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11. Februar 2005 "Wir machen das zur Freude der Bürger und als echte Attraktion für die Stadt", versprach gestern Universitätskanzler Bruno Forster: Zum Abschluss der über Jahrzehnte sich hinziehenden Wiederaufbau- und Sanierungsarbeiten an der Alten Universität mit der Neubaukirche wird ab nächste Woche in den Turm der Kirche ein Musikinstrument seltener Art installiert: ein Carillon, ein Glockenspiel. Ursprünglich, so der Kanzler, sei dieses "echt konzertante Musikinstrument" im Rahmen der Wiederaufbau- und Sanierungsarbeiten nicht geplant gewesen. Die Idee dazu entstand im Jahre 2001 in "einem Gespräch über den schönsten und höchsten Kirchturm Würzburgs". Die Faszination an dieser Idee mündete in erste Überlegungen zur Gründung eines Fördervereins. Dann gelang es aber der Universität, das Projekt dem Freistaat schmackhaft zu machen: "Das Universitätsbauamt wurde eingeschaltet, Befürworter fanden sich im Wissenschaftsministerium, in der Obersten Baubehörde, auch im Finanzministerium". Als Mitstreiter standen mit Dr. Jürgen Buchner ein Carillonneur, ein studierter Glockenspieler, der amtliche Glockensachverständige Siegfried Issig und Universitätsbauamtsleiter Hans Bock zur Verfügung. In Deutschland, so Buchner auf der Pressekonferenz, gebe es bisher 37 Carillons, davon zwei in Bayern, im Münchener Olympiagelände und im Aschaffenburger Schloss. In Europa seien bisher drei Universitäten - Amsterdam, Leuven und Rotterdam - mit einem Carillon ausgestattet: "Würzburg ist nun die erste und einzige deutsche Universität. Die Partneruniversität Rochester/USA und die Stadt Albany, zu deren Universität ebenfalls enge Beziehungen unterhalten werden, besitzen Carillons". Das Carillon der Universität Würzburg wurde von der seit 1660 bestehenden königlichen Glockengießerei Petit en Fritsen in Aarle-Rixtel/Niederlande gefertigt. Es verfügt über 51 Glocken und ist damit hervorragend geeignet, sämtlichen musikalischen Anforderungen gerecht zu werden. Die größte Glocke hat einen Durchmesser von einem Meter, eine Höhe von 85 cm und ein Gewicht von 635 kg und ist mit dem Wappen der Universität verziert. Die kleinste Glocke wiegt nur wenig mehr als vier Kilogramm. "Sicherlich wäre niemals jemand auf den Gedanken gekommen, ein solches Instrument zu verwirklichen, wenn nicht mit diesem Turm ideale Verhältnisse bereits vorhanden gewesen wären", sagte Siegfried Issig. Auch habe die Neubaukirche als Sakralbau bis zur Umwidmung zur Aula der Universität "schon immer Glocken getragen". Es liege, so Issig, in der europäischen Tradition mit Glocken auch andere Musik zu machen, als beim gewohnten, herkömmlichen, liturgischen Läuten, wie man es von den Kirchtürmen kennt. Zu erwähnen sei das besondere Läuten in England, wo Glocken rundum in vorher festgelegter Reihenfolge geläutet werden, die klassischen Carillons in den Beneluxstaaten, das rhythmisch melodische Läuten mit Seilen in Italien vor allem im Bereich Verona, Gardasee, in Russland und auf Malta, sowie in Norddeutschland das so genannte Baiern, das Anschlagen der Klöppel mit Zugseilen nach vorgegebenen Melodien. Schalltechnisch gesehen, so der Glockenspezialist, sei "das Carillon ein Musikinstrument mit profanem Charakter, das jedoch nur durch einen Glockenspieler gespielt wird und keine Spielautomatik besitzt". Nach Montage werde das Instrument entsprechend den Schallschutzvorschriften, die für diesen Teil des Stadtgebietes vorgeschrieben sind, eingepegelt. Neben dem konzertanten Einsatz zu bestimmten Zeiten im Monat auch für die Bevölkerung und zu besonderen universitären Veranstaltungen bieten sich künftig viele Möglichkeiten im Rahmen der traditionell reichen Musikpflege und der musikwissenschaftlichen Aktivitäten an der Universität an. Die Finanzierung der Kosten in Höhe von 165.000 Euro wird teils aus Spenden, durch den Freistaat, durch die Universität selbst und den Förderverein, der "heute auch schon als lockere Gemeinschaft" existiere und sich im Gründungsstadium befinde, gewährleistet. Zuständig für die Gründung ist Dr. Jürgen Buchner. Zur weiteren Finanzierung denken Kanzler Forster und seine Mitstreiter auch an eine "Sponsoringaktion. Am Montag, 14. Februar, wird vormittags ein Kran mit 60 Meter hohem Arm in der Schönthalstraße aufgebaut. Die Straße wird dazu halbseitig gesperrt. Am Dienstag sollen die Glocken hochgezogen werden. Wenn die Witterung einen zügigen Arbeitsablauf zuläßt, soll die Aktion in zwei Tagen beendet sein. Mehrere Wochen dauern dann noch die Einbauarbeiten im Turm. Ein Eröffnungskonzert soll im Frühjahr stattfinden. Anfragen an: presse@zv.uni-wuerzburg.de |
