Blick auf das Hauptportal des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz
Blick auf das Hauptportal des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz
Bei seiner Eröffnung im Jahr 1898 stand das Lehrerbildungs-Seminar noch auf freiem Feld.
Bei seiner Eröffnung im Jahr 1898 stand das Lehrerbildungs-Seminar noch auf freiem Feld.
Der so genannte Theatertrakt wurde 2008 abgerissen.
Der so genannte Theatertrakt wurde 2008 abgerissen.
In diesem Saal am Wittelsbacherplatz spielte das Würzburger Stadttheater von 1948 bis 1966.
In diesem Saal am Wittelsbacherplatz spielte das Würzburger Stadttheater von 1948 bis 1966.
Der 2011 eröffnete Neubau am Wittelsbacherplatz. Fotos: Gunnar Bartsch, Robert Emmerich, Jörg Klawitter, Universitätsbauamt
Der 2011 eröffnete Neubau am Wittelsbacherplatz. Fotos: Gunnar Bartsch, Robert Emmerich, Jörg Klawitter, Universitätsbauamt

Das Gebäude am Wittelsbacherplatz

Von Anfang an eine Stätte der Lehrerausbildung

Im Universitätsgebäude am Wittelsbacherplatz gehen hauptsächlich Lehramtskandidaten ihrem Studium nach. Das war schon immer so: Der fast 200 Meter lange, schlossartige Prachtbau wurde am 1. Oktober 1898 als Königliches Schullehrer-Seminar eröffnet – damals in völlig unbebauter Umgebung.

Ein halbkreisförmiger Vorplatz sollte den repräsentativen Eindruck des Baus verstärken. Ihn gibt es heute noch, ebenso wie die schnurgerade verlaufende Seinsheimstraße, die direkt auf das Hauptportal zuführt.

Benannt ist die Straße nach dem Initiator der Lehrerbildung, dem Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1708-1779). Der geistliche und weltliche Herrscher hatte 1770 in Würzburg das erste staatliche Schulseminar im süddeutschen Raum eröffnet. In dessen Schulordnung schrieb er hinein: „Das Wohl und Beste eines Landes beruhet fast einzig und allein auf guten und besseren Schulanstalten“. Den Wert von Bildung und Ausbildung hatte der Fürstbischof offenbar erkannt.

Die ersten neun sorgsam ausgewählten Lehrerkandidaten wurden ab 1770 im universitätseigenen Münzgebäude unterrichtet. Sie bekamen erstmals eine eigenständige Ausbildung – damit war die bis dahin übliche handwerklich orientierte Berufsvorbereitung abgelöst. Zudem wurde die Lehrerausbildung in die Verantwortung des Staates gerückt.

Von Raumnot zu Raumnot

Die Raumnot war damals ein zentrales Problem. Weil es im Münzgebäude immer enger wurde, siedelte die Lehrerausbildung 1819 ins Kartäuserkloster über und zwei Jahre später ins Augustinerkloster, das sich auf dem Gelände der heutigen Polizeiinspektion Würzburg-Ost befand.

Doch auch in den folgenden Jahren war der Platzmangel nicht zu beseitigen, und das hatte mehrere Gründe. Zum einen führte der Staat 1824 für angehende Lehrer einen Internatszwang ein, was den Raumbedarf erhöhte. Zum anderen vollzog sich im 19. Jahrhundert der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Die Ansprüche ans Bildungssystem wuchsen, viele neue Volksschulen entstanden, die Schulpflicht stieg von sechs auf sieben Jahre. Dadurch waren erheblich mehr Lehrer nötig. Im Jahr 1800 wurden in Würzburg zwischen 12 und 15 Lehrkräfte ausgebildet, 1825 dann schon 82 und anno 1885 schließlich 136.

Hühner im Hof

Die räumliche Enge im Augustinerkloster verschärfte sich weiter, als dort auch noch die Lateinischen Schulen einzogen (aus denen sich später die Gymnasien entwickelten). Das war aber nicht das einzige Problem: Die Geflügelhaltung im Hof stieß den Bewohnern übel auf, und sie beschwerten sich über die feuchten Räume. Das offenbar zu Recht, denn viele von ihnen waren häufig krank.

Die Forderung nach einem Neubau ging schließlich 1898 in Erfüllung. Das Haus am Wittelsbacherplatz war so großzügig konzipiert, dass es den Lehrerseminaristen genug Raum bot. Es hatte vier Schlafsäle, eine Großküche mit Speisesaal, Räume fürs Zeichnen, Werken und Musizieren und sogar eine Hauskapelle. Ein Karzer vervollständigte die Ausstattung: In diese Arrestzelle kamen Studierende nach schwereren Verstößen gegen die Studienordnung.

Kriegsverwundete löschten Brand

Von 1935 bis 1937 wurden am Wittelsbacherplatz Hörsäle angebaut, ein Jahr später zwei Turnhallen mit Nebengebäuden. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin waren im nördlichen Trakt Kriegsverwundete untergebracht: Sie löschten in der Bombennacht des 16. März 1945 die Brände im Erdgeschoss und am Dachstuhl, so dass der Bau den Krieg weitgehend unbeschädigt überstand. Die amerikanische Armee hielt das Gebäude dann drei Jahre lang besetzt. Auf die Kriegsherren folgte die Kultur: Nach einem Umbau nutzte das Stadttheater ab 1948 die Turnhalle. Dort blieb es bis zum 3. Dezember 1966, dem Vortag der Einweihung des neuen Theaters an seinem heutigen Platz.

Im Schwebezustand bis 1977

In den folgenden Jahren befand sich das Gebäude am Wittelsbacherplatz in einer Art Schwebezustand: Sollte man es sanieren? Oder sollte man für die Lehrerausbildung einen Neubau ans Hubland stellen? In dieser Frage blieb die Universität lange unentschlossen – zu Lasten des Altbaus, da viele nötige Renovierungen unterblieben.

Nachdem jedoch ein Neubau für die Lehrerbildung vom Tisch war, schritt die Universität ab 1977 zur Tat. Sie ließ unter anderem Elektroanlagen und Heizung sanieren, einen CIP-Pool einrichten, das Dach neu decken, die Fassade verputzen, die Innenräume zum Großteil renovieren. Alles in allem flossen seitdem mindestens sieben Millionen Euro in das Gebäude.

Neubau und Sanierung ab 2008

Mit dem Abbruch des Theatertrakts ab Juli 2008 trat die Gesamtsanierung am Wittelsbacherplatz in eine weitere Phase. An Stelle des abgerissenen Trakts entstand ein Neubau mit zentraler Teilbibliothek und zwei neuen Hörsälen mit jeweils 288 Sitzplätzen. Er ging im Sommersemester 2011 in Betrieb.

In einem zweiten Bauabschnitt wurden ab 2011 die bisherigen Hörsäle abgerissen und ebenfalls durch einen Neubau ersetzt. Dieser ist vorgesehen für das Magazin der Teilbibliothek sowie für Büroflächen und Arbeitsplätze für die Philosophische Fakultät II. Die Baukosten betrugen insgesamt rund 10,5 Millionen Euro.

Robert Emmerich

Quelle: „Lehrerbildung in Würzburg. 100 Jahre Lehre und Forschung am Wittelsbacherplatz“, Erich Hußlein, Lothar Katzenberger, Wolfgang Schneider (Hrsg.), Würzburg 1998, ISBN 3-923959

 

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