Pressemitteilung Nr. 029/2006
29. Mai 2006


Vor dem Fußballspiel gegen Deutschland


Sportstudent Carlos aus Costa Rica:
Der einzige "Tico" in Würzburg


An der Würzburger Uni sind derzeit 1.656 ausländische Studierende eingeschrieben. Nur einer davon kommt aus Costa Rica, dem ersten Gegner der Deutschen bei der Fußball-WM. Er heißt Carlos Luis Granados Villalobos und studiert Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Rehabilitation und Prävention.

Carlos Luis Granados Villalobos ist der einzige Costaricaner in Würzburg. An der Uni studiert er Sportwissenschaft. Foto: Robert Emmerich "Es wäre gut, wenn Deutschland Weltmeister wird, weil ich hier viele Freunde habe und weil ich das Land mag", sagt er. Das glaubt man ihm gleich. Der 33-Jährige trägt ein weißes T-Shirt mit schwarz-rot-goldenen Bündchen und einem Aufdruck: "Carlos in Germany". Das macht sich gut auf Fotos, die für die Heimat bestimmt sind.

Für die deutschen Nationalkicker werde es aber schwer, den Titel zu holen. "Gewinnen werden vermutlich die Niederlande oder Brasilien. Oder als Überraschung Tschechien", meint Carlos. Gegen Costa Rica müssten Ballack & Co. am 9. Juni gut auf der Hut sein: "Meine Freunde zu Hause und ich meinen, dass wir 2:1 gewinnen."

Wenn es wirklich so kommen sollte, muss der Student theoretisch alleine jubeln. Denn er ist nicht nur der einzige Costaricaner an der Uni, sondern in ganz Würzburg, wie bei der Stadt zu erfahren ist. In der Praxis aber wird Carlos das Eröffnungsspiel in seiner Wohnung in Würzburg sehen. Mit dabei: Seine Freundin Julia und 20 deutsche Freunde - und sie alle werden sich bestimmt mit ihm freuen, falls Costa Rica gewinnt.

"Ich bin ein guter Fan, spiele aber selber schlecht Fußball", sagt Carlos. Dafür glänzt er in einer anderen Sportart. Zu Hause, in der Hauptstadt San José, betreibt sein Vater eine Privatschule für Taekwondo. Dort hat Carlos diesen Kampfsport gelernt - und es mit seinem Talent bis in den Kader der Nationalmannschaft gebracht.

An der Universität von Costa Rica, der renommiertesten Hochschule des Landes, hat der junge Mann schon ein Sportstudium absolviert. Danach arbeitete er als Sportlehrer an einer Schule und gab auch Unterricht in der Taekwondo-Schule des Vaters. Doch dann änderte sich sein Leben schlagartig. Eines Abends lief ihm in einer Disco Julia über den Weg. Die gebürtige Dettelbacherin machte damals im Rahmen ihres Kulturwissenschaft-Studiums ein Praktikum in Costa Rica. Zwischen den beiden funkte es. Als Julia nach Deutschland zurückging, kam Carlos bald nach.

Das ist jetzt drei Jahre her. Kein einziges Wort Deutsch konnte er damals. Heute dagegen könnte man Carlos als Paradebeispiel für eine gelungene Integration vorzeigen. Beim Turnverein Dettelbach hat er eine Taekwondo-Abteilung gegründet und trainiert dort zwei Mal in der Woche mit rund 50 Sportbegeisterten. Beim Dettelbacher Jugendtanzsportclub und an den Volkshochschulen in Würzburg und Kitzingen unterrichtet er Salsa Aerobic und T.Bo - das ist eine Kombination aus Kampfsportelementen und Musik zur Steigerung der Kondition. Rund 250 Personen pro Woche dürften es sein, die sich mit ihm fit halten, schätzt Carlos.

Neben dem Sport hat der Latino eine zweite große Leidenschaft: die Musik. Freitag abends macht Carlos in der Würzburger Bar Enchilada den DJ. "Nein, ich lege da nicht Salsa und Merengue auf", wehrt er gleich ab, "das denken nämlich alle zuerst." Stattdessen tönen bei ihm die Musikrichtungen Lounge und Latin House aus den Boxen.

Für seine Zukunft schwebt ihm allerdings kein Dasein am Plattenteller vor. Wenn er mit dem Studium fertig ist, will er im Reha-Bereich arbeiten, etwa mit Patienten, die einen Unfall oder einen Herzinfarkt überstanden haben. "Mein Ziel ist es, Taekwondo so zu modifizieren, dass man es bei der Reha einsetzen kann", sagt Carlos. Über dieses Thema will er auch seine Diplomarbeit schreiben.



In Stichworten: Carlos über seine Heimat

  • Die Costaricaner sind Nachfahren von Spaniern, Afrikanern, Indianern und Chinesen. Wir haben vier Millionen Einwohner und sind ein sehr kleines Land zwischen Panama und Nicaragua: In knapp sechs Stunden kann man mit dem Auto vom Pazifik zum Atlantik fahren!

  • Typisch für Costa Rica: Regenwald, Wasserfälle, Erdbeben. Und Vulkane: Der Irazú, der Arenal und der Poás. Der höchste Berg heißt Chirripó (3.819 Meter).

  • Die Natur ist uns wichtig, 25 Prozent des Landes stehen unter Naturschutz. Es gibt Kolibris, Tukane, Jaguare, Delfine, Riesenschildkröten und mehr. Obwohl Costa Rica deutlich kleiner als Bayern ist, kommen bei uns sechs Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Welt vor.

  • In Mittelamerika haben die Costaricaner den Spitznamen Ticos. Wenn wir so genannt werden, geht uns das Herz auf!

  • Zur Begrüßung und als Antwort auf die Frage "Wie geht's?" sagen wir "Pura vida!". Das heißt wörtlich übersetzt "das reine Leben".

  • Besonders stolz sind wir auf zwei Landsmänner: Unseren Präsidenten Óscar Arias Sánchez, von 1986 bis 1990 im Amt und im März 2006 wiedergewählt. Er bekam 1987 den Friedensnobelpreis für die Art und Weise, wie er in Mittelamerika Frieden hergestellt hat. Und den Physiker Franklin Chang Díaz, der erste costaricanische Astronaut. Kein Mensch auf der Welt war so oft im Weltraum wie er (Chang Díaz war sieben Mal im All, gut 1.600 Stunden lang. Er hat dabei drei Weltraumspaziergänge gemacht.)

  • In der Wirtschaft ganz wichtig sind Öko-Tourismus, Kaffee-Anbau und die Firma Intel.

  • Seit 1948 haben wir kein Militär mehr. Die anderen Latinos nennen uns darum auch die "Schweiz von Mittelamerika". Das Geld, das früher in die Armee ging, wird stattdessen für Gesundheit und Erziehung verwendet. Es gibt vier staatliche Universitäten und viele private, bestimmt an die 20.

  • Anfragen an:   presse@zv.uni-wuerzburg.de

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