Pressemitteilung Nr. 076/2005
30. November 2005


Präsident Haase: "Dieser Studiengang hat höchste Zukunftsrelevanz"


Schlüsseltechnologie für Uni Würzburg: Technologie der Funktionswerkstoffe


Die gezielte Synthese und Technologie neuer Materialien zählt neben der Nanotechnologie, der Informationstechnik und der Bio- und Gentechnologie zu den prägenden Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel hat vor Wochenfrist die "grundsätzliche Billigung" eines neuen Studienganges "Technologie der Funktionswerkstoffe" an der Universität Würzburg bekanntgegeben. Details dieser Entscheidung seien noch in einer Zielvereinbarung zwischen Ministerium und Universität abzusichern.

"Dieser Studiengang hat als Schlüsseltechnologie höchste Zukunftsrelevanz": Mit diesen Worten charakterisierte Universitätspräsident Prof. Dr. Axel Haase die Bedeutung der Entscheidung des Ministeriums für die Universität Würzburg. Er sei Teil des Gesamtkonzepts der Universität, das die Einführung von ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen vorsieht. Weitere Studiengänge, die bereits erfolgreich in Würzburg eingerichtet wurden, sind die Nanostrukturtechnik und die technische Informatik. Die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge nutzten und ergänzten die vorhandenen Ressourcen der Universität in idealer Weise.

Mit der Entscheidung des Ministeriums ist ein seit Mitte der 90er-Jahre andauernder Kampf um neue technische Studiengänge nun offenbar von Erfolg gekrönt. Im Rahmen einer Pressekonferenz erläuterte Präsident Prof. Haase zusammen mit Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Prof. Dr. Heribert Weber, Präsident der FH Würzburg-Schweinfurt, Kanzler Bruno Forster, Prof. Dr. Ingfried Zimmermann, Prodekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie und Prof. Dr. Gerd Müller, Leiter des Würzburger Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung, die Zukunft des materialwissenschaftlichen Studiengangs in Würzburg.

Der Studiengang wurde, so Präsident Prof. Haase, in enger Kooperation der Universität Würzburg mit der Wirtschaft in Unterfranken entwickelt. Bereits heute gebe es in der Forschung an der Universität und an den außeruniversitären Würzburger Forschungseinrichtungen fachübergreifende Kooperationen und Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Funktionswerkstoffe. Die Einrichtung des Studiengangs folge damit den bereits vorhandenen exzellenten Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet.

Im neuen Studiengang soll die Ausbildung über das reine Fachwissen hinaus auch Kenntnisse in grundlegenden industriellen Arbeits- und Führungstechniken vermitteln. Das Studienprogramm umfasst damit auch Lehrveranstaltungen anderer Fakultäten, wie der Rechts- und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Technologische Fachkompetenz wird auch von der Fachhochschule Würzburg/Schweinfurt in Rahmen eines bereits bestehenden Kooperationsabkommens zur Verfügung gestellt.

Zuletzt erhielten die Würzburger durch die positive Grundstimmung der Kommission "Wissenschaftsland Bayern 2020" (Mittelstrass-Kommission) zu dem gewünschten Studiengangs in Würzburg Auftrieb: In Würzburg, heißt es da, "ginge es darum, durch Fokussierung und vertiefte Ausrichtung auf bestimmte Schwerpunkte gemeinsam mit Fachhochschulen (wie im Falle des kooperativen Studiengangs 'Technologie der Funktionswerkstoffe' mit der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt) und ausgewählten außeruniversitären und benachbarten universitären Einrichtungen eine schon jetzt leistungsstarke Wissenschaftsregion durch kooperative Elemente zu verstärken".

