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12. Mai 2004 "Es gibt Universitäten in Bayern, die erklären, ihren Bereich der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mehr oder weniger stark abzubauen. Für mich, für diese Universität, kommt dies nicht in Frage. Wenn andere Universitäten hier etwas aufgeben, müssen wir diese Lücken besetzen." Universitätspräsident Prof. Dr. Axel Haase erhielt bei seiner Begrüßungsrede anläßlich des Stiftungsfestes der Universität Würzburg am 11. Mai für diese Ausführungen besonderen Beifall. Vor mehreren hundert Gästen in der Neubaukirche umriss der Präsident angesichts der Finanzschwäche des Staates und der Forderung an die Universitäten, Strukturveränderungen vorzunehmen und ihr Profil zu schärfen, die Politik der Universität Würzburg. Neben der Konzentration auf die Stärken der Universität müßten die Universitäten untereinander mehr kooperieren. In Bayern sei man mit der Gründung der Universität Bayern e.V. durch die Präsidenten und Rektoren der Universitäten auf einem guten Weg, um den Veränderungsprozess gemeinsam zu gestalten. "Wenn jede Universität nur sich selbst optimiert, ohne nach Außen zu sehen und keine Abstimmung erfolgt, verlieren wir alle", erklärte Prof. Haase. Für die Universität Würzburg gehe es in den kommenden Monaten darum, in dem Bereich von "Life Sciences", in dem die Stärken der Universität lägen, sich der Konkurrenz um Elitestudiengäng in Bayern und Exzellenznetze im Bund zu stellen. In diesen Bereichen arbeiten heute Medizin, Biologie, Chemie, Physik und Informatik zusammen und finden sich die überwiegende Zahl der Würzburger Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen, Graduiertenkollegs und Forschungszentren. Der Präsident machte auch deutlich, dass in den kommenden zehn Jahren ein "Abiturientenberg" auf die Universitäten zukomme. Wenn aber parallel dazu die Universitäten sich jetzt bereit machten, im Wettbewerb um die besten Studierenden erfolgreich zu sein, "die allgemeine Finanzausstattung der Universitäten aber nicht massiv verbessert wird, wird unter diesen Bedingungen aus dem Abiturientenberg kein Absolventenberg." Es werde, erklärte Prof. Haase, "mehr Zulassungsbeschränkungen und schärfere Eingangsprüfungen" geben. "Wir werden Eliteausbildung haben, der Prozentsatz der Bevölkerung mit akademischer Ausbildung aber wird zurückgehen und dies bei der letzten geburtenstarken Generation, die Deutschland zu bieten hat. Ich meine: keine guten Aussichten!" Präsident Haase ehrte im Rahmen des Stiftungsfestes seinen Vorgänger im Amt, Prof. Dr. Theodor Berchem. Als Dank für sein "außergewöhnliches Engagement" verlieh ihm die Universität die Würde eines Ehrensenators: "Sie haben mir bei meinem Amtsantritt eine Universität hinterlassen, als deren Präsident man sich im In- und Ausland mit berechtigten Stolz zu erkennen geben kann", sagte Haase. Der Röntgenpreis, den die Universität und der Universitätsbund seit 2002 jährlich an herausragende Nachwuchswissenschaftler verleihen, ging an Dr. Ute Felbor. Der Preis in Höhe von 5.000 Euro wird aus der Dipl. Ing. Walter Preh-Stiftung finanziert. Präsident Haase und der Vorsitzende des Universitätsbundes, Albrecht Graf von Ingelheim, überreichten die Auszeichnung. Ute Felbor ist die erste Wissenschaftlerin, die ihn erhielt. Der Grund liegt in "ihren herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der molekularen Humangenetik". Die Privatdozentin und Fachärztin für Humangenetik erforscht als Nachwuchsgruppenleiterin im Rahmen des Emmy Noether-Programms (Deutsche Forschungsgemeinschaft) die Wirkweise von Hemmstoffen der Blutgefäßneubildung, Parallelen zwischen Angiogenese und Neurogenese sowie Mausmodelle für eine Form der Neurodegeneration. Von 1998-2000 verbrachte sie einen dreijähriger Forschungsaufenthalt am Department of Cell Biology, Harvard Medical School, Boston, MA, USA, unterstützt durch ein Feodor-Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung sowie ein DFG Forschungsstipendium. 2000 erhielt Ute Felbor den Bayerischer Habilitationsförderpreis. Der diesjährige DAAD-Preis wurde von Präsident Haase an die griechische Studierende Maria Gennimata verliehen. Dieser Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, DAAD, wird für herausragende Studienleistungen und vor allem auch für bemerkenswertes soziales, gesellschaftliches oder hochschulinternes Engagement eines ausländischen Studierenden der Universität Würzburg vergeben und soll damit der Öffentlichkeit deutlich machen, welche Bereicherung ausländische Studierende für unsere Hochschulgemeinschaft darstellen. In Vertretung des Regierungspräsidenten verlieh Vizepräsidentin Heidrun Piwernetz die Preise der Unterfränkischen Gedenkjahrstiftung. Die Preise werden an die Verfasser von herausragenden Doktorarbeiten vergeben, die ein besonderes Verhältnis zu Unterfranken haben. Die diesjährigen Preisträger sind: Dr. theol. Monika Tremel, Dr. jur. Thomas Lösler, Dr. jur. Christian Malzahn, Dr. jur. Volker Stiebig, Dr. jur. Eva Brigitte Stumpf-Wirths, Dr. med. Andreas Fischer, Dr. med. Michael Kreißl, Dr. phil. Michaela Schmale, Dr. phil. Pascal Fischer, Dr. phil. Michael Schäfer, Dr. phil. Robert Scheuble, Dr. phil. Isabel Vollmuth, Dr. phil. Udo Andreas Götschel, Dr. phil. Natascha Traudl Nowack-Göttinger, Dr. phil. Christian Zimmermann, Dr. rer. nat. Andrea Herold, Dr. rer. nat. Jörg David Mühlbacher, Dr. rer. nat. Kirsten Drüppel, Dr. rer. nat. Andreas Philipp, Dr. rer. nat. Kenji Gerald Leibnitz, Dr. rer. nat. Marc Oliver Fischer, Dr. rer. nat. Martin Kamp, Dr. rer. nat. Joachim Heinrich Seufert, Dr. rer. pol. Martin Hepp. Die Festrede hielt der Würzburger Astrophysiker Prof. Dr. Jens Niemeyer vom Institut für Theoretische Physik und Astrophysik. Sein Thema lautete "Dunkle Materie und Dunkle Energie - Fragen der modernen Kosmologie". Prof. Niemeyer erhielt im vergangenen Jahr den mit einer halben Million Euro dotierten Förderpreis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für Nachwuchswissenschaftler. Die musikalische Gestaltung der Feier in der Neubaukirche oblag Prof. Dr. Bernhard Janz (Orgel). Anfragen an: presse@zv.uni-wuerzburg.de |
