Hofansicht, Grundstein, Haupteingang Biozentrum Foto: H.R. Heilmann 2012

Konzept und Geschichte

Die Idee und erste Initiative, ein Biozentrum an der Universtiät Würzburg zu errichten, geht auf die frühen siebziger Jahre zurück und stammt von dem Biochemiker Professor em. Ernst Helmreich und seinem inzwischen verstorbenen Kollegen Professor Guido Hartmann. Die alte Naturwissenschaftliche Fakultät hatte sich in mehrere kleine Fachbereiche aufgelöst. Hartmann und Helmreich sahen die Gefahren der fortschreitenden Spezialisierung der Einzeldisziplinen und hielten eine enge Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Biologie und Medizin in Würzburg für wünschenswert, ja dringend notwendig.

Umzug und Zentralisierung

Stadtranduniversitäten und Forschungsinstitute wurden zu der Zeit vielerorts gebaut. In Würzburg war ein Umzug der Physik und Chemie auf das Erweiterungsgelände "Am Hubland" geplant. Es lag nah, mehrere in der Altstadt angesiedelte biowissenschaftliche Institute ebenfalls dorthin zu verlagern. Die beiden Initiatoren schlugen vor, acht Lehrstühle aus den Fakultäten für Biologie, Chemie und Medizin zu einer neuen Institution zusammenzufassen und für sie ein Gebäude im Erweiterungsgelände der Universität in enger Nachbarschaft zu den anderen naturwissenschaftlichen Basisfächern zu errichten. Der Plan wurde von der Universitätsleitung und dem bayerischen Kultusministerium bereitwillig aufgenommen.

Internationalisierung

Das wichtigste Anliegen von Helmreich und Hartmann war aber, der Biologie in Würzburg eine wissenschaftliche Einrichtung zu schaffen, die von ihrer Infrastruktur und Ausstattung her den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchte. In den Naturwissenschaften gilt nach wie vor, daß gute Lehre nur durch gute Forschung möglich ist. Aber auch umgekehrt bietet die Einbettung in die Lehre für die Forschungsarbeit keineswegs nur Schwierigkeiten, sondern auch Chancen, die es im Wettbewerb mit den reinen Forschungsinstitutionen zu nutzen gilt.

Was ist aus dem ursprünglichen Konzept geworden? Wie weit haben sich die Vorstellungen der Initiatoren verwirklichen lassen?

Zum Zeitpunkt der offiziellen Einweihung im Mai 1993 bezeichnete der Begriff "Biozentrum" zunächst einmal nur das neue Gebäude mit seinen zehn Lehrstühlen, sechs aus der Biologie, einen aus der Chemie und drei aus der Medizin. Diese waren in drei Institute gegliedert. Die sechs biologischen und zwei medizinisch-vorklinischen Lehrstühle haben sich zum Theodor-Boveri-Institut für Biowissenschaften zusammengeschlossen. Diesem gehört außerdem die Zentrale Abteilung für Elektronenmikroskopie und die über Drittmittel finanzierte Wissenschaftliche Nachwuchsgruppe an. Die Lehrstühle für Biochemie und für Humangenetik firmieren jeweils als eigene Institute im Biozentrum. Das Institut für Humangenetik und die ihm zugeordnete selbständige Abteilung für Medizinische Genetik nehmen neben den Aufgaben in der Grundlagenforschung und Lehre auch die genetische Betreuung von Patienten wahr. Ebenfalls im Biozentrum untergebracht ist die Teilbibliothek Biowissenschaften, die von verschiedenen Instituten auch außerhalb des Biozentrums und der Universitätsbibliothek mitgetragen wird.

Eindrucksvoller wissenschaftlicher Erfolg

Schnell hat sich in der Folge gezeigt, daß das ursprüngliche Konzept aufgehen würde. Alle haben von dem neuen Gebäude mit seinen modernen Labors, Geräten, Hör- und Kurssälen profitiert – die Wissenschaftler ebenso wie die Studierenden. Die kurzen Wege erleichtern die Zusammenarbeit auch über die Fakultätsgrenzen hinweg. Die im aktuellen Forschungsbericht beschriebenen Aktivitäten, die Publikationen, Ehrungen sowie die eingeworbenen Drittmittel belegen den eindrucksvollen wissenschaftlichen Erfolg des Biozentrums.

Die Integration des Julius-von-Sachs-Instituts

Ein großer Wermutstropfen war von Anfang an das Fehlen der drei pflanzenwissenschaftlich ausgerichteten Lehrstühle des Julius-von-Sachs-Insitutes für Biowissenschaften mit ihrem Botanischen Garten. Auch wenn allen Beteiligten klar war, daß es in absehbarer Zeit nicht möglich sein würde, diese Lehrstühle ebenfalls auf das Hubland zu holen, so waren sie doch immer bemüht, bestehende Kooperationen zu intensivieren.

Am 3. März 1997 war es dann soweit. In einer schriftlichen Vereinbarung schlossen sich die 13 Lehrstühle der drei im Biozentrums-Gebäude ansässigen Institute und des Julius-von-Sachs-Institutes zum "Lehr- und Forschungsverbund Biozentrum" mit dem Ziel zusammen, die fächer- und fakultätsübergreifende Kooperation auf dem Gebiet der Biowissenschaften noch stärker zu intensivieren und die gemeinsame Nutzung spezieller Forschungs-, Lehr- und Service-Einrichtungen zu fördern - kurzum, so eng wie möglich in Forschung und Lehre zusammenzuarbeiten.

Weitere Schritte

Im Jahre 2001 konnte das Biozentrum den nächsten großen Erfolg verzeichnen. Finanziert aus der sog. „High-Tech-Offensive Bayern“ wurde mit der Bioinformatik ein neuer, elfter Lehrstuhl in einem hochaktuellen Forschungsgebiet eingerichtet. Der neue Lehrstuhl gehört zur Biologie und ist Teil des Theodor-Boveri-Institutes.
Mit der Neubesetzung des Lehrstuhls für Biochemie gelang schließlich 2005 der bisher letzte Schritt der Integration. Unter Auflösung des Institutes für Biochemie wurde der gleichnamige Lehrstuhl, der zur Fakultät für Chemie und Pharmazie zählt, nun ebenfalls Teil des Theodor-Boveri-Institutes. Damit gehören 10 der 11 auf dem Hubland ansässigen Lehrstühle zu diesem fach- und fakultätsübergreifenden Institut.
Durch geeignete Organisationsmaßnahmen sorgt die Verwaltung des Biozentrums für die Umsetzung all dieser Vorgaben und eine optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen.
Damit ist das Biozentrum wesentlichen Empfehlungen sowohl seines eigenen Wissenschaftlichen Beirats als auch des vom Bayerischen Kultusminister 1996 eingesetzten Beirats für Wissenschafts- und Hochschulfragen nachgekommen."