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10. März 2005 Jeder erwachsene Mensch besitzt Stammzellen im Körper. Bisher war es unter Wissenschaftlern umstritten, ob sich zum Beispiel Blutstammzellen aus dem Knochenmark, die ja eigentlich Blutzellen bilden sollen, auch in andere Zellen umwandeln lassen. Dass adulte Stammzellen durchaus gewebefremde Zelltypen bilden können, haben jetzt die Professoren Albrecht Müller von der Uni Würzburg und Martin Zenke (Aachen) mit Kollegen aus Heidelberg bewiesen. Wie die Forscher im Fachmagazin "The EMBO Journal" berichten, konnten sie aus dem Gehirn von Mäusen entnommene Stammzellen dazu bringen, sich dauerhaft in Blutzellen umzuwandeln. "Jede Zelle weiß genau, was sie einmal werden soll", sagt Albrecht Müller. "Aber wir haben in zentrale Gedächtnisprozesse der Stammzellen eingegriffen und diese dadurch verändert." Das Gedächtnis der Zellen besteht offenbar darin, dass DNA und mit ihr assoziierte Proteine (Histone) in typischer Weise Anhängsel tragen, so genannte Methylierungen und Acetylierungen. Diese kleinen Modifikationen bestimmen mit, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Die Wissenschaftler haben nun durch Behandlung mit speziellen Chemikalien das Muster der Anhängsel verändert und dadurch die Genaktivität. Für diese "Gehirnwäsche" wurden die Stammzellen der Nager in einer Zellkultur gehalten und mit den Chemikalien versetzt. Anschließend wurden sie den Tieren zurücktransplantiert und entwickelten sich in deren Körper nachweislich zu Blutzellen. Müller: "Das untermauert unsere Theorie, dass sich durch die Modifikation von DNA und Histonen die Entwicklungsfähigkeiten von Gewebestammzellen vergrößern lassen." Interessant werde es nun sein, ob sich auch Stammzellen aus dem Knochenmark, die leichter zugänglich sind und heute schon routinemäßig für Transplantationen eingesetzt werden, umprogrammieren lassen, etwa zu Nervenzellen. Diese könnten dann therapeutisch eingesetzt werden. Solche und andere Hoffnungen ruhen seit langem auf den so genannten adulten Stammzellen, die in den Geweben des erwachsenen Organismus vorkommen und eine Alternative zu den ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen sind. Albrecht Müller befasst sich am Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung der Uni Würzburg seit Jahren ausschließlich mit den Möglichkeiten, die adulte Stammzellen bieten. Weitere Informationen: Prof. Dr. Albrecht Müller, T (0931) 201-45848, Fax (0931) 201-45147, E-Mail: "In vivo haematopoietic activity is induced in neurosphere cells by chromatin-modifying agents", Carolin Schmittwolf, Nicole Kirchhof, Anna Jauch, Michael Dürr, Friedrich Harder, Martin Zenke, Albrecht M. Müller. The EMBO Journal 24, 9. Februar 2005, Seiten 554-566. Hinweis für Redaktionen/Journalisten: Ein pdf-file mit der Originalpublikation können Sie bei der Pressestelle anfordern, E-Mail: Anfragen an: presse@zv.uni-wuerzburg.de |
