|
11. Mai 2006 Die Universitäten in Deutschland verändern sich: Im Zuge der europaweiten Vereinheitlichung führen sie derzeit nach und nach Bachelor-Master-Studiengänge ein. "Die zukünftigen Arbeitgeber unserer Absolventen betrachten diesen Prozess eher wie ein Schauspiel", so Würzburgs Unipräsident Axel Haase. "Wo und wie aber bereiten sie sich auf Bachelor- und Master-Absolventen vor?" Bei der Industrie und den öffentlichen Arbeitgebern sei diesbezüglich Bewegung nötig, "sonst produzieren wir Absolventen nicht nur am Markt vorbei, sondern eventuell für gar keinen Markt", sagte Haase am 11. Mai beim Stiftungsfest der Universität in der Neubaukirche. Das gelte vor allem für Bachelor-Absolventen, für die es sehr schnell geeignete Beschäftigungsmodelle geben müsse. Denn Bachelors werden in großer Zahl auf den Arbeitsmarkt drängen - "sei es, um möglichst bald Geld zu verdienen, sei es, weil nicht genug Master-Studienplätze existieren". Veränderungen werden auch die Studienbeiträge bringen, die der Freistaat Bayern zum Sommersemester 2007 einführen will. Wie Haase vermutet, werden sie das Studierverhalten ändern: Heute werde erst einmal aus Interesse oder Neugier, oft auch aus Orientierungsschwierigkeiten heraus, testweise ein Fach oder eine Fächerkombination gewählt - was nach einigen Semestern zum Abbruch oder Umstieg führen könne. Zukünftig dagegen würden die Studienanfänger ihr Augenmerk mehr auf das Ende des Studiums oder den Beginn der Berufstätigkeit legen. "Manche mögen das bedauern, ich finde es richtig", so der Präsident. Leider werde dies zwangsläufig dazu führen, dass einige Fächer deutlich an Gewicht verlieren, weil dort - ergebnisorientiert gedacht - keine Berufsaussichten bestehen oder auch weil die Chance gering sei, Darlehen wieder zurückzahlen zu können, die zur Finanzierung des Studiums aufgenommen wurden. Noch mehr als bisher habe die Universität künftig die Aufgabe, die zusätzlichen Mittel, die sie aus den Studienbeiträgen erhält, in die Beratung und Betreuung der Studierenden zu stecken. Haase: "Wir müssen noch mehr Orientierung geben, zumal die überwiegende Zahl der universitären Fächer und Themen in der Schule nie auch nur annährend berührt wurden."
Beim Stiftungsfest in der Neubaukirche (von rechts): Anastasia Manola, Trägerin des DAAD-Preises, Röntgenpreisträger Michael Menth, Unipräsident Axel Haase, Professor Volker ter Meulen, der die Verdienstmedaille "Bene merenti" in Gold verliehen bekam, und Professor Phuoc Tran-Gia, der die Festrede hielt. Foto: Robert Emmerich
Die Festrede hielt Professor Phuoc Tran-Gia, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik III, über das Thema "Internet-Forschung: Reparaturbetrieb oder Vision?" In einem Abriss zur Geschichte des Internet beschrieb er, wie das weltumspannende Netz rein zufällig zu Stande kam. Die Konsequenz: "Zukünftige Anwendungen können einfach nicht auf Steuerungs-Infrastrukturen des vor fast 40 Jahren entstandenen Internet zuverlässig funktionieren." Tran-Gia beschrieb auch die Vision der Wissenschaft vom "nächsten Internet". Hier gebe es in den USA, Europa und Deutschland konkrete Vorstellungen, die unter Beteiligung der Uni Würzburg entstanden seien. Musikalisch umrahmt wurde das Stiftungsfest von Mitgliedern des Akademischen Orchesters. Die Feier endete mit einem Stehempfang auf der Empore der Neubaukirche. Anfragen an: presse@zv.uni-wuerzburg.de |
