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BMBF-Projekte im "Qualitätspakt Lehre"

Didaktik von Studierenden für Studierende

17.10.2017

Schüler lernen und studentische Betreuer üben das Lehren: „Lehr-Lern-Labore“ (LLL) sind Labore, in denen Lehramtsstudierende Schüler betreuen. Einmalig an der Fakultät für Chemie und Pharmazie: Ältere Chemiestudierende bilden als LLL-Coaches jüngere Mitstudierende zu Betreuern von Experimentier-Stationen aus.

Die Lehramts-Studierenden unterstützen die Schüler beim selbstständigen Experimentieren im LLL - und trainieren dabei das Chemielehrer-Sein. (Foto: Didaktik der Chemie, Uni Würzburg)

Die Lehramts-Studierenden unterstützen die Schüler beim selbstständigen Experimentieren im LLL - und trainieren dabei das Chemielehrer-Sein. (Foto: Didaktik der Chemie, Uni Würzburg)

Die Didaktik der Chemie an der Universität Würzburg hat mittlerweile 19 LLLs im Angebot. Das Konzept: Schüler experimentieren selbständig an verschiedenen Labor-Stationen und erhalten dabei Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsweisen. Betreuer der Schüler bei einem LLL-Besuch sind einmal nicht die Lehrer, sondern Lehramtsstudierende. Sie bieten immer wieder aktuelle Themen für die Jahrgangsstufen 1 bis 12 in Grund-, Mittel- und Realschule und Gymnasium an. „Unsere Lehr-Lern-Labore bieten eine hervorragende Gelegenheit, in einem unterrichtsnahen Umfeld frühzeitig Praxiserfahrung bei der Betreuung von Schülern aller Jahrgangsstufen zu sammeln“, meint Dr. Katja Weirauch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Chemiedidaktik. „Unsere Lehramtsstudierenden können gar nicht genug Lehr-Training bekommen, bevor sie ins Referendariat gehen“.

Erfahrene Studierende bilden Studienanfänger aus

Ein ganz neues Format hat die Fachdidaktik Chemie nun für ihre LLLs entwickelt: Erfahrene Lehramtsstudierende werden im Rahmen des KOMPASS Tutoren- und Mentorenprogramms geschult, um als Coaches auch Studienanfänger bei der Betreuung eines LLL anleiten zu dürfen. Allein im Sommersemester 2017 waren sechs KOMPASS-Tutorinnen als Coaches im Einsatz und haben nicht nur 166 Schüler betreut, sondern zugleich zahlreiche Mitstudierende zu neuen LLL-Betreuern ausgebildet.

Das neue Coaching-Konzept bringt viele Vorteile, so Hans-Christian Schmitt, Koordinator des KOMPASS-Programms an der Fakultät für Chemie und Pharmazie: „Unerfahrene Lehramtsstudierende melden sich freiwillig als neue Betreuer an, sie lernen frühzeitig die Praxis des Lehrerberufs kennen und sammeln wichtige Erfahrungen für ihren späteren Beruf.“ Im Studienverlauf rückt die Berufspraxiserfahrung oft weit nach hinten, da Vorlesungen und Laborpraktika den Stundenplan füllen.

LLL-Coaches haben viele Aufgaben und Rollen, die sie stemmen müssen: Zwei Coaches bilden pro LLL die Organisationsleitung, sie müssen mit Lehrern, Schülern und ihren Mitstudierenden kommunizieren und alle Abläufe regeln. Die studentischen Coaches sind verantwortlich, studentische Betreuer auszubilden und einzuarbeiten – pro LLL können dies fünf bis zehn an den Versuchsstationen plus zwei weitere als „Springer“ vor Ort sein.

Was man als Coach alles tun muss: Sie organisieren einen Coaching-Termin im aufgebauten Labor, weisen die Betreuer in die einzelnen Stationen ein und erläutern die eigens hergestellten Handouts, in denen die fachlichen Hintergründe, die Durchführung der Versuche und die didaktische Herangehensweise beschrieben sind. Gemeinsam wiederholen sie Laborregeln und formulieren Erwartungen. Die Coaches sprechen den Ablauf der Versuchsstation genau mit dem Betreuer durch, danach darf der Betreuer im Coaching-Termin seine Versuchsstation einmal als Trockenübung ausprobieren.

LLL-Coaches sind zudem aktiv in die Organisation rund um die LLLs eingebunden, sie koordinieren und organisieren den Besuch von Schulklassen, beantworten Lehreranfragen und managen den Besuchstermin mit einer Dauer von vier bis sechs Stunden vor Ort. Jedes Mal gilt es, Skripte für Schüler und Lehrer zu erstellen und das Material für die Versuchsaufbauten zusammenzutragen. Wenn dann die Besucherklasse eintrifft und jeder Schüler mit Kittel und Schutzbrille ausgestattet ist, erklären die Coaches Abläufe und Regeln. Sie teilen die Schüler jeweils in Dreiergruppen ein und schicken sie los zu den Stationsbetreuern.

