05.05.2015

"Smart Hobos": Neue Einblicke ins Bienenleben


Zoologe und Bienenforscher Jürgen Tautz erklärt den neuen Ansatz von "Smart Hobos". (Foto: Stefan Sauer)

Zoologe und Bienenforscher Jürgen Tautz erklärt den neuen Ansatz von "Smart Hobos". (Foto: Stefan Sauer)

Mit einer weltweit einzigartigen Technik wird es ab Sommer dieses Jahres möglich sein, ein Bienenvolk über das Internet nahezu ungestört zu beobachten und Messdaten zu erfassen.

Audi Stiftung für Umwelt unterstützt Smart Hobos

Die Audi Stiftung für Umwelt GmbH unterstützt das Bienenprojekt der Universität Würzburg Hobos in den kommenden drei Jahren. Ziel ist die Einrichtung einer völlig neuartigen Hightech-Honigbienen-Forschungsstation auf dem Gelände der Audi-Fertigung Münchsmünster nahe dem Stammsitz der Audi AG in Ingolstadt. 

Die HoneyBee Online Studies – Hobos

Hobos (Honeybee Online Studies) ist ein Umweltprojekt von Professor Dr. Jürgen Tautz, das an der Honigbiene festgemacht wird. Über das zweisprachige Portal www.hobos.de kann jeder Bieneninteressierte weltweit bisher in zwei echte Honigbienenstöcke schauen, die in Würzburg und Bad Schwartau stehen. Verschiedene Kameras und Sensoren zeichnen rund um die Uhr die Bienen im Stock und die Umgebung auf.

Alle Videos und Messdaten stehen den Nutzern live und gespeichert zur Verfügung. Messwerte lassen sich beliebig auswählen und miteinander in Beziehung setzen, so dass automatisch generierte Grafiken die hochkomplexen Lebensvorgänge der Honigbienen und wichtige Zusammenhänge in der Natur deutlich machen. So zeigt Hobos beispielsweise bei welchem Wetter die Bienen ausfliegen, wie warm es im Winter im Stock ist und ob die Bienen nachts schlafen. Hobos ermöglicht wissenschaftliche Beobachtungen und auch Neuentdeckungen zum drittwichtigsten Nutztier des Menschen nach Rind und Schwein.

Smart Hobos – nie dagewesene Einblicke in den Wabenbau

Seit Herbst 2014 hat das Hobos-Team gemeinsam mit der Audi Stiftung für Umwelt das Hobos-Konzept weiterentwickelt. Smart Hobos wird die Welt der Honigbienen noch genauer erforschen, denn alle bisherigen Arbeiten wurden an beimkerten Bienenstöcken durchgeführt. Der Kern der neuen Smart Hobos-Forschungsstation auf dem Audi Werksgelände in Münchsmünster ist ein frei gebautes Honigbienennest. Wilde Honigbienenvölker errichten ihre Nester in natürlich vorkommenden Baumhöhlen im Wald.

Ein frei gebautes Bienennest ist der Natur somit stärker nachempfunden als ein beimkerter Bienenstock mit Rähmchen. Ein 360 Grad schwenkbarer Roboterarm ermöglicht neben anderer moderner Technik einen vollkommen neuartigen, großflächigen Blick auf die Waben und in die Wabengassen hinein, ohne die Bienen in ihrem natürlichen Verhalten zu stören. Damit gewährt Smart Hobos bisher nie dagewesene Einblicke in den Wabenbau der Honigbienen.

Forschung vor aller Augen

„Hobos ist ein Forschungslabor, das es möglich gemacht hat, den viel gescholtenen Elfenbeinturm der Wissenschaft zu verlassen: Die Forschung mit Hobos findet vor aller Augen statt. Sie kann von allen selbst durchgeführt werden, jeder kann über das Internet sämtliche gewonnen Daten aufnehmen und nutzen und so eigene neue Erkenntnisse gewinnen.“ Mit diesen Worten stellte Universitätspräsident Alfred Forchel das Bienenprojekt vor.

Zwar sei für viele Datenbanken dieser freie Zugang mittlerweile selbstverständlich, jedoch nicht für Forschungsprojekte. „Mit dieser Transparenz eines Forschungsprojektes ist Hobos absoluter Vorreiter, und auch viele Schulen nutzen dieses Angebot in ihrem Unterricht“, so Forchel.

Hobos sei für die Universität Würzburg aber auch deshalb interessant, weil diese Art der Erforschung des Lebens der Bienen und ihrer Umwelt immer wieder Herausforderungen für Innovationen stellt. Innovationen, die sich in den Grenzgebieten zwischen den Disziplinen bewegen – hier beispielsweise Biologie – Mensch-Computersysteme oder Mikro- und Nanotechologie –, und die Disziplinen auf diese Weise auch immer enger vernetzen.

Deshalb sprach Forchel der Audi Stiftung für Umwelt seinen herzlichen Dank aus. „Wir freuen uns außerordentlich über Ihre großzügige Unterstützung des Projekts „Smart Hobos“. Sie erlaubt es uns, diese weltweit bisher einmalige Forschungs-, Lehr- und Lernplattform, auf die unsere Universität sehr stolz sein kann, weiter auszubauen.“

Das Engagement der Audi Stiftung für Umwelt

„Angesichts des Bienensterbens spielt der Artenschutz dieses Insektes eine sehr große Rolle; die Biene gilt als drittwichtigstes Nutztier des Menschen“, erklärte Dr. Dagobert Achatz, Sprecher der Geschäftsführung der Audi Stiftung für Umwelt. Innerhalb ihrer Förderbereiche setze die Stiftung daher einen besonderen Schwerpunkt auf die Honigbiene.

„Die Gesamt-Konstruktion des Projektes Smart Hobos stellt für uns einen ‚Umwelt-Technologie-Sprung‘ im Bereich biologischer Verhaltensforschung dar. Auch gefällt uns besonders die Anknüpfung an andere Forschungsfelder, wie etwa die wissenschaftliche Verarbeitung von sehr großen Datenmengen. Zudem unterstützen wir den Open Source Gedanken – die Liveübertragung der Daten ins Internet erlaubt es nicht nur Wissenschaftlern vor Ort, sondern den Interessierten weltweit quasi kostenlos auf dieses ‚Internet-Labor‘ zuzugreifen“, so Achatz.

Die Audi Stiftung für Umwelt GmbH

Die gemeinnützige Audi Stiftung für Umwelt GmbH ist Teil des umweltpolitischen Engagements des Audi Konzerns. Die Stiftung unterstützt Projekte zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen und fördert wissenschaftliche Arbeiten, die zu einem nachhaltigen Mensch-Umwelt-System beitragen. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von umweltverträglichen Technologien zu verbessern und die Bildungsarbeit zu Umweltthemen zu fördern. Der Themenkomplex Bienen stellt einen aktuellen Projekt-Schwerpunkt der Stiftung dar.

 

Uni-Präsident Alfred Forchel, der Geschäftsführer der Audi Stiftung für die Umwelt, Dagobert Achatz und Bienenforscher Jürgen Tautz bei der Durchsicht von Unterrichtsmaterial aus dem Projekt Smart Hobos (Fotos: Stefan Sauer).

Weitere Fotos und Informationen zu Hobos erhalten Sie über:

Kristina Vonend
Hobos-Pressereferentin
Germanistin, M.A.
0151 1890 1938
kontakt@vonend.com
www.vonend.com

05.05.2015, 12:33 Uhr