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Bewerbung Friedrich Schlegels vom 10. Juli 1805
Bewerbung Friedrich Schlegels vom 10. Juli 1805

Transkription der Rückseite von Schlegels Brief

Transkription der Bewerbung Friedrich Schlegels

Der blühende Zustand, in welchem sich die kurfürstlich bayrischen Universitäten unter der Aufsicht eurer hochgräflichen Exzellenz befinden, muss bei Gelehrten, denen es um einen glücklichen Erfolg ihrer Bemühungen zu tun ist, den lebhaften Wunsch erregen, als Mitglieder so vorzüglichen Anstalten arbeiten zu dürfen, da erst durch eine so glückliche Vereinigung und unter so einsichtsvollem Schutze die Tätigkeit der Einzelnen ihre volle Wirksamkeit erhalten kann.

            Ich wage es eurer hochgräflichen Exzellenz diesen Wunsch zu äußern, und mich Ihnen zum Professor der Philologie auf der ihrer besonderen Leitung Leitung [sic!] anvertrauten Universität Würzburg anzutragen.

            Meine Natur ist dem gelehrten Publico nicht ganz unbekannt. Schon vor 9 und 8 Jahren gab ich als erste Versuche einige Werke über griechische Literatur und Altertümer, welche den Kennern dieses Fachs nicht unbekannt geblieben sind; späterhin suchte ich auch auf die Literatur der neueren Sprachen und des Mittelalters die gleichen Grundsätze historischer Kritik anzuwenden. Seit den letzten drei Jahren, wo ich mich größtenteils zu Paris aufhielt, habe ich mich fast ausschließend mit orientalischer Literatur und Sprachkunde beschäftigt, vorzüglich mit der indischen Sprache, deren Kenntnis außer England in Europa noch eben so selten als für alte Geschichte höchst wichtig ist. Ich bin jetzt mit der Ausarbeitung eines Werkes über diesen Gegenstand beschäftigt, und ich schmeichle mir, dass eure Exzellenz mir gütigst erlauben werden, Ihnen dasselbe überreichen zu dürfen.

            Die Collegia, welche meine bisherigen Studien mich in Stand setzen zu leisten, würden außer interpretierenden Vorlesungen über alte Kulturen, und außer allgemeiner und spezieller Literaturgeschichte noch Folgende sein; Universalgeschichte, besonders alte, Geschichte der Philosophie und orientalische Sprachen insofern diejenigen, mit welchen ich mich beschäftigt habe (die indische und persische) dem Bedürfnis und Zweck der Universität angemessen sein oder derselben zur Zierde gereichen können.

            Sollte zu einem mit der Professur der Philologie zu verbindenden philologischen Seminarium schon ein Plan entworfen sein, so werde ich sobald mir dieser bekannt ist, mit Gewissenhaftigkeit bestimmen, was ich nach meinen Kräften dafür zu leisten vermag.

            In vollem Vertrauen auf euer hochgräflicher Exzellenz bekannte gütige Gesinnung gegen Gelehrte, habe ich es gewagt, Ihnen meinen Wunsch grade zu vorzulegen, und habe die Ehre mich in

 

Köln am Rhein, 10. Juli 1805                                              

                                                                                              Friedr. Schlegel Doct. Philos. 

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