Pressemitteilung Nr. 052/2005
5. September 2005


Forscherinnen des Biozentrums berichten in "Nature"


Kater-Gen lässt Fliegen Alkohol ertragen


Ebenso wie Menschen können auch Fruchtfliegen eine Toleranz gegen Alkohol entwickeln. Wissenschaftlerinnen von der Uni Würzburg haben jetzt ein Gen entdeckt, das den kleinen Insekten dabei hilft, immer mehr Alkohol zu vertragen. Ähnlich könnten die Verhältnisse auch beim Menschen liegen, wie Henrike Scholz und Mirjam Franz vom Biozentrum zusammen mit Ulrike Heberlein aus San Francisco in der Zeitschrift "Nature" berichten.

Das Gen trägt den Namen "hangover", was übersetzt nichts anderes bedeutet als "Kater" - gemeint ist natürlich derjenige, der sich nach exzessivem Alkoholgenuss einstellt. Laut Henrike Scholz scheint dieses Gen generell dann wichtig zu sein, wenn der Organismus mit Stress zu kämpfen hat.

Fruchtfliegen, deren "Kater-Gen" nicht mehr richtig funktioniert, sind nämlich deutlich empfindlicher gegen Hitze und Gifte. Das gilt auch für ihre Reaktion auf Alkohol. Außerdem gewöhnen sie sich nicht so leicht an steigende Alkoholmengen wie ihre genetisch unversehrten Artgenossen. Bei diesen bewirkt schon ein einziger Kontakt mit Alkohol, dass sie einen zweiten "Rausch" besser verkraften. Das fanden die Forscherinnen heraus, indem sie die Fliegen in einer Glassäule mit Ethanol benebelten und dann analysierten, wie stark die Tiere ihr Körpergleichgewicht verlieren und betrunken abwärts trudeln.

Die Alkoholtoleranz gilt als Schlüsselfaktor für die Entstehung einer Suchtkrankheit. Von ihren Studien erhoffen die Forscherinnen darum neue Erkenntnisse über die Alkoholsucht beim Menschen. "Fruchtfliegen sind dafür gut geeignet, ihr Organismus funktioniert in vielerlei Hinsicht ähnlich wie unserer", sagt Henrike Scholz, die am Lehrstuhl für Genetik eine Arbeitsgruppe leitet. Auch den Kontakt mit Alkohol seien die rotäugigen Insekten gewohnt: Sie legen ihre Eier gern in überreife Früchte, wobei sie von deren alkoholischen Düften angelockt werden. Ihr Gehirn dürfte auf das Nervengift Alkohol ähnlich reagieren wie das des Menschen.

Weitere Informationen: Dr. Henrike Scholz, T (0931) 888-4479, Fax (0931) 888-4452, E-Mail:
henrike.scholz@biozentrum.uni-wuerzburg.de


Henrike Scholz, Mirjam Franz & Ulrike Heberlein: "The hangover gene defines a stress pathway required for ethanol tolerance development", Nature Vol. 436, Seiten 845 - 847, 11. August 2005, DOI: 10.1038/nature03864

Hinweis für Redaktionen/Journalisten: Henrike Scholz ist von heute bis einschließlich Mittwoch, 7. September, am Biozentrum erreichbar. Eine pdf-Datei mit der Originalarbeit können Sie bei der Pressestelle der Uni erhalten, T (0931) 31-2401,
emmerich@zv.uni-wuerzburg.de

Anfragen an:   presse@zv.uni-wuerzburg.de

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