eltern und Lehrerkollegen freundlicherweise gespendet wurden, um das eigene Aquarium neu zu gestalten.     Dieses Sammelbehältnis für verwaiste Fische ist dann auch nicht unbedingt im Foyer der Schule zu bestaunen sondern befindet sich oft im Biologietrakt oder in einem eigens dafür freigeräumten Zimmer im Anschluss an die Biologiesammlung, die für Schüler in den seltensten Fällen frei zugänglich ist. Haben sich erst einmal die Pflanzen aufgelöst und die Algen einen grünen Rasen über Einrichtung und Scheiben gebildet, dauert es oft nicht lange bis das Aquarium abgebaut wird. Schon Bader hält 1962 in seinem Buch „Das Schulaquarium“ fest, „dass mancher mit viel gutem Willen unternommene Anlauf zur Aquarienpflege in der Schule ein frühes Ende findet".

    Die beiden bisher beschriebenen Situationen der Schulaquaristik stellen leider immer noch die große Mehrheit dar. Das eigentlich nur sinnvolle Schulaquarium, bei dem es sich also um mehr handeln muss als die bloße Aufstellung eines Aquariums in einer Schule, ist mit der Lupe zu suchen.

    Entscheidend für den langfristigen Erfolg von Aquarien in der Schule ist deren Einbindung in unterrichtliche Zusammenhänge sowie die Beteiligung möglichst vieler Schüler an Planung, Realisierung und Pflege des Aquariums. Die Einsatzmöglichkeiten eines vorbildlichen Schulaquariums im Biologieunterricht sind außerordentlich vielfältig und es sollen an dieser Stelle nur einige Beispiele aufgeführt werden. Im Bereich Morphologie und Systematik kann der Aufbau des Fischkörpers, die Art der Fortbewegung und die Einordnung der Fische in die zoologische Systematik anschaulich umgesetzt werden.

    Im Rahmen der Verhaltensbiologie können Formen der Nahrungsaufnahme, Sozial- und Aggressionsverhalten sowie Brutfürsorge und Brutpflege beobachtet werden. Aber auch die Grundlagen der Ökologie, wie die Faktoren eines Ökosystems, das Prinzip der ökologischen Nische und die Wechselwirkungen von Organismen mit ihrer Umwelt lassen sich mit Hilfe eines planvoll eingerichteten Schulaquariums eindrucksvoll darstellen. Diese unvollständige Aufzählung reicht aus um aufzuzeigen, dass ein Schulaquarium mit seinen Bewohnern bestens dazu geeignet ist biologische Erscheinungen und Zusammenhänge wahrhaft lebendig zu veranschaulichen. Bereits 1857 sieht Roßmäßler in seiner Schrift „Das Süßwasseraquarium“ das Aquarium als entscheidende Möglichkeit, Jugendlichen die Natur näher zu bringen.

    Des Weiteren umfasst die Verantwortung der Schüler für „ihr“ Aquarium eine Fülle von wichtigen Zielen in der Entwicklung sozialer Kompetenzen.

    Es lohnt sich also durchaus, das verstaubte Aquarium aus der Biologiesammlung zu renaturieren und als Lehrer den Mut zum Projekt „Aquarium im Unterricht“ zu finden.

    Nicht jeder Biologielehrer zählt die Aquaristik zu seinen Hobbies, denen er seit  seiner Kindheit mit großer Begeisterung nachgeht. Dies ist auch keine Voraussetzung um ein schönes und erfolgreiches Schulaquarium zu erschaffen. Dennoch sollte der Lehrer durch ein fundiertes Fachwissen seinen Schülern bei der Planung, Realisierung und Pflege des Aquariums ein kompetenter Ansprechpartner sein.

    Mit meiner Zulassungsarbeit richte ich mich an alle Biologielehrer, die von dem Nutzen eines Schulaquariums für ihre Unterrichtsgestaltung profitieren möchten, bislang aber noch keine oder nur wenig Erfahrung im weiten Feld der Aquaristik sammeln konnten. Dabei sollen die vorliegenden Aufzeichnungen zugleich Motivation und Leitfaden für die Planung, Realisierung und Pflege von Aquarien im Biologieunterricht darstellen.

    In der Sachanalyse dieser Arbeit werden zunächst sehr grundlegende Themen der Aquaristik behandelt. Dabei werden wichtige Komponenten der Ausrüstung für ein Aquarium aufgezeigt und deren Funktion und Handhabung genauer beleuchtet. Die sich anschließende didaktische Analyse des Themas konzentriert sich auf die sechste Jahrgangsstufe, da deren Lehrplan für das Fach Natur und Technik im Schwerpunkt Biologie die Unterrichtssequenz „Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen“ vorsieht und die Fische zur Behandlung anbietet. Demzufolge ist die sechste Klasse in besonderem Maße geeignet, um mit der Schulaquaristik zu starten. Der Bezug zum Lehrplan und die mit dem Schulaquarium zu verwirklichenden Prinzipien des Biologieunterrichts werden unter anderem in diesem Kapitel behandelt. Der Abschnitt „Material und Methoden“ dokumentiert den Aufbau der Aquarienausstellung, die im Rahmen meiner Zulassungsarbeit in der Teilbibliothek der Fachgruppe Didaktik Biologie entstanden ist. Außerdem wurde für jedes Becken ein Poster mit interessanten Informationen zu den gepflegten Fischen entworfen. Das Kapitel mit der Überschrift „Didaktische Aufarbeitung“ erörtert die Intentionen der ausgewählten Inhalte, indem es zunächst die fachliche Relevanz analysiert und im Anschluss die Umsetzung der didaktischen Reduktion untersucht.  Abschließend werden im Kapitel „Ausblicke“ die Anwendungsmöglichkeiten des Schulaquariums in höheren Jahrgangsstufen aufgezeigt und Anregungen für Folgeaktivitäten gegeben.

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