Der Studiengang Technologie der Funktionswerkstoffe mit den Abschlüssen Bachelor bzw. Master of Science findet sich im 1996 beschlossene Konzept "Weiterentwicklung der Universität Würzburg - Ingenieurwissenschaftliche Studiengänge" neben der Nanostrukturtechnik und der Technischen Informatik mit dem Ziel, einen essentiellen Beitrag zur Profilbildung der Universität Würzburg durch die Einführung ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zu leisten. In der Folge hat der Ministerrat in München in seiner Sitzung vom 26. Mai 1998 den Beschluss gefasst, die Einführung des ingenieurwissenschaftlichen Studiengangs "Technologie der Funktionswerkstoffe" an der Universität Würzburg anzustreben und die hierfür erforderlichen Schritte umgehend einzuleiten.

Nachdem das Wissenschaftsministerium die Begutachtung durch den Wissenschaftsrat eingeleitet hatte, wurden die Planungen der Universität Würzburg am 22. Februar 2000 und am 28. September 2000 durch eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats erörtert. Im Januar 2001 verabschiedete der Wissenschaftsrat seine Stellungnahme, in der er der Einführung des geplanten Studiengangs zustimmt: "Bei dem Studiengang Technologie der Funktionswerkstoffe handelt es sich um einen zukunftsträchtigen und innovativen Studiengang aus dem Bereich der Materialwissenschaften. Insbesondere die Konzeptionierung des Studiengangs zusammen mit Vertretern der Wirtschaft bietet aus Sicht des Wissenschaftsrats die Chance, in zunehmenden nationalen und internationalen Wettbewerb qualifizierte Ingenieure für die regionalen Unternehmen zu gewinnen".

Mit der vorgesehenen Anbindung des Studiengangs an die Fakultät für Chemie und Pharmazie wird aus Sicht des Wissenschaftsrats eine Voraussetzung zur ingenieurwissenschaftlichen Weiterentwicklung naturwissenschaftlicher Curricula im Fachgebiet Chemie geschaffen. Der Wissenschaftsrat würdigte damals in seinem Gutachten insbesondere, dass die Universität Würzburg mit den in der Fakultät für Chemie und Pharmazie, der Fakultät für Physik und Astronomie, der Fakultät für Biologie und der Medizinischen Fakultät bereits bearbeiteten angewandten Forschungsthemen über eine breite Grundlage für den Auf- und Ausbau der Forschungsaktivitäten zur Technologie der Funktionswerkstoffe verfüge.

Zur Gruppe der Funktionswerkstoffe zählen Materialien, die sich durch ihre elektrischen, magnetischen, akustischen, optischen und biologischen Eigenschaften auszeichnen. Die Entwicklung von Hochleistungsfunktionswerkstoffen wird durch die Anforderungen der Informations- und Kommunikationstechnologie, des Maschinen- und Anlagenbaus und der Verkehrs- und Medizintechnik geprägt. Dies sind Branchen, in denen gerade die unterfränkische Wirtschaft besondere Stärke besitzt. In der Konzeption der Universität Würzburg wird für die Entwicklung neuer Materialien, die die Grundlage für Weiterentwicklungen in wichtigen Technologiebereichen und zunehmend Voraussetzung für die Realisierung neuer technischer Produkte sind, die künftige Bedeutung des gezielten Maßschneiderns der Werkstoffeigenschaften für Anwendungen hervorgehoben.

Während im Studiengang Nanostrukturtechnik die Strukturtechnologie sowie Bauteile und Systeme auf der Basis von Nanostrukturen im Mittelpunkt der Ausbildung stehen, werden im Studiengang Technologie der Funktionswerkstoffe vorrangig die Herstellverfahren und die daraus resultierenden makroskopischen Eigenschaften dieser Stoffgruppe behandelt werden. Der Bedarf an Absolventen des angestrebten Studiengangs und an den Forschungsleistungen wurde bereits in der Konzeptionsphase sowohl von der regionalen als auch der überregionalen Wirtschaft bestätigt. Diese in Würzburg geplante Ausrichtung der Technologie der Funktionswerkstoffe bildet an den bayerischen Universitäten und Fachhochschulen sowie an den Hochschulen angrenzender Bundesländer keinen Schwerpunkt.

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