
Die
Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preise, welche die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jedes Jahr an etwa zehn herausragende deutsche Wissenschaftler vergibt, werden bisweilen auch als die "deutschen Nobelpreise" bezeichnet. Denn keine andere wissenschaftliche Auszeichnung in der Bundesrepublik ist mit so hohen Geldsummen dotiert: die Preisträger können bis zu 2,5 Millionen Euro erhalten.
2009: Prof. Dr. Holger Braunschweig, Chemie
Der Experte für Anorganische Chemie arbeitet im Bereich metall- und elementorganische Chemie. Er konzentriert sich auf die Untersuchung von Übergangsmetallkomplexen mit Bor-zentrierten Liganden. Als wegweisend gelten seine Arbeiten, mit denen er das Element Bor durch die Verbindung mit Metallen gewissermaßen "gezähmt" hat. Auf diese Weise hat seine Arbeitsgruppe neue Moleküle erzeugt und ihnen neue Eigenschaften gegeben. Von den neuen Molekülen wird erwartet, dass sie die Katalyse und die Materialwissenschaften nachhaltig beeinflussen.
2006: Prof. Dr. Thomas Mussweiler, Psychologie
Der Sozialpsychologe beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Vergleichsprozesse bei Urteilen und Entscheidungen spielen. Seine Arbeiten sind für die psychologische Entscheidungsforschung von Bedeutung und haben auch wirtschaftliche Relevanz. Mussweiler war von 1995 bis 2004 an der Uni Würzburg tätig und wechselte 2005 als Professor für Sozialpsychologie und Differentielle Psychologie an die Uni Köln. Den Leibniz-Preis erhielt er im Wesentlichen für seine Würzburger Arbeiten.
2001: Prof. Dr. Ulrich Konrad, Musikwissenschaft
Ulrich Konrad ist seit 1996 Inhaber des Lehrstuhls für Musikwissenschaft an der Uni Würzburg. Laut DFG zeichnen sich seine Arbeiten durch eine große Vielfalt aus: "Als Mozartforscher, der anhand von mehr als 300 Werkskizzen Mozarts Schaffensweise in neuer Weise rekonstruierte, hat er sich international einen Namen gemacht. Außerdem setzt sich Konrad intensiv mit Komponisten und Kompositionen des 19. Jahrhunderts auseinander." In neuerer Musikgeschichte beschäftigt er sich unter anderem mit Richard Strauß, Franz Schmidt und Alban Berg.
1999: Prof. Dr. Martin Lohse, Pharmakologie
Lohse, der seit 1993 den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie an der Uni Würzburg innehat, befasst sich mit Rezeptoren für Hormone und für Überträgerstoffe des Nervensystems. Diese Rezeptoren erkennen und binden Botenstoffe und erzeugen Reaktionen in der Zelle: Über sie beschleunigt zum Beispiel Adrenalin den Herzschlag oder erhöht Insulin die Zuckeraufnahme. Rezeptoren sind auch ein bevorzugter Angriffspunkt für Arzneimittel.
1990: Prof. Dr. Bert Hölldobler, Zoologie
Der Experte für die Soziobiologie der Insekten hat bahnbrechende Arbeiten vor allem über das Sozialverhalten und die Ethoökologie der Ameisen vorgelegt. Das Sozialleben dieser Tiere erforscht er in den natürlichen Ökosystemen und in Laborexperimenten. 1969 ging Hölldobler an die Harvard-Universität in die USA. Mit seinem dortigen Kollegen Edward O. Wilson schrieb er das Fachbuch „The Ants“, das 1991 den Pulitzer-Preis erhielt. 1989 kehrte er an die Uni Würzburg zurück und hatte hier bis 2004 den Lehrstuhl für Zoologie II inne.
1986: Prof. Dr. Otto Ludwig Lange, Botanik/Ökologie
Der Professor hatte von 1963 bis zu seiner Emeritierung 1992 den Lehrstuhl für Botanik II an der Uni Würzburg inne. Er ist einer der Gründungsväter der pflanzenphysiologischen Ökologie. Vorrangiges Forschungsgebiet: die Ökophysiologie von Flechten, Cyanobakterien, Algen und Moosen.