Dann übernehmen die studentischen Betreuer die Leitung für das kleine Experiment, das die Schüler erproben und über das sie gemeinsam diskutieren. Am Ende eines LLL-Tages treffen sich Coaches, Betreuer und Lehrkraft zu einer kurzen Feedback-Runde. „Hier bekommen wir wesentliche Tipps für den Lehrerberuf. Ein wichtiger Aspekt des Lehrerseins besteht auch darin, sich im richtigen Moment zurück zu nehmen und nichts zu sagen. Das ist ganz schön schwer“, sagt eine Betreuerin.

Coaches mit Begeisterung und Überzeugung

Sarah Skrzypczyk (8. Semester Lehramt Gymnasium für Chemie und Biologie) und Carina Krell (10. Semester Lehramt Gymnasium für Chemie und Erdkunde) sind zwei von sechs Coaches im KOMPASS-Team. Ihren Job als Coaches leben sie beide mit großer Begeisterung, regelmäßig sorgen sie für LLL-Nachwuchs unter den Erstsemesterstudierenden. Mit überzeugenden Argumenten holen sie Neueinsteiger ins LLL: Zum einen erhalten Betreuer eines LLL eine offizielle Bestätigung, die sich immer gut in Bewerbungsmappen macht. Alternativ kann mit der Betreuung von zwei LLL ein Teil des Moduls „Außerschulische Lernorte“ abgegolten werden.

Viel wichtiger aber ist für Sarah und Carina der große Vorteil für alle LLL-Mitwirkenden, schon früh im Studium vor der entscheidenden Frage zu stehen: Bin ich für das Lehramt tatsächlich geeignet? Laut Sarah und Carina bildet die „Didaktik von Studis für Studis“ den großen Anreiz des Coaching-Konzeptes im LLL Chemie: „Wir begleiten unsere Studieneinsteiger bei ganz neuen Erfahrungen, wenn diese zum ersten Mal vor Schülern mit ganz heterogenem Förderbedarf stehen. Unsere Betreuer stellen wichtige didaktische Überlegungen an: Welche konkreten Fragen stelle ich den Schülern als Betreuer einer Station? Und zu welchem Zeitpunkt? Wie halte ich mich aber auch möglichst gut zurück?“, bemerken die Coaches. „Wir geben unseren jungen Mitstudierenden Tipps für das professionelle Agieren mit den Schülern und ermutigen sie, die Schüler – und nicht die Lehrer! – reden und diskutieren zu lassen.“

Sarah und Carina sind überzeugt: Schüler können sich für die Naturwissenschaft begeistern, sie sind neugierig und wollen von den Betreuern viel über ein Studium an der Uni erfahren. Für manch einen Betreuer ist auch diese Rolle als „Studienberater“ für Oberschüler eine gute Erfahrung, stellen die beiden Studentinnen fest.

Routine für den späteren Berufsalltag

Aus eigener Erfahrung würde Carina jedem Erstsemesterstudierenden empfehlen, sich einmal in einem LLL zu engagieren: „Der Kontakt zu Schülern schon während meiner ersten Studiensemester hat mir viel gebracht, seitdem kommuniziere und organisiere ich gerne mit Lehrern. Das bringt mir Routine für den späteren Berufsalltag.“ Im LLL hat Carina sehr früh die Perspektive des Lehrers kennen gelernt und sich in ihrer Studienwahl bestätigt gefühlt. „Mir gefällt auch, dass wir in unserem Team jahrgangsübergreifend arbeiten, dies fördert unheimlich das gemeinschaftliche Unileben über die Jahrgänge hinaus“, sagt sie.

Auch Sarah durfte dank ihrer Erfahrungen im LLL von den frühzeitigen Kontakten zu Schülern profitieren: „Schüler bringen Neugier, Kreativität und Offenheit mit, und mir macht es viel Spaß, für jedes LLL immer wieder neue Ideen für Versuchsaufbauten zu entwickeln.“ Gerne überarbeite sie die LLL-Skripte für Schüler, Lehrer und Studierende immer wieder von neuem, denn „meine persönliche Begeisterung für Chemie möchte ich Schülern und Erstis unbedingt weitergeben“, so Carina.

Koordinator Hans Christian Schmitt ist ebenfalls vom neuen Coaching-Konzept in seiner Fakultät überzeugt: „Unsere Coaches sind ein tolles Team, das sich zugleich für die Betreuung der Schüler als auch ihrer Mitstudierenden einsetzt.“ Das KOMPASS-Team in der Fakultät für Chemie und Pharmazie bietet neben dem LLL-Coaching-Konzept weitere Angebote für Studierende der ersten Semester: Vorlesungs- und praktikumsbegleitende Tutorien bzw. Übungsgruppen mit prüfungsbegleitenden Angeboten, einen Mathematik-Vorkurs für Studieneinsteiger der Chemie (Bachelor) sowie MINT Erklär-Hiwis.

Webseiten und Kontakt

Lehr-Lern-Labore in der Chemiedidaktik

KOMPASS Tutoren- und Mentorenprogramm in der Fakultät für Chemie und Pharmazie

Dr. Katja Weirauch, Didaktik der Chemie am Institut für Anorganische Chemie, T. +49 931 31-83353, katja.weirauch@uni-wuerzburg.de

Hans-Christian Schmitt, KOMPASS Tutoren- und Mentorenprogramm an der Fakultät für Chemie und Pharmazie, T. +49 931 31-80522, Mail: hans-christian.schmitt@uni-wuerzburg.de

Von Annette Popp

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