10.02.2016

Von Würzburg in die Welt – und zurück


Patricia Appel (Foto: Vittorio Manta)

„Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten!“: Diesen Satz legt Patricia Appel Studierenden ans Herz, die auf der Suche nach einem Platz im Leben sind. (Foto: Vittorio Manta)

Patricia Appel hat an der Uni Würzburg Medizin studiert. Nach Stationen in Nepal und den USA arbeitet sie heute wieder an der Würzburger Universität. Außerdem tritt sie als Sängerin und Moderatorin auf. Das Künstlerische und das Therapeutische ergänzen sich dabei bisweilen ideal.

Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Alumna Patricia Appel an der Reihe.

Patricia Appel hat in Würzburg Medizin studiert. Sie arbeitet als Psychotherapeutin, Trainerin und Coach, und tritt unter dem Künstlernamen Patricia Klotz als Sängerin und Moderatorin auf. Sie arbeitet in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Würzburg.

Frau Appel, Sie haben in Nepal und in den USA gearbeitet - was ist Ihnen am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben? Aus Nepal sind mir am eindrücklichsten die Herzlichkeit, die Dankbarkeit und das Durchhaltevermögen der Menschen in Erinnerung geblieben. Manche Patienten waren drei Tage unterwegs, um in unsere Armenambulanz zu kommen. Und dennoch warteten sie geduldig in einer langen Schlange vor der Klinik und lächelten uns dann an, als sie endlich vor uns saßen. In den USA habe ich erlebt, wie ermutigend ein medizinisches Umfeld sein kann und wie anders die Fehlerkultur dort ist. Nach dem Motto „See one, do one, teach one“ wurde ich gut angeleitet, durfte dann rasch vieles ausprobieren und wenn ich einen Fehler machte, hieß es „Don’t worry. Just try again.“ Das ist in deutschen Kliniken nicht selbstverständlich.

Ihre Tätigkeiten sind unglaublich vielfältig. Wie schaffen Sie es, diese alle unter einen Hut zu bringen? Ich liebe große Hüte! Aber zugegebenermaßen wird es manchmal auch unter einem großen Hut eng. Dann versuche ich Prioritäten zu setzen, umzudenken und wieder Raum zu schaffen. Und unter dem Strich ist es sehr bereichernd, so viele verschiedene Dinge tun zu dürfen und so viel Abwechslung zu genießen. Ehrlich gesagt könnte ich wohl auch gar nicht anders, weil mir sonst immer ein Aspekt fehlen würde. Das Künstlerische ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner therapeutischen und ärztlichen Tätigkeit. Und dann gibt es natürlich auch Bereiche, beispielsweise wenn ich Seminare halte, in denen sich meine unterschiedlichen Kompetenzen sehr passend ergänzen.

Wie würden Sie Ihren Arbeitsbereich in der Universitätsklinik und an der Uni beschreiben? Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit unterrichte ich Medizinstudenten unter anderem in ärztlicher Gesprächsführung. Außerdem arbeite ich diagnostisch und psychotherapeutisch in unserer Hochschulambulanz, die von einem sehr breiten Spektrum an Patienten aufgesucht wird.

Gibt es so etwas wie „Trends“ im Bereich der Medizinischen Psychologie? Inwiefern können Sie Ihre vielfältigen Ausbildungen in Ihrem Arbeitsbereich einsetzen? In den vergangenen Jahren hat die Arzt-Patienten-Kommunikation – und das freut mich persönlich sehr – einen immer größeren Stellenwert in Studium und ärztlicher Ausbildung bekommen. Man weiß heute, dass sie eine wichtige Voraussetzung für den Behandlungserfolg und für die Zufriedenheit der Patienten darstellt. Seit einigen Jahren arbeiten wir daher mit Schauspielpatienten. Dadurch können die Studierenden schwierige Gesprächssituationen üben, die sehr nahe an der Realität sind, in denen sie aber auch Fehler machen dürfen und sich ausprobieren können. Durch meine ärztliche, psychotherapeutische und künstlerische Erfahrung kann ich die Studierenden darin unterstützen, eine authentische Präsenz zu entwickeln, mit Unsicherheiten umzugehen und eine verständnisvolle Beziehung zu ihren Patienten aufzubauen.

Haben Sie ein Lebensmotto? Mir ist es wichtig Dinge zu tun, die meinem Leben einen Sinn geben. Und dazu gehören Begegnungen und Kontakte mit anderen Menschen, in denen ich diesen einen Impuls geben und ihnen Lebendigkeit und Lebensfreude vermitteln kann. Thornton Wilder fasste es mit den Worten zusammen: „Man muss das Leben lieben, um es zu leben, und man muss das Leben leben, um es zu lieben.“

Was raten Sie Studierenden, die ebenfalls verschiedene Talente und berufliche Tätigkeiten verbinden möchten? Ein wunderschöner Satz von Marianne Williamson, den auch schon Nelson Mandela in seiner Antrittsrede zitiert hat, ist: „Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten!“. Ich rate den Studierenden herauszufinden, was sie leuchten lässt, sich daran zu orientieren und sich dabei nicht entmutigen zu lassen. In einer Welt, in der meist Spezialisten gefragt sind, ist es nicht immer leicht, vielseitig zu sein und dadurch nicht in eine Schublade zu passen. Oft ist es ein längerer Prozess, seinen Platz zu finden und verschiedene Talente zusammenzubringen – aber wenn es dann gelingt, ist es lebendig und bereichernd. Das Leben mit all seinen schönen Seiten und Herausforderungen ist schließlich genauso vielfältig und bunt.

Vielen Dank!

Von: Michaela Thiel

10.02.2016, 14:24 Uhr